FemBPM

Wie ein feministisches DJ-Kollektiv Frauen* im Nachtleben unterstützen will

Gina Kutkat

Feiern, ohne angemacht zu werden? Auflegen, ohne einen blöden Spruch zu kassieren? Das können Frauen* eher selten. Das feministische DJ-Kollektiv FemBPM setzt sich deshalb für Frauen* hinter den Decks ein.

Die Interviewpartnerinnen

Um nicht das Klischee der sexy Frauen hinter den Decks zu bedienen, möchten Tine und Johanna kein Bild von sich veröffentlichen. Außerdem verstehen sie sich als Teil eines Kollektivs.

Tine, 28, leitet FSJ-Seminare, politische Seminare und studiert Environmental Sciences. Sie legt dunklen Techno auf.

Johanna, 24, studiert Heilpädagogik und spielt Trap.

FemBPM ist ein feministische DJ-Kollektiv für Frauen, Lesben, Trans- und Intermenschen. Verwendet ihr den Begriff DJ oder DJane?

Johanna: Ich präferiere DJ. Für mich klingt DJane immer nach einem speziellen Subgenre, das mag ich nicht. Ich finde es cool zu betonen, dass wir ein feministisches Kollektiv sind, aber nicht als Einzelperson – das hat immer was von einem Label. Ich mag den Klang auch nicht.
Tine: Bei mir ist es ähnlich, ich finde DJ besser. Diskjockey ist ein englischer Begriff und da gibt es keine weibliche Form.
Gendersternchen*
Normalerweise verzichten wir für bessere Lesbarkeit auf das Gendersternchen*. Weil es unseren Gesprächspartner*innen wichtig war und wir unsere Lesegewohnheiten ändern wollen, haben wir es diesmal verwendet.

Gab es einen bestimmten Auslöser, der die Gründung von FemBPM in Gang gesetzt hat?

Tine: Wir haben über das Ladyfest in Freiburg zusammengefunden – bei der ersten Ausgabe gab es schon einen DJ-Workshop für Frauen*. Bei der zweiten Ausgabe haben sich dann am letzten Tag verschiedene Kollektive gegründet, so auch unser feministisches DJ-Kollektiv. Das war im März 2018.
Johanna: Wir haben danach aktive DJs aus Freiburg angeschrieben und es gab ein erstes Treffen, da kamen dann ganz unterschiedliche Leute zusammen. Aktive DJs aber auch Teilnehmerinnen aus den Workshops.

Warum sind Gruppierungen wie eure so wichtig? Was bedeuten Frauen*kollektive für euch?

Tine: Einmal geht es um die Vernetzung. DJs, die auflegen, können zum Beispiel einen Floor bei einer Veranstaltung teilen. Jemand, der neu anfängt, bekommt von uns solidarische Unterstützung. Wer sich bisher nicht getraut hat, DJ zu werden, dem helfen wir dabei. Zum Beispiel durch Workshops oder einen Übungsraum. Wissenstransfer innerhalb der Gruppe ist ein weiterer wichtiger Punkt und wir legen Wert auf gewisse Ideale, wenn wir Partys veranstalten. Zum Beispiel, dass es ein Awareness-Team gibt.

"Es ist nicht so leicht, eine Party zu finden, auf der man nicht blöd angemacht wird oder irgendetwas beobachtet, das unangenehm ist." Tine, femBPM

Wie wurdet ihr als DJs in Freiburg bisher wahrgenommen?

Johanna: Eigentlich ganz gut, ich habe direkt keine schlechten Erfahrungen gemacht. Die Resonanz war eher: "Cool, dass eine Frau auflegt, das gibt es so selten."
Tine: Ich hab ein paar Mal bei Veranstaltungen und in Clubs aufgelegt, die Resonanz war gut.
Johanna: Eine Reaktion auf unser Kollektiv war allerdings: "Es ist ja auch total sexy, wenn Frauen hinter den Decks stehen.’" Als sei das unser einziges Attribut.

Euren niederschwelligen Raum öffnet ihr nicht nur für Frauen, sondern für Frauen, Lesben, Trans- und Intermenschen. Warum ist euch das wichtig?

Tine: Wegen der kollektiven Erfahrungen, die wir im Freiburger Nachtleben gemacht haben. Es ist nicht so leicht, eine Party zu finden, auf der man nicht blöd angemacht wird oder irgendetwas beobachtet, das unangenehm ist. Wenn ich als Frau mit einer Frau unterwegs bin, gibt es nochmal mehr Sprüche. Unser Anliegen ist es, Feiererfahrung angenehmer zu machen – für alle. Der Fokus liegt einmal auf Frauen und auch auf Menschen, die nicht heterosexuell sind, oder eben intersexuell.

