Wie die Z-Besetzung endete

David Weigend

Heute Früh gegen 3 Uhr sind etwa 25 junge Leute ins ehemalige Jugendzentrum Z unterm Siegesdenkmal gekommen, um dort eine Müllbeseitigungsaktion zu starten. Die Mitglieder der "Epsilon-Initiative" verließen die Räumlichkeit um 12.30 Uhr, so wie es die Vertreter der Stadt forderten. Eine kleine Reportage.



Auf den Treppen stehen vier Beamten vom Polizeirevier Nord. Sie tragen Zivil, einer hat eine Motorradjacke an. Auf den Sofas, die den Zugang zum ehemaligen Jugendzentrum Z versperren, sitzen sechs Schüler zwischen 15 und 18. Heute Nacht um 4 Uhr haben sie, insgesamt etwa 25 junge Leute, die Kellerräume (wie auch immer) betreten, einen Monat haben sie die Aktion geplant.


Ein selbstverwaltetes Jugendzentrum wollen sie haben. Diejenigen, die es benutzen, sollen mitbestimmen und mitgestalten. „Das ist unser Haus“, singen die Besetzer auf den Sofas. Es ist der Geist des zivilen Ungehorsams, den sie verbreiten. Der Junge mit der Gitarre stimmt auch VAG-Schmählieder an. Die Polizisten grinsen sich eins und schütteln den Kopf.



12.10 Uhr, in 20 Minuten endet die Frist, die Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach den Besetzern gesetzt hat. Es wird leicht hektisch. Keiner weiß so recht: Gehen oder bleiben und Widerstand leisten? Zwischen dieser ungewissen Aufbruchstimmung und sieben prallgefüllten Müllsäcken steht ein blasser Jüngling mit blondem Pferdeschwanz und schwarzem Kapuzenpulli, nennen wir ihn Gregor.

Er hat seit über einem Tag nicht geschlafen. „Wir von der Kerngruppe sind alle jünger als 18“, sagt er. Mit ArTik hätten sie nichts zu tun. Ihre Initiative nennen sie „Epsilon“. Allerdings findet Gregor ArTik „bis auf zwei, drei Knackpunkte sehr gut.“ Mit den Gartenstraßen-Besetzern würden sich die Z-Besetzer teilweise überschneiden. Mit der Autonomen Antifa habe man aber gar nichts zu tun.



Es riecht leicht miefig im ehemaligen Z-Flur, eine leere Absinthflasche steht herum, irgendwo läuft ein Ghettoblaster mit Rammstein. Die Schlagwörter, die Gregor immer wieder in den Mund nimmt, sind „Kultur“, „Selbstverwaltung“ und „Basisdemokratischer Konsens“. „Das bedeutet aber nicht, dass da die Stadt ausgeschlossen sein soll.“ Auf die Frage, wie er sich die Kommunikation mit der Stadt konkret vorstellt, antworten die Epsilons ausweichend. Warum ist das Z gescheitert? „Zuviel Bürokratie, zu lange Amtswege“, meint Gregor. Eine ganz neue Sichtweise.

Sechs Stunden lang hat Gregor nun die Räume geputzt. Als die Epsilons reinkamen, waren sie überrascht. Erwartet hatten sie Ratten und Wasserpfützen, aber das Gröbste scheint die Stadtverwaltung beseitigt zu haben. „Wir sind hier in Gummistiefeln angerückt“, sagt Gregor, und man habe sich Gedanken gemacht, wie man gegen die Ratten hätte vorgehen können. Das war nicht nötig. Dafür haben die Besetzer Müll eingesammelt und fein säuberlich sortiert, eine Vorgehensweise, die sogar Ulrich von Kirchbach später gutheißen wird.

„Es geht uns nicht um eine Besetzung, sondern eher um eine symbolische Aufräumaktion“, sagt Gregor. Dann wird er unterbrochen von einem schwarzhaarigen Mädchen: „Hast du meinen Pulli gesehen?“ Nee, hat Gregor nicht. Überhaupt wird jetzt die Zeit knapp. Es geht auf 12.30 Uhr.



Die Polizisten, von den Müllaufräumern „Repressionsorgane“ genannt, stehen auf den Stufen zur Unterführung und ihren Blicken nach zu urteilen denken sie gerade so etwas wie: „Kommt jetzt Leute, der Kindergeburtstag ist zu Ende.“ Die letzte Epsilonbastion besetzt immer noch die querliegenden Sofas und intoniert den Agitpop-Klassiker „Keine Macht für Niemand“: „Mach ne Faust aus deiner Hand“, aber es bleibt nur bei der Ankündigung. Die Besetzer scheinen etwas müde geworden zu sein, vielleicht auch wegen des Whiskeys. Auf eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch haben sie auch "kein Bock", so wie es aussieht, werden sie auch keine bekommen.

Auf den oberen Treppenstufen sitzen ein paar Punks und beobachten die sich auflösende Szenerie, die schließlich betreten wird von Ulrich von Kirchbach, in gestreiftem Hemd und Jeans, ohne Krawatte. „Ist jetzt noch jemand drin?“, erkundigt er sich. Als der Einsatzleiter verneint, sagt Von Kirchbach „Also.“ Erleichtert gibt er noch ein Interview, dann zieht er ab, vorbei am offenstehenden Oberlicht des ehemaligen Z. Wer weiß, vielleicht geht er nach dem ganzen Aufruhr einen kleinen, alkoholfreien Caipi trinken.

Werten die Epsilons ihre unorthodoxe Sommerferien-Aktion als Erfolg? Unterm Strich schon. Ein etwas distanzierter, älterer Zaungast, der im weitesten Sinne mit der linken Szene symphatisiert und neben dem Schuhladen an der Unterführung steht, fasst es so zusammen: "Ich finde es gut, dass junge Menschen in der Stadt sich in kreativer Weise für ein nicht-profitorientiertes Jugendzentrum engagieren - und sogar das Risiko in Kauf nehmen, dafür rechtlich belangt zu werden. Man kann beobachten, dass die Geisteshaltung von Bewegungen wie Kommando Rhino auch auf die jüngere Generation übergreift. Das gefällt mir."

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