Wie ein Freiburger Ernährungsexperte den Trend 'Clean Eating' bewertet

Deborah Krzyzowski

Frisch, unbehandelt, Vollkorn: So geht - grob gesagt - Clean Eating. Der Trend erobert die Welt, auf Instagram gibt es bereits 13 Millionen Einträge unter #eatclean. Der Freiburger Ernährungsexperte Prof. Dr. Daniel König sagt: "Alter Wein in neuen Schläuchen":



Professor König, gibt es wissenschaftliche Belege für den Trend "Clean Eating"?

Wissenschaftliche Begründungen für das Clean-Eating-Konzept gibt es keine. Im Wesentlichen sind das Erfahrungswerte von Leuten, die das gemacht haben - und die sich damit wohl fühlen. Es ist wie mit anderen Ernährungsmethoden auch: Setzt man auf Trennkost, kann man damit gesund alt werden, einen wirklich wissentschaftlichen Hintergrund hat man nicht.

Wie bewerten sie den Trend?

Einige Thesen stimmen durchaus. So zum Beispiel, das etwa 25% unserer Nahrung aus Eiweiß bestehen sollte. Im Grunde werden beim Clean Eating aber jahrelange Erkenntnisse neu aufgemischt und anders präsentiert: alter Wein in neuen Schläuchen.

Es war alles schon mal da?

Ein gesundes Ernährungskonzept, alles frisch und selber zubereiten, auf Zusatz- und Süßstoffe verzichten, möglichst viele Vollkornprodukte zu sich nehmen, keine Fertigprodukte verwenden und auch auf die Fette achten - Ansatz hierfür sind seit Jahren nachzulesende Empfehlungen der DGE, die jetzt in einem neuen „Trend“ zusammengefasst wurden. Damals hieß es gesunde ausgewogene Mischkost, heute heißt es eben Clean Eating.

Ernährungswissenschaftlich kann man dagegen daher nichts haben, das gilt im Übrigen auch für Blutgruppen-Diäten oder Metabolic Balance. Gefährlich kann es werden, wenn man es übertreibt oder irgendwelchen Spezialtrends hinterherläuft.

Ist es gut, mehr als drei Liter Wasser am Tag zu trinken, wie viele Clean Eater es tun?

Das mit den drei Litern Wasser kann übertrieben sein, ist nicht zwangsläufig notwendig. Dass man dadurch glaubt, die Schadstoffe aus dem Körper zu spülen, ist aber grenzwertig. Ganz sicher nimmt man davon aber keinen Schaden, wenn man eine gesunde Niere hat.

Meistens folgen Jugendliche und Studenten solchen Trends, gibt es Risiken?

Wenn man die Grundregeln einer gesunden Ernährung beachtet, ist an der Sache nichts verkehrt. Allerdings ist der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel nicht gut.

Ist es mit einer Diät vergleichbar?

Zum Abnehmen ist es ja eigentlich erstmal gar nicht gedacht, sondern als eine Art, sich gesund und  ausgewogen zu ernähren. Setzt man es ohne irgendwelche Spezialideologien um, beschreibt es einfach eine gesunde Ernährungsweise.

Haben sie persönliche Ernährungstipps?

Wenn man sich so ernährt, wie es Clean Eating vorsieht, sprich ausgewogen, mit viel Obst und Gemüse und darauf bedacht ist, Kalorienbomben zu vermeiden, kann man  von einer gesunden Ernährung sprechen.

Will man sich vegan oder vegetarisch ernähren und hat sich gut über das Thema informiert, dann stellt dies definitiv auch kein Problem dar. Man muss einfach die Komplikationen, die mit einem bestimmten Ernährungsstil einhergehen beachten. Als Veganer muss ich wissen, dass Zink-, Selen- oder B12-Mangel entstehen kann, so kann ich dann auch meine Nährstoffs- oder Nahrungsauswahl gezielt treffen.

Zur Person

Professor Dr. Daniel König ist Leiter des Arbeitsbereichs Ernährung an der Uni Freiburg. Hier ist sein Uni-Profil.

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[Foto: photocase.de/vicuschka]