Wie die Spieler des SC Freiburg mit Facebook umgehen

Tatjana Brenner

Daniel Caligiuri verlost ein Trikot, Oliver Sorg nimmt Fans mit in den Mannschaftsbus – zumindest auf Facebook. Die meisten SC-Spieler sind in jenem sozialen Netzwerk unterwegs. Aber posten sie auch selbst?



Sie drängen sich im Teambus, jubeln und grölen in die Kamera, ein breites Lachen im Gesicht: 2:3 haben sie gegen Mainz 05 gewonnen, der Einzug ins DFB-Halbfinale ist geschafft. Jetzt ist der SC Freiburg auf der Rückfahrt – und die Fans sind im Bus dabei: über ein Foto auf Facebook.


Der SC Freiburg und seine Spieler sind immer stärker in den sozialen Netzwerken aktiv. Zwölf der 27 Spieler im Kader haben ein Profil. Einer, der seine Fans Ende Februar ebenfalls mit in den Bus holte, war Abwehrspieler Oliver Sorg. Mehr als 3570 Likes hat sein Profil bereits gesammelt. Für ihn sei vor allem die Kommunikation mit den Fans via Facebook wichtig. "Mich hat das selbst sehr interessiert, als ich noch kein Profi war", erinnert er sich.

Der SC Freiburg lasse den Spielern online viel Freiraum, sagt Pressesprecher Rudi Raschke. Es verstehe sich von selbst, dass keine Interna oder vereinsschädigenden Äußerungen verbreitet werden dürften. "Eben nichts, das ihnen die Bild-Zeitung ins Wohnzimmer bringt."

Freunde unterstützen bei der Profilpflege

Am 9. Januar sah es schön aus, auf der spanischen Insel Rota: Der verlassene Strand, der beinahe klare Himmel – zwar können die Fans den Sand unter den Zehen nicht spüren, doch nahm sie Jan Rosenthal zumindest virtuell mit ins Trainingslager des SC Freiburg. Sein Fan-Account auf Facebook gefällt mittlerweile mehr als 2590 Menschen. Sie verfolgen seine Statusupdates und seinen Werdegang als Fußballer Schritt für Schritt. Auch postet er Privates, etwa Fotos aus dem Krankenhaus nach überstandener Knie-OP.

Zurückhaltender ist da Offensivspieler Max Kruse. "Das Profil ist dafür da, dass die Fans wissen, was wir machen", sagt Kruse. Und das wollen viele wissen: Über 7280 Fans folgen ihm, lesen und kommentieren seine Statusmeldungen zu den Spielen und liken Bilder vom Feld oder aus dem Mannschaftsbus. Zwar fülle er seinen Account persönlich, ein Freund unterstütze ihn aber dabei: "Er hat selbst auch Spaß daran, mich so zu begleiten und wir teilen uns die Arbeit etwas auf." Seine Nachrichten beantworte er aber selbst.

Jedem Fan antworten – das gehe nicht, sagt Daniel Caligiuri. Auch ihn unterstützt ein Freund bei der Profilpflege. An Valentinstag verloste der SC-Profi unter seinen mehr als 6500 Fans ein Trikot. Die Aktion habe ihm ein Berater vorgeschlagen. Den Gewinner zog er selbst.

Aktionen wie Gewinnspiele betrachtet Friedemann Vogel, Juniorprofessor für Medienlinguistik an der Universität Freiburg, als eine Möglichkeit, Fans an den jeweiligen Verein in einer Community zu binden. Eine weitere seien auch persönliche oder zumindest als persönlich-privat inszenierte Beiträge der Spieler. "Letzteres dient vor allem dazu, eine fiktive Nähe und emotionale Bindung zu den Fans herzustellen, ein gewisses Image aufzubauen und zu verbreiten", sagt Vogel.

Kein finanzieller Aufwand für die Imagepflege

Pressesprecher Rudi Raschke betrachtet Facebook als Medium, über das der Verein unter anderem sportliche Inhalte publiziere, Auszüge aus der Pressekonferenz und Video-Beiträge. "Wir wollen die Leute informieren, ohne dass jetzt Erlösmöglichkeiten da sind." Der Sport-Club hat über 77.990 Fans und trotz der ihm nachgesagten Bescheidenheit fühlt sich das Team doch geschmeichelt. "Wir sind da auch nicht ganz frei von, klar schauen wir drauf", sagt Raschke. "Der Pokalsieg in Mainz hat uns über die Woche Wahnsinnszuwächse gebracht." Finanziellen Aufwand für die Imagepflege auf Facebook betreibe der Sport-Club nicht. "Andere Vereine beschäftigen Agenturen, der FC Bayern zum Beispiel."

Bei den Facebook-Seiten der Spieler fallen Friedemann Vogel sofort die ähnlichen Bilder auf. "Ich vermute eine Orchestrierung der Accounts durch das Management." Laut Pressesprecher Raschke beziehen die Spieler die Fotos alle aus demselben Pool, der dem SC zur Verfügung steht. Medienwissenschaftler Vogel zufolge werden Facebook und andere soziale Netzwerke gezielt zur Konsumentenwerbung eingesetzt. Die Spieler des SC machen sich eigenen Angaben zufolge darüber aber keine Gedanken. "Neulich hab’ ich für ein Lied Werbung gemacht, weil’s ganz cool war und eine Charity-Sache ist, die ich einfach ein bisschen unterstützen wollte", sagt Oliver Sorg. "Aber mich hat niemand darum gebeten."

In den Kabinen sei die Zahl der Likes kein Thema, meint Pressesprecher Rudi Raschke. Und daran werde seiner Meinung nach auch der Bekanntheitsgrad der Mannschaft nichts ändern: "Dann hätten wir nämlich insgesamt ein charakterliches Problem." Das passe nicht zum Sport-Club, der sich öffentlich so ausführlich über Charakter und soziale Kompetenz auslasse. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir Ego-Kleinkriege auf Facebook austragen lassen."

Diese SC-Spieler finden Sie auf Facebook (Stand 15.03.2013)

Daniel Batz (179 Likes)
Daniel Caligiuri (6505 Likes)
Erik Jendrišek (1522 Likes)
Ivan Santini (1313 Likes)
Jan Rosenthal (2595 Likes)
Johannes Flum (2914 Likes)
Julian Schuster (3138 Likes)
Karim Guédé (3695 Likes)
Matthias Ginter (2761 Likes)
Max Kruse (7288 Likes)
Oliver Baumann (10.893 Likes)
Oliver Sorg (3575 Likes)

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