Wie Dieter Salomon mit einem Brief den Tatort nach Freiburg holen will

Joachim Röderer

Die Lage im Dreiländereck, die Dörfer rund um Freiburg, die Landschaft: OB Salomon hat viele Gründe, warum der Tatort aus Konstanz nach Freiburg verlegt werden soll. Einige hat er jetzt in einen Brief geschrieben - und an den SWR geschickt. Das wichtigste Argument aber hat er vergessen.



OB Dieter Salomon hat einen Brief an den Südwestrundfunk geschrieben und die Vorzüge Freiburgs aus Krimi-Sicht dargelegt. Wer den SWR ins Kreuzverhör nimmt, um sachdienliche Hinweise zu erfahren, wo der neue Tat-Ort denn nun liegt, erhält derzeit keine Antwort. Die Entscheidung falle im Laufe des Jahres, heißt es.


Angefangen hat alles im vergangenen Dezember. Da gab der SWR bekannt, dass er seine Ermittler Klara Blum und Kai Perlmann sozusagen in Rente schickt. Der Konstanzer Tatort wird trotz guter Quoten eingestellt. Die letzten Folgen der Mordsgeschichten vom Bodensee sollen 2016 laufen. SWR-Fernsehfilmchefin Martina Zöllner teilt mit, es erscheine dem Sender richtiger, einen neuen Tatort zu entwickeln.

Mit dem Aus für Konstanz ist das Rennen um die Nachfolge eröffnet. Noch vor Weihnachten erreicht die Fernsehspielchefin in Baden-Baden ein Brief von Freiburgs OB Dieter Salomon mit einer offiziellen Bewerbung. "Unsere Stadt würde mit Freuden den Nachfolgern des sympathischen und erfolgreichen Konstanzer Ermittlerduos das Pflaster bieten, ihren kriminalistischen Spürsinn unter Beweis zu stellen."

Was wird eigentlich aus dem Event-Tatort?

Freiburg sei doch eine ideale Kulisse, erläuterte Salomon und verwies auf die Lage im Dreiländereck, die kleineren Städte und Gemeinde im Umland, die unterschiedlichsten landschaftlichen Ausprägungen – kurzum: Da müssten sich doch vielseitige Tatort-Geschichten erzählen lassen. Salomon offeriert auch die Unterstützung des "Location Office" und verweist auf die früheren erfolglosen Freiburger Tatort-Bewerbungen.

Flankierend dazu hat Bernd Dallmann, Chef der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe, an den SWR-Intendanten und den Fernsehdirektor geschrieben. Intendant Peter Boudgoust antwortet, die Prüfungen seien noch nicht abgeschlossen, das Schreiben sei aber auf offene Ohren gestoßen. Schließlich habe der SWR, so Boudgoust, den Reiz von Freiburg für den Tatort bereits entdeckt, und lasse einen sogenannten Event-Tatort für Feiertage entwickeln. Heike Makatsch soll bekanntlich Ermittlerin werden, das Drehbuch ist nach wie vor in Arbeit. Für den regelmäßigen Tatort prüft der SWR mehrere Optionen. Die Entscheidung falle im Laufe des Jahres, erklärt am Mittwoch auf Nachfrage Annette Gilcher, die Sprecherin des SWR. Der Sender freue sich über das Interesse – es sei faszinierend, wie wichtig der Tatort genommen werde.

Liste der Bewerberstädte wird täglich länger

Die Liste der Bewerber wird derzeit quasi täglich länger: Karlsruhe rechnet sich gute Chancen aus, ebenso Ulm, Mannheim und Heidelberg. Hoffnung machen sich auch mehrere Schwarzwaldgemeinden, die im Verbund antreten wollen und selbst das schwäbische Biberach an der Riß. Dort bemüht man besondere Argumente, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete. Aus Biberach komme nämlich der Schauspieler, der dem berühmten Tatort-Vorspann die Augen und die Beine geliehen hat.

Beim SWR werden derzeit intern verschiedene Ideen durchgesprochen und durchgespielt. "Wichtig ist uns, dass sich in einer Stadt Themen, unterschiedliche gesellschaftliche Schichten und Milieus für glaubwürdige Kriminalgeschichten anbieten", sagte Fernsehspielchefin Martina Zöllner jüngst der Deutschen Nachrichtenagentur.

Das unbeliebte, aber wichtigste Argument: Die Kriminalitätsrate

Freiburg kann in dieser Hinsicht einen Standortvorteil bieten, der in den offiziellen Bewerbungsschreiben noch gar nicht genannt worden ist: Die Stadt hat nach wie vor die höchste Kriminalitätsrate in Baden-Württemberg und das mit großem Vorsprung, wie die neuesten Zahlen belegen. Und dass Freiburg als Krimischauplatz funktioniert, belegen die Bücher des preisgekrönten Krimiautors Oliver Bottini. Dessen Kommissarin Louise Boni ermittelte jüngst ebenfalls erstmals im Fernsehen. Doch der WDR hatte den Schauplatz einfach nach Aachen verlegt.

Derweil grassiert in Freiburg das Tatort-Fieber. Auf dem Schreibtisch von FWTM-Chef Dallmann landen nämlich nahezu täglich von Krimifans ausgearbeitete Ideen für Plots für den Freiburg-Tatort – und sogar fertige Drehbücher.

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