fudder-Interview

Wie diese Freiburger Studentin das "Kinderspiel des Jahres 2018" entwickelt hat

Gina Kutkat

Schon als Fünfjährige wollte Lena Burkhardt ihr eigenes Spiel entwerfen. Kein Wunder, wenn der eigene Vater Spieleentwickler ist. "Funkelschatz" ist die jüngste Erfindung der 21-Jährigen – und gerade "Kinderspiel des Jahres 2018" geworden.

Wenn die Freiburger Lehramtsstudentin Lena Burkhardt nicht gerade in der Uni sitzt, denkt sie sich Kinderspiele aus. Die 21-Jährige hat zusammen mit ihrem Vater Günter Burkhardt "Funkelschatz" entwickelt, das Kinderspiel des Jahres 2018. Im fudder-Interview erklärt sie, wie so etwas geht.


Dein Vater ist Spieleentwickler, das klingt nach einer traumhaften Kindheit. Habt ihr ununterbrochen gespielt?

Lena: Mein Bruder und ich waren Versuchspersonen für die Spiele, die mein Vater sich ausgedacht hat. Wir waren seine Zielgruppe und sollten ihm Rückmeldung geben, wie wir ein Spiel fanden – was natürlich für Kinder schwierig ist. Außerdem kann es auch nervig sein, wenn man ein Spiel zum 20. Mal spielen muss. Wenn ein Spiel auf den Markt kam, wurde es nicht mehr gespielt, weil mein Vater das Interesse verloren hatte. Wir sind aber eine Spielefamilie durch und durch und haben auch viele andere Spiele gespielt – so konnte mein Vater gleichzeitig auf dem Laufenden bleiben.

Und Du hast fast beiläufig aufgesogen, wie man Spiele entwickelt?

Ich habe durch das viele Spielen und Feedbackgeben gelernt, auf was man bei Kinderspielen achten muss. Dass es wichtig ist, dass alle Spieler Spaß haben und ein Spiel nicht langweilig wird. Mein Bruder hat sein erstes Spiel entwickelt, als er sieben Jahre alt war. Als Fünfjährige hat mich das damals angespornt und ich wollte auch unbedingt mein eigenes Spiel entwerfen. Vor dem "Funkelschatz" hatte ich auch schon "Die Gärten von Versailles" entwickelt und ein paar andere Prototypen.

"Mein Vater hat bei uns zu Hause ein ganzes Arbeitszimmer voller Spiele, Prototypen und Spielmaterialien."

Was macht "Funkelschatz" zu einem guten Spiel?

Tolles Material ist bei Kinderspielen ganz wichtig,das sind bei uns die funkelnden Edelsteine. Außerdem ist jeder Spieler und jede Spielerin bei uns permanent aktiv, weil ein wenig Taktik und Fingerspitzengefühl gefragt sind. Ein Durchgang dauert höchstens 15 Minuten, das ist ein weiterer wichtiger Faktor. Auch eine gute Story ist zwingend notwendig, das ist bei uns der Drachenvater mit seinen Drachenkindern. Mir war das vorher gar nicht bewusst, aber Kinder, die das Spiel kennen, sprechen mich immer auf die Holzfigur des Drachenpapas an. Dabei kam der erst hinterher dazu.

Wie habt ihr das Spiel denn entwickelt?

Mein Vater hat bei uns zu Hause ein ganzes Arbeitszimmer voller Spiele, Prototypen und Spielmaterialien. Die Grundidee kam mir, als ich mit Vorhangringen und Holzklötzchen herumgespielt habe. Mir ist aufgefallen, wie viel Spaß es macht, dass beim Herunternehmen eines Rings die Steine aus dem Turm purzeln. Zusammen mit meinem Vater habe ich mir dann die Spielregeln überlegt, einen Prototyp gebastelt und eine Spielanleitung geschrieben. Dann haben wir dem Haba Verlag unser Konzept geschickt, die Redaktion hat es getestet und in den Katalog mit aufgenommen.

"Als Kind konnte ich überhaupt nicht verlieren, das musste ich erst lernen."

Am 11. Juni wurde "Funkelschatz" von einer Jury zum Kinderspiel des Jahres 2018 gekürt. Was bedeutet euch das?

Das war ein ganz großes Ereignis für die ganze Familie, unglaublich! Mein Vater entwickelt seit 20 Jahren Spiele und hat mittlerweile 68 Spiele entworfen. Spiel des Jahres ist vorher aber noch keines davon geworden. Das ist in der Spielewelt eine sehr wichtige Auszeichnung und spornt mich jetzt natürlich weiter an.

Deinem Berufswunsch Lehrerin bleibst Du trotzdem treu?

Auf jeden Fall. Spiele entwickeln kann ich ja auch nebenbei. Jedes Mal, wenn ich bei meinen Eltern bin, habe ich neue Ideen. Als Lehrerin weiß ich es später zu schätzen, wie wichtig es für Kinder ist, Spiele zu spielen. Ich werde das in meinen Unterricht einbauen.

Kannst Du eigentlich gut verlieren?

Als Kind überhaupt nicht, das musste ich erst lernen. Mit meinen Freunden spiele ich am liebsten Strategiespiele mit nicht zu vielen Regeln. Oder Doppelkopf.
Lena Burkhardt, 21, studiert Mathe und Französisch auf Lehramt. Zusammen mit ihrem Vater Günter Burkhardt hat sie "Funkelschatz" entworfen.

  • Was: Spieleaktion im FreiSpiel "Sammle die Funkelschätze"
  • Wann: Samstag, 4. August, 13 bis 14.30 Uhr
  • Wo: Freispiel, Lehener Straße 15
  • Eintritt: frei