Wie distanziere ich mich von einer unangenehmen Diskussion?

Betül Yaman

Mirko aus Freiburg fragt Betül: "Es ist mir in letzter Zeit zweimal passiert, dass ich nicht genau wusste, wie ich aus einer Diskussion, die mir zu hitzig wurde, wieder herauskomme..."



...einmal ging es um die anstehende Kommunalwahl, emotionsgeladener Gesprächspartner war der Vater meiner Freundin, der politisch doch recht andere Ansichten vertritt als ich; das zweite Mal ging es bei einem Geschäftsessen um Fragen, die mein Privatleben betreffen, auch hier eine Diskussion, die mir zu persönlich wurde. Wie komme ich aus solchen Situationen wieder raus?"


Lieber Mirko,
es gibt in der Tat Small Talk-Themen, die man genau aus den von dir erwähnten Gründen vermeiden sollte. Dazu gehört Sex, Religion, Krankheit, Tod, Finanzen und Politik. Natürlich können gerade auch diese Themen zu anregender Diskussion führen. Sie können aber auch in Streit oder Scham enden, weil die Meinungen auseinander driften. Deshalb empfehle ich immer, bei diesen Themen vorsichtig zu sein.

Dennoch muss man sie nicht übergehen, was ja manchmal auch unmöglich ist. Es gilt dann, aufmerksam auf den Gesprächspartner einzugehen, ohne das Thema zu vertiefen. Man könnte etwa das Gesprächsthema umlenken. Wie das geht?

Hier meine Empfehlung: „Ich habe mich mit den Kommunalwahlen noch nicht so sehr befassen können, leider. Deshalb möchte ich mich dazu gar nicht äußern.“ Natürlich ist das eine abrupte Unterbrechung, die auch gerne so verstanden werden darf.

Jetzt kommt es auf den folgenden Satz an, der entscheidet, ob die Gesprächsatmosphäre aufrecht gehalten werden kann oder nicht. Du musst das Gespräch unbedingt weiterführen und zwar positiv. Ein bisschen Kreativität und Wortgewandtheit wird hier schon verlangt. Ich gebe dir ein „Zauberwort“ mit, dass dir in Zukunft immer aus der Patsche helfen kann, es lautet: apropos!

„Apropos Wahlplakate, kannst du mir eine Druckerei empfehlen, die Plakate in Farbe für einen guten Preis druckt? Wir wollen in der Uni für die nächste Semestereröffnungsfeier werben.“



Der Sinn ist, das "Apropos" sehr bald nach Tabuthemenbeginn einzusetzen, ein Schlagwort aufzugreifen, welches im Gespräch gefallen ist und dann die Unterhaltung umzulenken, damit du den Vater nicht verärgerst.

Zu deinem zweiten Fall: Wir müssen im Berufsleben ein bisschen offener werden, was unsere Privatsphäre angeht. Natürlich entscheidet jeder selbst, wie viel er davon erzählen möchte. Jedoch spukt in vielen Köpfen der falsche Grundsatz herum, dass man im Geschäft nichts über sein Privatleben erzählen darf.

Dazu möchte ich sagen, dass wir mit Menschen arbeiten und Menschen werden immer neugierig auf andere Menschen sein. Wenn du dich absolut anonym gibst, weckt das eher Misstrauen, als dass es dir irgendwelche Vorteile bringt.



Wenn dein Chef im Aufzug fragt: „Und, hatten Sie ein schönes Wochenende?“ Und du sagst einfach: „Ja, danke der Nachfrage“, dann ist das nicht sehr zufrieden stellend. Wenn du seine Neugier ein bisschen stillst und sagst: „Ja, ich war mit meiner Freundin im Kino. Wir haben den Film XY gesehen. Wir waren sehr beeindruckt. Ich kann Ihnen den Film wärmstens empfehlen“, dann gibst du ihm einen Einblick in deine Privatsphäre und er kennt deine Geschmacksrichtung, was Filme angeht und das ist doch schonmal was, ohne, dass du allzu viel von dir preisgibst.

Noch einmal: Jeder entscheidet selbst, wie weit er von sich erzählen möchte. Wenn die Fragstellungen zu indiskret werden, dann darfst du gerne auch deine Grenzen zeigen und sagen, dass du darauf nicht antworten möchtest. Jetzt geht es wieder darum, das Gespräch in der positiven Ebene zu halten. Apropos...

Ich wünsche Dir viel Spaß beim Small Talken.

Deine Betül