Wie ein Ex-Aktienhändler ohne Geld auf Weltreise ging - und so seine Schulden beglich

Johanna Wagner

Früher verkaufte er Aktien, dann kam die Finanzkrise und er ging auf Weltreise - ohne Geld. An diesem Montagabend hält der Aussteiger Tomislav Perko in Freiburg einen Vortrag. Was man lernt, wenn man alles verliert:



Tomislav Perko war Aktienhändler in Kroatien. Dann, 2008, kam die Finanzkrise. Er verlor seinen Job und hatte auf einmal 30.000 Euro Schulden. Auch bei seiner eigenen Familie - denn auch mit deren Vermögen hatte er gehandelt.


Anstatt zu verzweifeln, ging Perko reisen – länger und weiter als zuvor, aber ohne Geld. Seine Erfahrungen hat er aufgeschrieben und ein Buch herausgebracht. Es heißt "1000 Tage Frühling".

Früher warst Du Aktienhändler. Was hältst Du von diesem Job heute?

Tomislav Perko: Ein Aktienhändler zu sein ist eine Art zu leben. Es kann viel Spaß machen - wenn du viel Geld verdienst und der Markt steigt. Aber wenn der Markt fällt, ist die Kacke am Dampfen. Deine Kunden verlieren in wenigen Tagen das Geld, das sie ihr ganzes Leben lang gespart haben. Das ist ziemlich stressig. Ich habe mit den großen Jungs gespielt und verloren.

Du bist aus der Branche ausgestiegen. Bereust Du Deine Entscheidung?

Am Anfang dachte ich, meinen Job zu verlieren sei das Schlimmste, was mir hätte passieren können. Aber mit der Zeit stellte sich heraus, dass es das Beste war! Ich hatte Jahre gebraucht, um meine Karriere voranzutreiben, dann brach sie in ein paar Tagen zusammen.

Also dachte ich: Vielleicht sollte ich etwas ändern. Geld hatte keine Priorität mehr. Ich wollte etwas aus meinem Leben machen. Ich bereue also nichts.

Du hattest damals eine Menge Schulden und bist einfach losgereist. Bist Du vor etwas weggerannt?

Nein, ich wollte nie wegrennen, ich hatte eine moralische Verpflichtung gegenüber meinen Eltern. Ich schrieb auf meinem Blog von meinen Erfahrungen, dann meldeten sich Sponsoren und sagten: „Hey, wir geben dir Geld fürs Reisen!“

Als rauskam, dass meine Geschichte ein großes Ding wird und auf einmal 45.000 Facebook-Fans hatte, dachte ich mir: Cool, dann ist das jetzt also mein Plan! Ich hab mich auf das Reisen konzentriert und konnte so sogar meine Schulden begleichen.

Warum reist Du so gerne?

Aus vielerlei Gründen: Neugier, Bildung, um die Welt zu sehen, um die Welt zu hinterfragen und Antworten zu finden. Beim Reisen geht es nicht darum, sich selbst zu finden. Man muss sich erfinden! Ich kann nicht sagen, dass ich etwas gefunden hätte. Irgendwann ist man einfach zufrieden und denkt: „Das würde ich gerne machen.“ Und dann tut man es.

Hast Du Dir oft gedacht “Ich will heim” oder warst einsam?

Jeden Tag. Es kann sehr hart sein. Aber dann denkt man daran, dass man es sich selbst ausgesucht hat, hier zu sein. Wenn du unterwegs bist, passiert außerdem jeden Tag etwas Großartiges. Dadurch erhält man Bestätigung.

Natürlich fühlt man sich manchmal einsam und es macht keinen Spaß. Dann sagt man sich einfach einfach: Scheiß drauf, du bist jetzt kurz einsam, komm damit klar. Versuche es zu genießen!

Inzwischen wohnst Du wieder zu Hause in Zagreb. Lässt Du das Reisen sein?

Reisen, wie ich es früher gemacht habe, ist nicht mehr interessant für mich. Ich habe meine Geschichte so oft erzählt. Wenn man trampt, wechselt man das Auto fünfmal an einem Tag, erzählt fünfmal die gleiche Geschichte. Nach sechs Jahren mit den immer gleichen Fragen wird man müde. Durch meine Vorträge erzähle ich meine Geschichte vielen Leuten auf einmal, das ist der perfekte Kompromiss.

Mehr dazu:


Was:
Vortrag "How to travel the world with almost no money?"
Wann: Montag, 23. Mai, 19 Uhr
Wo: KG II, Platz der Alten Synagoge 1, 79098 Freiburg

Tickets sind für 5 Euro an der Abendkasse erhältlich. [Foto: Johanna Wagner]