"Rosenstadt"-Bier

Wie ein Freiburger in Oregon als Bierbrauer durchstartet

Brigitte Geiselhart

Eigentlich wollte Tobias Hahn aus Freiburg nur zwei Semester in den USA studieren. Doch es kam anders. Stattdessen promovierte er in Mikrobiologie, gründete eine Familie – und startet nun in Portland, Oregon, als Bierbrauer durch.

Vor einem Dreivierteljahr hat Hahn zusammen mit seinem Geschäftspartner Nick Greiner das "Rosenstadt"-Bier auf den Markt gebracht. "In unserer Stadt gibt es eine Vielzahl von Brauereien und die Portlander sind als Bierkenner bekannt – umso mehr schätzen sie Geschmack und Qualität", berichtet Tobias Hahn.


Kölsch, German Pale Ale und Weißbier schmecken wie Daheim

Vor mehr als 20 Jahren wollte der heute 44-Jährige im Rahmen seines Biologiestudiums eigentlich nur ein oder zwei Auslandssemester in den Vereinigten Staaten verbringen. Ans Bierbrauen hat er damals auch noch nicht gedacht.

"Wenn es weiter aufwärts geht, erfüllt sich vielleicht auch unser Traum von einer eigenen Brauerei" Tobias Hahn
Tobias Hahn lebt heute zusammen mit seiner Frau Melissa und seinen beiden Kindern Caleb und Olivia in einem ruhigen Wohnviertel Portlands. Das Haus hat einen gemütlichen Garten, die Tomaten und Zucchini wachsen gut – auch zwei im Juni schon erstaunlich hohe Hopfenranken. Tobias Hahn stellt einige Proben seines Biers auf den Tisch: Kölsch, German Pale Ale und Weißbier. Einfach lecker – da fühlt man sich doch gleich wie daheim. Zumal der dafür verwendete Hopfen aus Tettnang kommt und das Malz aus Bamberg und Heidelberg.

"Aufgewachsen bin ich in der Wiehre", erzählt der der Wahl-Amerikaner, "ich habe die Emil-Thoma-Grundschule und das Rotteck-Gymnasium besucht und dann an der Albert-Ludwig-Universität zu studieren begonnen." Das universitäre Austauschprogramm, das ihn nach dem Vordiplom nach Tucson in Arizona führte, gefiel ihm gut – so gut, dass er dort sein Studium abschloss, seinen Doktor in Mikrobiologie und Immunologie machte und dann in der Krebsforschung arbeitete.

Weil sein Labor verlegt wurde, führte Hahns weiterer beruflicher Werdegang 2008 nach Portland und ins dortige "Providence Cancer Center" – bis schließlich die Forschungsgelder gestrichen wurden und er als mittlerweile zweifacher Familienvater damit auch seinen Job los war. Also blieb mehr Zeit, um sich als Hausmann um die Erziehung seiner Kinder zu kümmern. Hahns Frau praktizierte damals schon als Kinderärztin. Und dann traf er eines Tages auf Nick Greiner, der mit einer deutschstämmigen Frau verheiratet ist, ebenfalls seine Kinder jeden Samstag zur Schule der deutsch-amerikanischen Gesellschaft brachte und als Projektmanager in einer ähnlichen Situation wie Tobias Hahn war.

Das Reinheitsgebot wird streng beachtet

Weil beide Männer schon immer was für gutes Bier übrig und für den Eigenbedarf auch mal im eigenen Keller gebraut hatten, ergab schnell eins das andere. Warum sich nicht zusammentun und das Bierbrauen professionell betreiben? Streng nach deutschem Reinheitsgebot, versteht sich. Nach 18 Monaten Testphase war das "Rosenstadt"-Bier geboren. Ein Name, der für Tobias Hahn und Nick Greiner auf der Hand lag – schließlich ist Portland als "City of Roses" bekannt. Heute werden bereits rund 80 Restaurants und Bars mit dem deutschen Bier beliefert und 90 Hektoliter pro Monat – derzeit noch außer Haus – gebraut. "Wenn es weiter aufwärts geht, erfüllt sich vielleicht auch unser Traum von einer eigenen Brauerei", sagt Tobias Hahn optimistisch.

In ein paar Wochen geht’s für Hahn im Sommerurlaub mit der ganzen Familie nach Freiburg. Dann gibt’s ein Wiedersehen mit seiner Mutter, seinem Bruder und mit vielen Freunden und Bekannten. Dass man sich gleich bei der Ankunft am Frankfurter Flughafen eine Butterbrezel gönnt, das steht für die ganze Familie jetzt schon fest. Aber auch, dass der erste Stopp in der Brauerei Feierling gemacht wird. "Das Bier und die Weißwürste lasse ich mir auf keinen Fall entgehen", freut sich Tobias Hahn.
Rosenstadt im Internet: http://www.rosenstadtbrewery.com