"Es ist uns wichtig, hervorzuheben, dass es momentan wenig Frauen* gibt, die auflegen." Johanna, femBPM

Euer Slogan ist "Mackertum wegbassen" – aber hinter eurer Mission steckt noch mehr. Was wollt ihr als FemBPM?

Johanna: Diesen eben angesprochenen Feierraum schaffen, der wenig Sexismus beinhaltet. Es wäre allerdings utopisch zu denken, dass man einen Raum schaffen könnte, in dem gar kein Sexismus passiert. Obwohl das wünschenswert wäre. Wir wollen uns gegenseitig beim Auflegen und Musikmachen supporten. FemBPM soll ein Raum sein, in dem man sich gegenseitig empowert.
Tine: Mackertum ist auch geschlechtsunabhängig gemeint. Wir versuchen, keine Hierarchien in der Gruppe aufzubauen und Spielzeiten solidarisch aufzuteilen. Es soll keinen Hype um eine Person im Kollektiv geben und auch Neue sollen eine Chance bekommen.

Ihr habt es euch zur Aufgabe gemacht, den Hype um Frauen* hinter den Decks zu lösen. Könnt ihr diesen Hype beschreiben?

Johanna: Es ist uns wichtig, hervorzuheben, dass es momentan wenig Frauen* gibt, die auflegen. Das wollen wir sichtbar machen und wir wollen auch uns als Frauen*, die auflegen, sichtbar machen. Wir möchten aber nicht, dass es bald das Genre "Female DJ" oder so gibt.
Tine: Wir wollen nicht als DJs für Partys gebucht werden, weil wir Frauen* sind. Wir möchten uns eher die Strukturen anschauen und fragen, warum es so wenig Frauen* in diesem Bereich gibt. Unser Ziel ist, die Strukturen zu ändern. Das geht als Kollektiv leichter, weil das Nachtleben ein Bereich ist, der momentan von Männern dominiert wird. Ein Mitglied hat gesagt, dass sie erst durch das Kollektiv die Option gesehen hat, dass sie auflegen kann. Vorher hätte sie sich nicht getraut.

"Frauen* müssen sich einfach mehr beweisen und eine Art Doppelleistung bringen." Tine, femBPM

Sind Frauen* deshalb hinter den Decks so unterrepräsentiert – weil sie sich nicht trauen?

Tine: Einmal deshalb, aber auch, weil es oft doofe Sprüche in Bezug auf die Technik gibt. Frauen* müssen sich da einfach mehr beweisen und eine Art Doppelleistung bringen.
Johanna: Mir ist es schon passiert, dass der Techniker beim Aufbau meinte, alles besser zu wissen als ich. Oder einmal wollte mir einer weismachen, ich würde die ganze Zeit ohne Nadel auflegen – dabei hatte ich da schon zwei Stunden Musik gemacht.

Kann sich denn was ändern, solange die meisten Clubbesitzer und DJs männlich sind?

Johanna: Das hängt nicht unbedingt vom Geschlecht ab. Man kann ja auch als männlicher Clubbesitzer ein Awareness-Team einsetzen. Aber es ist schon so, dass Frauen* eine andere Perspektive ins Nachtleben bringen, weil sie vielleicht selbst schon Sexismus erlebt haben. Männliche Clubbesitzer bewerten Situationen vielleicht anders und sagen Dinge wie "Das gehört halt zum Nachtleben dazu."

Auf eurer ersten Veranstaltung am Freitag legen DJs aus den unterschiedlichsten Genres auf. Wie habt ihr die Auswahl für euer Event getroffen?

Tine: Bei der ersten Party legen DJs aus dem Kollektiv auf, aber in Zukunft können wir uns vorstellen, den Kreis zu erweitern und andere DJs einzuladen.
Johanna: Außerdem unterstützt uns das Awareness-Team, es wird im White Rabbit einen Stand haben und für Betroffene da sein.
Tine: Falls etwas passiert, wollen wir nicht in die Diskussion gehen, sondern Konsequenzen ziehen. Es wird einen Raum geben, in dem man sich ausruhen kann.
FemBPM

FemBPM ist ein feministisches DJ-Kollektiv, das sich zum Ziel gesetzt hat, einen niedrigschwelligen Raum für Frauen, Lesben, Trans- und Intermenschen (flti*) zu schaffen, in dem diese sich kreativ an den Decks ausleben und ausprobieren können. FemBPM plant und und organisiert Partys, Aktionen im öffentlichen Raum und zeigt Präsenz auf verschiedenen Veranstaltungen. Wer mitmachen will, kann sich unter femBPM@gmx.de melden.


  • Was: Party des FemBPM-Kollektivs
  • Wann: Freitag, 8. März, 22 Uhr
  • Wo: White Rabbit