Geschichte

Wie die Kaffee-Kiste vor das Haus am Sternwaldeck kam

Paula Teichert

In der Dreikönigstraße 47 war früher eines der zwei großen Bahnhofhotels des Alten Wiehrebahnhofs. Nun ist es als Standort für die beliebte Kaffee-Kiste bekannt. Die mobile Cafébar war nicht immer so erfolgreich wie heute.

Es ist Dienstagnachmittag Ende Februar. Es hat frühlingshafte 15 Grad, die Sonne scheint. An der Dreikönigstraße 47 in der Wiehre herrscht reges Treiben. Vor dem zweiten Weltkrieg bekannt als "Restauration zum Sternwaldeck", eines der zwei großen Bahnhofshotels des Alten Wiehrebahnhofs, kennt man diese Adresse heute als Standort der Freiburger Kaffee-Kiste: eine Piaggio Ape, die auf ihrer Ladefläche nichts Geringeres trägt als eine mobile Cafébar.


Ein Ort, an dem man schnell ins Gespräch kommt

Schaut man sich an diesem Dienstagnachmittag dort um, sieht man: Es ist ein sozialer Ort für alle Menschen. Ein Treffpunkt für Bekannte, ein Ausflugsort für Familien, die die Nähe zum Spielplatz und den vielen Platz für Kinderwagen schätzen, ein kurzer Halt während einer Radtour oder die verdiente Erholung nach einem langen Arbeitstag. Manch eine oder einer stoppt nur für einen schnellen Espresso, andere kommen für die Gesellschaft.

Immer wieder zieht die kleine Ape Aufmerksamkeit auf sich. Wo denn alles untergebracht sei und wie das Ganze funktioniere, interessiert die Gäste. Es ist ein Ort, an dem man schnell ins Gespräch kommt und gleichzeitig auch ganz für sich sein kann. "Es ist schöner als in einem Café zu sitzen, denn es ist ein lebendiger Ort und man hat nicht das Gefühl irgendwo fremd zu sein", sagt eine junge Studentin, die schon seit mehreren Jahren eine regelmäßige Besucherin der Kaffee-Kiste ist.

Der Anfang war für die Kaffee-Kiste schwierig

So belebt wie man diese Ecke in der Freiburger Wiehre heute kennt, war sie jedoch nicht immer. Wenn Peter Flügler, Besitzer und Betreiber der Kaffee-Kiste, an die Anfänge vor acht Jahren zurückdenkt, kann von regem Treiben keine Rede sein. "Ich war froh, wenn ich damals in einer Stunde mal einen Kaffee verkauft habe", sagt er. Dass sich daraus einmal ein beliebter Treffpunkt in Freiburg entwickeln würde, hätte man damals nicht erahnen können. Dabei ist diese Ecke Freiburgs ein schöner Ort zum Verweilen mit einer großen Wiese direkt gegenüber; mit angrenzendem Spielplatz, dem großen Bolzplatz auf der anderen Straßenseite und nicht zuletzt dem Blick direkt auf den Sternwald.

Einmal ein eigenes Outdoorcafé zu betreiben, das war nie wirklich der Plan. Gebaut hat Peter Flügler die Kaffee-Kiste während seiner Promotion in Politikwissenschaften. Der wirtschaftliche Gedanke stand für ihn bei diesem Projekt nicht im Vordergrund, die Erwartung einmal von den Einnahmen der Kaffee-Kiste Leben zu können, hatte er nicht.
Für ihn war es ein Ausgleich zu der vielen Arbeit am Schreibtisch während seiner Doktorarbeit.

Per Zufall fand Peter einen Stellplatz für die Kaffee-Kiste

Wo andere Joggen gehen oder eine Radtour machen, begann Peter also, seinen mobilen Kaffeewagen zu bauen. Acht Monate dauerte es und im Herbst 2010 war die Kaffee-Kiste dann erstmals im Einsatz. Zu Beginn war die Idee, mit der Kaffee-Kiste auf Märkte und Events zu fahren. Dass sich der Platz in der Dreikönigstraße und die Kaffee-Kiste zusammenfanden, ist dem glücklichen Zusammentreffen von Peter Flügler und dem Freiburger Immobilienmakler Ralf Augustin geschuldet. Auf einer Veranstaltung kamen die beiden ins Gespräch.

