Leo-Wohleb-Straße

Wie ein Freiburger Musiker um seinen Proberaum kämpft

Felix Klingel

Seit zwei Jahren hat André Jenaro einen Proberaum in der Leo-Wohleb-Straße. Immer mal wieder gab es Ärger mit einer Anwohnerin – bis die Kündigung kam. Doch der Musiker fühlt sich hintergangen – und will den Proberaum nicht aufgeben.

Einen Proberaum in Freiburg zu finden ist keine leichte Aufgabe. Schon seit langem klagen Bands und Musiker, dass passende Räume fehlen. André Jenaro dagegen hatte Glück, er hat quasi den Jackpot gezogen: Fast in der Innenstadt, nämlich in der Leo-Wohleb-Straße, hat er seit etwa zwei Jahren in einem Keller ein Domizil für sich und befreundete Musiker gefunden.


Doch das Glück hat ein Ende: Eine Kündigung flatterte ins Haus, der Proberaum sollte bis Ende des vergangenen Jahres geräumt sein. Eigentlich. Aber André Jenaro will nicht einfach aufgeben: "Es steckt so viel Herzblut in dem Raum." Er ist weiterhin im Proberaum, zahlt Miete, eine sogenannte stillschweigende Verlängerung des Mietvertrages. André Jenaro will sich erst zufrieden geben, "wenn alle Beteiligten sich an einen Tisch setzen, und die Sache klären."

Probleme mit Anwohnern

Denn er fühlt sich übergangen. Von der Hausverwaltung, und einer Mieterin, die sich über Lärm beschwert. Es ist eine Geschichte, die symptomatisch für das schwierige Standing von Kulturschaffenden in Freiburg steht – meist, weil es Probleme mit Anwohnern gibt.

"Das ist schon ein Luxus hier", sagt André Jenaro bei einem Besuch im Proberaum. Es sieht genauso aus, wie man sich einen Proberaum vorstellt: Ein halbes Schlagzeug steht in der Ecke, daneben ein Keyboard, Kabel liegen auf dem Boden. In einer Ecke stehen Sofas und ein Tisch, darüber leere Bierflaschen. Kreatives Chaos.

Kein Gespräch erwünscht

André Jenaro hat ein eigenes Musikprojekt, außerdem nutzt seine Band Steinregen Dubsystem den Raum, sowie einige befreundete Musiker. "Einmal in der Woche ist hier was los", sagt Jenaro. Und das für nur einige Stunden versichert er, nach 22 Uhr sei Ruhe. Das ist auch so, weil es schon öfter Probleme mit einer Mieterin gab, die vier Stockwerke über dem Proberaum wohnt. Über dem Kellerraum liegt eine Tiefgarage, dann kommt ein Casino, dann Büroräume und dann Wohnungen.

Schon bei einige Proben habe es an der Tür geklopft und eine Frau habe gefordert, dass die Musiker sofort aufhören sollen. "Danach ist sie sofort wieder hoch, ein Gespräch wollte sie nicht", sagt André Jenaro. Er weiß nicht, wie laut die Musik in der Wohnung ankommt, war aber während Proben schon mehrfach im Haus und außerhalb unterwegs, und habe die Musik kaum noch gehört.
"Ich hätte gerne etwas mehr Toleranz uns gegenüber, wenn wir hier einmal die Woche Musik machen." André Jenaro
Mit anderen Mietern im Haus hat er sich schon unterhalten. Sie sollen vom Proberaum noch nichts mitbekommen haben. Das Haus liegt außerdem an der vielbefahrenen Leo-Wohleb-Brücke, Lkw rattern in Sekundentakt vorbei. Ein Ort der Ruhe ist die Gegend wahrlich nicht.

"Ich hätte gerne etwas mehr Toleranz uns gegenüber, wenn wir hier einmal die Woche Musik machen", sagt Jenaro. Doch die Bewohnerin hat sich mehrfach bei der Hausverwaltung beschwert. Daraufhin folgte die Kündigung. Die Verwaltung habe auf mehrere Beschwerden reagiert, teilt die in einer E-Mail mit. Daraufhin sei der Keller erst als Proberaum aufgefallen. Und durch Brandschutzverordnungen und Baugenehmigung seien keine Aufenthaltsräume im Keller erlaubt.

Die Immobilienverwaltung verweist auf den Eigentümer

André Jenaro dagegen sagt, dass es den Proberaum schon etwa zehn Jahre gibt und vor ihnen auch schon Musiker darin waren. Das sei auch allen bekannt gewesen. Und die Baugenehmigung lasse Ausnahmen zu. Die Immobilienverwaltung will keine weiteren Fragen beantworten und verweist auf den Eigentümer des Kellers, der ihn auch vermietet.

"Ich bin nicht glücklich, dass er raus muss", sagt Vermieter Avni Kokal. Doch die Hausverwaltung habe ihn zu der Kündigung gedrängt. "Ich selbst sehe eigentlich keinen Störfaktor", sagt er. Das Haus liege direkt zur Straße, noch bis vor kurzem befand sich die Leo Bar im Erdgeschoss, ebenso ein Casino und ein Erotikmarkt. Es gab und gibt also viele andere Lärmquellen.

Ein Podest soll das Problem lösen

Die stillschweigende Verlängerung des Mietvertrags geht für den Vermieter in Ordnung. Trotzdem hat er seinem Mieter nun geraten, den Proberaum Schallschutzdicht zu machen. André Jenaro vermutet aber, dass darin gar nicht das Problem liegt: "Es geht um den Bass, der übertragen wird." Wenn der Bass nicht vom Haus entkoppelt ist, so kann er sich möglicherweise durch das ganze Haus übertragen – auch wenn von der restlichen Musik gar nichts mehr ankommt.

Darum soll jetzt ein Podest für Schlagzeug und Bass-Verstärker in den Proberaum, um das Problem zu lösen. Dann will André Jenaro eine Schallmessung bei voller Bandprobe machen. Mit der Hausverwaltung oder der betroffenen Mieterin ist das noch nicht abgesprochen. Es herrscht Funkstille, auch wenn André Jenaro den Kontakt gesucht hat: "Die Art und Weise, wie das hier abläuft, ist für mich eigentlich am traurigsten." Er fürchtet, dass die Sache irgendwann doch vor Gericht landet. Und er den Proberaum verliert.



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