Tedx-Talk Freiburg

Wie Du mit Auftrittsstress umgehen kannst, wenn es darauf ankommt

Claudia Förster

Warum fühlt sich der eine Auftritt kinderleicht an und der nächste, als wolle man im Boden versinken? Bei den TEDx-Talks am Samstag erzählt Boris Beimann von seiner Arbeit als mentaler Auftritts- und Wettkampfcoach. Claudia Förster hat mit gesprochen.

Herr Beimann, am Samstag treten Sie bei den TEDx-Talks Freiburg als Speaker auf. Sind Sie aufgeregt?

Ich halte zwar oft Vorträge, aber die TED-Talks sind für mich die bisher schönste Bühne. Aufgeregt bin ich bei Auftritten aber weniger, sondern eher in der Vorbereitung, wenn ich mich entscheiden muss, wie ich den Vortrag gestalte. Ich freue mich, beim Talk etwas von meiner Erfahrung teilen zu können und hoffe, dass es dem ein oder anderen hilft. Spannend wird außerdem, dass man mein Thema sozusagen in vivo erleben kann: Ich rede über öffentliche Auftritte, während ich selbst auftrete.

Auftritte und Wettkämpfe sind seit einigen Jahren ihr Spezialgebiet: Mentales Auftrittscoaching nennen Sie ihr Training. Was kann man sich darunter vorstellen?

Ich helfe Menschen, die sich darauf vorbereiten, Auftritte zu meistern, zum Beispiel jungen Profifußballern, Olympiateilnehmern oder Moderatoren. Manchmal sind meine Klienten aber auch Studierende, die eine wichtige mündliche Prüfung vor sich haben. Denn auch das ist ein Auftritt: Eben jede Situation, in der man vor oder mit anderen Leistung erbringt, die bewertet wird – unabhängig davon, ob auf der Schauspielbühne oder beim Date. Obwohl Aufregung vor solchen Situationen universell zu beobachten ist, bekommen wir den professionellen Umgang damit nicht beigebracht. Da hat die Ausbildung klar versagt, auch weil bislang Wissen dazu fehlte. Als Auftrittscoach mache ich also gewissermaßen eine Nachschulung, in der viel Spaß und Humor dabei sind.

"Obwohl Aufregung vor solchen Situationen universell zu beobachten ist, bekommen wir den professionellen Umgang damit nicht beigebracht."

Wie kam es, dass Sie als studierter Volkswirtschaftler plötzlich diesen Berufsweg eingeschlagen haben?

Die Idee hatte ich schon immer, weil ich als Jugendlicher selbst unter Stress und Lampenfieber gelitten habe. Ich spielte auf hohem Level Tischtennis und Fußball, stand oft mit dem Saxophon auf der Bühne. Das hat mir einerseits viel Spaß gemacht, mich andererseits aber gestresst und verängstigt. Damals hätte ich mir gewünscht, dass mir jemand zeigt, wie ich mir selbst helfen kann. Doch ich bekam nur abgedroschene Sätze zu hören, da müsse ich eben durch, oder ich solle mich einfach entspannen.

Letztendlich habe ich auf die Bühne verzichtet, war aber einige Jahre später als Trainer angehender Fußballprofis selbst in der Rolle, helfen zu sollen, aber nicht zu wissen, wie. Unter den Trainern hieß es nur "Der eine schafft’s, der andere nicht". Das empfand ich als unbefriedigend. Also habe ich systematisch gesucht, wie ich vor allem Sportlern und Künstlern helfen kann, ihre Träume zu verwirklichen. Ich ließ mich zum systemischen Coach ausbilden. Seit vier Jahren beschäftige ich mich als Auftrittscoach intensiv mit Stress und Lampenfieber und habe mir unter anderem viel bei Michael Bohne abgeschaut, der seit 20 Jahren mit klassischen Musikern arbeitet.

"Man kann sich selbst helfen - man muss nur wissen wie."

Wie genau läuft so ein Coaching ab? Der Druck, der gerade im Sport und in der Kunst extrem ist, verschwindet ja nicht einfach, die Aufregung also auch nicht.

Ich sage meinen Klienten immer: Euch fehlt nichts, es läuft nichts falsch – es hat euch bislang nur niemand gezeigt, wie ihr mit Aufregung und Lampenfieber besser umgehen könnt. Lampenfieber ist als Begriff übrigens viel zu klein gewählt. Evolutorisch gesehen ist die Angst vor dem Ausschluss äußerst sinnvoll, da eine negative Bewertung der sozialen Gruppe oder gar das Ausschließen früher den sicheren Tod bedeutete.

Vor Auftritten ängstlich zu sein, ist also grundsätzlich richtig und nützlich, das sollte man wertschätzen. Um die Aufregung unmittelbar vor einem Casting oder Prüfung zu reduzieren, zeige ich den Klienten zunächst Körpertechniken, die man selbst anwenden kann und die sofort eine Verbesserung erzielen. Hier wirkt nach meiner Erfahrung eine spezielle Tapping-Technik am schnellsten. Oft ist damit bereits viel erreicht. In einem zweiten Schritt schauen wir uns dann die Situationen an, in denen es mal besser und mal schlechter lief. Meistens sind die Erfolgsstrategien nämlich schon vorhanden, doch in Drucksituationen verliert man den Zugriff darauf. Man kann sich also selbst helfen - man muss nur wissen wie.
Zur Person:

Boris Beimann, 37, arbeitet als mentaler Auftrittscoach mit Profisportlern, Moderatoren und Schauspielern zusammen. Er hat VWL studiert und eine Ausbildung zum systemischen Coach absolviert.

  • Was: TEDx Talk Freiburg
  • Wann: Samstag, 8. Dezember, 14 bis 19 Uhr
  • Wo: Konzerthaus Freiburg, Runder Saal
  • Eintritt: Regulär 42.50 Euro, ermäßigt 26.50 Euro
  • Line-Up: Claus Melder, Michael Pinsky, Boris Beimann, Christiane Stenger, Jutta Zeisset