Wie ein Haslacher "Junge von der Straße" mit Schwarzwald-Kunst durchstarten will

David Zastrow

Er nennt sich selbst "Straßenjunge aus Haslach" - und er zeichnet sensationell. Florian Tröger besuchte eine Grafikschule, fand keine Stelle, jobbte in der Gastro und versucht sich nun als Künstler. Ein Gespräch über "Schwarzwald-Ghetto"-Kunst und "kranke Ideen":



Florian, wie würdest du Deine Kunst beschreiben?

Meine Werke haben einen starken Bezug zur Heimat, zur Stadt Freiburg und zum wunderbaren Schwarzwald. Neben den bodenständigen Heimat-Motiven, haben die Bilder auch eine moderne Seite, die zum Teil auch mit modernen Mitteln erzielt wurden. Auch sind Street-Art Einflüsse in den Zeichnungen vorhanden. Das häufigste Thema ist sicherlich die Schwarzwald-Marie im Birgit-Style, meist eine schwerbewaffnete und tätowierte Frau mit Bollenhut.

Aber auch andere Elemente wie die Kuckucksuhr und regionale Tiere wie der Fuchs, die Eule und der Rabe tauchen immer wieder in detaillierten Ausführungen auf. Die Details sind mir sehr wichtig. Selbst in den Tattoos, die die Arme der Schwarzwald-Marie zieren, findet sich das Thema des Bildes wieder. Alle meine Zeichnungen sind mit Bleistift angefertigt, zum Teil verwende ich auch Buntstifte.

Was willst du mit deiner Kunst ausdrücken?

Ich möchte eine Mischung aus dem Schwarzwald und der Straße erzeugen. Der Schwarzwald steht für meine Heimat und die Straße für meine Person. Ich bin ein Junge von der Straße. Es zeigt was ich mag, mit was ich aufgewachsen bin. Damit meine ich nicht das Spazierengehen im Wald, sondern mit Kollegen draußen rumhängen und mit den Kumpels am Wochenende dies und jenes machen. Den Schwarzwald mit der Straße zu verbinden finde ich modern und es trifft den Zeitgeist.

Ein Fan hat meine Kunst mal als "Schwarzwald-Ghetto" bezeichnet. Ich möchte mich von dem „Galerie-Gehabe“ abgrenzen. Dort stehen sie dann mit einem Sektchen und machen ihr dickes Geschäft mit tausenden von Euro. Ich will meine Kunst für die breite Masse anbieten, zu fairen Preisen. Es soll Kunst sein, die fresh ist und nicht so alte Kamellen. Später will ich nicht Bilder für extrem viel Geld verkaufen, sondern ich möchte, dass Bilder publik werden und dass möglichst viele Leute sich darüber freuen und was davon haben.



Warum zeichnest Du so häufig Schwarzwaldmotive?

Die Natur hier gefällt mir richtig gut. Das gibt es in Deutschland kein zweites Mal. Es macht Spaß hier unterwegs zu sein. Das Altertümliche, die Bollenhutfrau und die Kuckucksuhren. Das alles sieht extrem cool aus. Ich werde aber auch in Zukunft andere Sachen bringen. Andere Einflüsse. Einfach das Verrückte, bei dem sich die Leute wundern, wie der Künstler auf die kranken Ideen kommt und sich deswegen so sehr für die Kunst interessieren. Das wird in Zukunft ein bisschen stärker einfließen.

Was inspiriert dich bei deinen Zeichnungen?

Einerseits inspiriert mich die Kunst von anderen jungen Künstlern, die modernes Zeug machen. Ich werde nicht von alten Schinken beeinflusst, obwohl ich das in der Schule in Kunstgeschichte gelernt habe. Es interessiert mich aber eigentlich nicht. Ich könnte jetzt nicht mal ein altes, großes Werk nennen, wenn du mich fragen würdest.

Inspiriert werde ich nur durch die neuen Leute, die frischen Wind in die Kunstszene bringen. Außerdem werde ich von den Fahrten in den Schwarzwald inspiriert, wenn wir zu meiner Freundin nach Neustadt fahren. Dann sehe ich wirklich Sachen, die ich beeindruckend finde. Zum Beispiel altertümliche Häuser, die mich auf Ideen bringen. Natürlich auch die Natur den ganzen Schwarzwald hoch. Was wir hier vor der Haustüre haben ist wirklich beneidenswert. 



Warum liebst du das Zeichnen so sehr?

Zunächst einmal bleibt einem beim Zeichnen viel Zeit zum Nachdenken. Man hockt da und plötzlich sind drei oder vier Stunden vergangen. Man kann den Gedanken ganz ruhig freien Lauf lassen, man ist völlig abgelenkt. Es lässt mich einfach zur Ruhe kommen. Vor allem, wenn die Arbeit stressig war, hilft es mir enorm beim Entspannen. Ich vergleiche es gerne mit Sport. Man ist mit seinem Kopf wo ganz anders. Und ganz klar ich liebe auch das Ergebnis und die Reaktionen der Leute, die die Kunst sehen. Es ist wunderbar, wenn Leute meine Kunst zuhause haben und über die Zeichnungen und meine Absicht dahinter nachdenken oder philosophieren. Es ist wie wenn ich Musik höre und überlege, warum der Interpret jetzt diesen Text rappt.

Eine Bollenhut-Frau mit Gewehr, das passt doch irgendwie zum neuen "Schwarzwald"-Tatort. Würdest du denn mitspielen wollen?

Den Tatort habe ich noch nie angeschaut. Sobald aber die erste Anfrage kommt, bin ich am Start. Ich hoffe, dass ich dann nicht die Leiche spielen muss. Der Künstler, der mit dem Pinsel erdolcht wird.

Zur Person



Florian Tröger ist ein Haslacher Junge, geboren in Freiburg. Er besuchte die Freiburger Grafikschule „Akademie für Kommunikation“. Eine Stelle als Grafiker blieb ihm jedoch verwehrt. Zu schwer ist es in Freiburg eine Stelle zu finden. Also ging er in die Gastronomie, um Geld zu verdienen. Nun versucht er sich mit der Kunst.

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