Wo die Kaffee-Kiste denn normalerweise so zu finden sei, war die Frage. Als sich herausstellte, dass diese keinen festen Platz hatte, bot Ralf Augustin sein Grundstück in der Dreikönigstraße als potentiellen Stellplatz an. Man könne es ja einfach mal ausprobieren und schauen, was passiert. Was folgte war und ist immer noch eine symbiotische Entwicklung von diesem Ort und der Kaffee-Kiste.

Eine Stammkundschaft etablierte sich

Zunächst war die Ape nur mittwochs und samstags an ihrem neuen Stellplatz zu finden. Zusätzlich fuhr sie noch regelmäßig auf den Wiehreflohmarkt. Langsam etablierte sich eine Stammkundschaft, die es ermöglichte, dass die Kaffee-Kiste fortan ausschließlich in der Dreikönigstraße bleiben konnte. "Das war ein richtiges Erfolgserlebnis, sich erlauben zu können, dass man an dieser Stelle bleibt und die Kaffee-Kiste hier weiterentwickeln
kann", sagt Peter. Die Entwicklung in den folgenden Jahren war ein stetiger Prozess.

Besonders die vielen Bauarbeiten am Haus und die Umgestaltung des Vorplatzes zwischen Januar 2016 und Januar 2019 haben den Alltag mit der Kaffee-Kiste erschwert. "Man konnte nie genau wissen, welche Situation man am kommenden Tag vorfinden würde und ob man überhaupt aufmachen kann. Es musste viel improvisiert werden", sagt Peter. Auch behördliche und bürokratische Hürden galt es in dieser Zeit zu nehmen. Das war nicht immer ganz leicht, denn die Kaffee-Kiste lässt sich nicht wirklich in eine bestimmte Kategorie einordnen. Ein Outdoorcafé das mobil ist aber einen festen Standort hat und das Ganze auf einem Privatgrundstück — so etwas hat es in Freiburg vorher nicht gegeben.

Die Öffnungszeiten sind flexibel

Acht Jahre lang stetig neue Herausforderungen meistern, das hat Peter und sein Team viel Durchhaltevermögen gekostet. Doch das hat sich ausgezahlt. Mittlerweile ist klar, die Kaffee-Kiste hat hier ihren festen Platz, auch wenn die Ape des abends wieder in die nahegelegene Tiefgarage verschwindet. Die Gäste können nun sicher sein: Ist die Sonne da, ist es die Kaffee-Kiste auch und das sieben Tage die Woche. In der Regel hat die
Kaffee-Kiste während der Saison von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Doch das Outdoorcafé ist nach wie vor wetterabhängig daher kann es natürlich auch einmal Abweichungen geben. Für alle, die auf der sicheren Seite sein wollen, bevor sie sich auf den Weg in die Dreikönigstraße machen, gibt es die Öffnungszeiten daher täglich neu auf den Social Media Kanälen der Kaffee-Kiste zu finden. Ohne die positive Rückmeldung der Stammkundschaft, die vielen Unterstützenden, sowie Menschen wie Ralf Augustin, der der Kaffee-Kiste den Raum geboten hat, sich zu entwickeln, wäre all dies nicht möglich gewesen. Die Wechselbeziehung zwischen dem Stellplatz am Haus Sternwaldeck und der Kaffee-Kiste, das sei es, was diesen Ort besonders mache, findet Peter Flügler. "Dieser Platz und die Kaffee-Kiste sind gemeinsam gewachsen und sind so zu etwas geworden, das man nicht auf dem Reißbrett hätte planen können".

Kaffee-Kiste: Facebook & Instagram



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