Wie ein Gambier zum prämierten Schwarzwälderkirschtorten-Bäcker wurde

Dorothea Winter

Amadou Jang Touray ist 2015 aus Gambia nach Deutschland gekommen. Nun hat er beim Schwarzwälderkirschtorten-Wettbewerb teilgenommen – und direkt die Silbermedaille abgestaubt.

Der 19-jährige Amadou macht seit über einem Jahr im Naturpark-Hotel "der Waldfrieden" in Todtnau seine Ausbildung zum Koch. Durch seine Ausbildung entdeckte er seine Leidenschaft am Backen – und die Schwarzwälderkirschtorte ist sein absoluter Favorit. Als ihn sein Chef fragte, ob er am 22. April denn schon was vor hätte und er verneinte, meldete dieser ihn kurzerhand für das Schwarzwälder Kirschtortenfestival in Todtnau an.


Beim Schwarzwälder Kirschtortenfestival stellen sich 27 Tortenbäcker einer professionelle Jury. Einer der Teilnehmer war Amadou. In mehreren Runden gingen jeweils vier bis fünf Kandidaten parallel an den Start. Kuchenboden, Sahne und Kirschen mussten schon im Voraus von den Kandidaten vorbereitet werden. Und so bestand die Aufgabe vor Ort darin, innerhalb von 20 Minuten die Torte fertigzustellen. Und das vor Publikum. Amadou erlangte die Silbermedaille in der Profi-Kategorie. "Ich war schon sehr überrascht darüber", meinte Amadou zu seinem Sieg, "aber ich wusste auch, dass ich die Torte gut mache."

"Ich wollte zwar nicht schon immer Koch werden, aber inzwischen will ich nichts anderes mehr machen." Amadou
Nach seinem Sieg war er über die öffentlichen Reaktionen sehr überrascht. Auf sozialen Netzwerken und in der Presse wurde er mehrfach interviewed und Videos von ihm vielfach geteilt. Daraufhin gratulierten ihm auch sehr viele Freunde und Bekannte, von denen er schon länger nichts mehr gehört hatte oder die weit weg wohnen – und das war für ihn das Schönste am Sieg.

Amadou kam durch seine damalige Deutschlehrerin zum Hotel Waldfrieden und ist noch immer sehr glücklich über seine Anstellung. "Ich wollte zwar nicht schon immer Koch werden, aber inzwischen will ich nichts anderes mehr machen." Als Amadou vor drei Jahren in das kleine Städtchen Todtnau kam, war der Kulturschock für ihn riesig. Alles war komplett anders, als in seinem Heimatland. Er musste sich erst an die neue Sprache, die neuen Menschen, die andere Kultur und seinen neuen Job gewöhnen. Aber inzwischen ist das alles kein Problem mehr für ihn. Besonders wegen seiner Kollegen. Diese haben ihm das Einleben in dem deutschen Dorf im Schwarzwald ungemein erleichtert, erzählt er.

Er wohnt mit drei Kollegen in einer Wohngemeinschaft, die nur fünf Minuten von seiner Arbeit weg ist. In seiner Freizeit unternimmt er gerne etwas mit seinen Freunden – und auch außerhalb seiner Arbeit kocht er liebend gerne. Am liebsten für seine Freunde. Nur Schwarzwälderkirschtorten backt er bloß bei der Arbeit – so viel Kuchen kann alleine ja auch keiner Essen.

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