Wie ein deutsch-französisches Projekt Jugendliche für Verbraucherschutzthemen sensibilisieren will

Maren Haase

Welche Risiken gibt's beim Onlineshopping? Kann ich die nervige Like-Werbung auf Facebook ausschalten? Und was kann ich tun, wenn die im Spanienurlaub gekaufte Hose nach dem ersten Tragen kaputt geht? Diese und weitere Fragen will ein Team des Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz Schülerinnen und Schülern an Schulen am Oberrhein beantworten. Ortstermin mit dem Projekt "Verbraucherschutz macht Schule am Oberrhein" in einer Werkrealschule in Denzlingen:



Wieviele Kilometer legt eine Jeans zurück, bis sie auf dem Ladentisch liegt? Die Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse der Alemannenschule in Denzlingen sind sich nicht sicher. "1000 Kilometer?" "20.000 Kilometer?" Die Jugendlichen sind sich unsicher.


Gestellt haben die Frage Elphège Tignel und Felix Neumann. Die beiden Referenten des Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz (ZEV) in Kehl sind heute in die Klasse gekommen, um die Jugendlichen über Verbraucherschutzthemen aufzuklären.

„Wir wollen den Schülern vermitteln, dass sie nicht einfach drauf los konsumieren, sondern sich Gedanken machen sollten, was dahinter steckt", sagt Felix Neumann. "Wir wollen den Schülern näher bringen, welche Folgen durch Konsum für die Umwelt entstehen und wie man einen kleinen Beitrag leisten kann, um die Situation zu verbessern.“

"Verbraucherschutz macht Schule am Oberrhein", heißt das EU-geförderte Projekt, dass das ZEV für Schulklassen am Oberrhein - sowohl in Deutschland, als auch in Frankreich - kostenlos anbietet. Für eineinhalb Stunden kommen Tignel und Neumann in die Klasse um zweisprachig zu unterrichten - ans Sprachlevel der jeweiligen Klasse angepasst.

Mögliche Themen können dabei zum Beispiel Soziale Medien, der Umgang mit persönlichen Daten im Internet, Online-Shopping, Reisen in Europa oder Nachhaltigkeit sein. "Eben alle Themen, die für die Schülerinnen und Schüler relevant sein können", sagt Neumann. Wie die Jeans-Frage, zum Beispiel. Deren richtige Antwort lautet übrigens "mehr als 50.000 Kilometer".



In einem Stuhlkreis werden die Antworten auf die Eingangsfragen besprochen. Die Schülerinnen und Schüler hören aufmerksam zu, während Tignel und Neumann die Fragen mit einer Powerpoint-Präsentation auflösen.  Als das Wort 'Cookies" fällt, horchen einige aufmerksam auf. Doch es geht nicht um Kekse, sondern um Speicher-Cookies, die zum Beispiel profilbezogene Werbung über verschiedenen Websiten hinweg ermöglicht.

Tignel und Neumann verraten den Schülern viele kleine Tipps für den digitalen Alltag: welche Siegel auf einer Website darauf hindeuten, dass man es mit einem vertrauenswürdigen Geschäft zu tun hat, zum Beispiel, oder dass man auf das https in der Adressleiste achten sollte. Nicht für alle Jugendlichen in der Klasse ist das ganz neu, interessiert sind aber alle.

Die 17-jährige Emine hat ein ganz konkretes Anliegen: „Wie kann ich die Werbung auf Facebook blocken? Die nervt total!“ Felix Neumann erklärt ihr, wie sie die Einstellungen für die sogenannten "Social Ads" verändern kann, damit sie keine Like-Werbung angezeigt bekommt und mit ihren eigenen Likes auch keine Werbung gemacht wird.

Am Ende der Stunde sind die Jugendlichen zufrieden. "Es war echt gut. Viele Sachen die ich nicht wussweiß ich jetzt und werde sie auch in Zukunft beachten", sagt der 16-jährige Marlon. "Besonders gut gefallen hat mir, dass sie auch ein bisschen Französisch reingebracht haben. Das war cool!“