fudder-Interview

Wie die Initiative "Kleiner Fünf" Rechtspopulisten die Stirn bietet

Anna Lob

Die Bewegung Kleiner Fünf wollte im Bundestagswahlkampf verhindern, dass die AfD über die Fünf-Prozent-Hürde kommt. Das hat nicht geklappt. Dunya und Florian von Kleiner Fünf in Freiburg haben fudder erzählt, warum sie trotzdem weiter machen.

Wer oder was sollte eurer Meinung nach "Kleiner Fünf" bleiben?

Dunya: Die bundesweite Bewegung wurde 2016 durch ein paar Freunde gegründet, die genervt waren vom aufsteigenden Rechtspopulismus. Bei einer Diskussion darüber, was man machen kann, ist Kleiner Fünf entstanden. Da waren Leute aus Köln, Berlin und Hamburg dabei.

Der Name ist entstanden, weil wir die AfD bei der Bundestagswahl unter fünf Prozent halten wollten. Dafür haben wir eine Online-Kampagne gestartet und Leuten in ganz Deutschland Wahlanträge gestellt, also gefragt "Willst du mit mir wählen gehen?" Wer ja gesagt hat, hat einen Ring bekommen.

Die AfD hat aber deutlich mehr als fünf Prozent bekommen...

Dunya: Kleiner Fünf hat leider nicht geklappt, aber wir machen trotzdem weiter. Gerade arbeiten wir stadtbezogen, bauen Lokalgruppen auf und befassen uns viel mit dem Thema Gesprächskultur. In der aktuellen Kampagne "Radikale Höflichkeit" geht es darum, dass wir eine demokratische Diskussionskultur fördern wollen, bei der man radikal höflich bleibt. Das bedeutet, man führt eine Diskussion, bei der man kühl und sachlich bleibt ohne die demokratische Grundhaltung aufzugeben.

"Das Krasse beim Rechtspopulismus ist, dass der sich auch im eigenen Freundes-, Familien- und Bekanntenkreis findet." Dunya Ballout

Wie soll das funktionieren?

Dunya: Wir haben Leitfäden entwickelt, die zeigen, wie man gegen rechtspopulistische Parolen argumentiert. Kleiner Fünf versteht, dass man nicht den Fremden auf der Straße überzeugen kann. Aber das Krasse beim Rechtspopulismus ist, dass der sich auch im eigenen Freundes-, Familien- und Bekanntenkreis findet. Es ist so nah an uns und wir sagen "Geh da in Gespräche rein und bleib radikal höflich."

Warum ist euch das persönlich wichtig?

Florian: Ich vermute, dass es auch bei mir in der Familie und im Bekanntenkreis einige gibt, die sich mit den Positionen der AfD identifizieren. Deswegen hab ich mich entschieden, bei Kleiner Fünf mitzumachen. Die AfD bietet zu einfache Antworten. Mein Ziel ist es, Leuten klar zu machen, dass die Folgen von Rechtspopulismus schlimmer sind, als man sich vorstellen möchte. Dass diese Partei auch wirklich an unseren Grundsätzen, Werten und der Demokratie rütteln will, ist vielen nicht klar.

"Insbesondere gegenüber Geflüchteten das Mitgefühl wieder zu wecken, bringt wahnsinnig viel." Florian Große

Wie kann ich rechten Sprüchen entgegentreten?

Dunya: Erst mal cool bleiben, den anderen aussprechen lassen und dann Fragen stellen. Die Menschen wollen sich meistens auskotzen. Man muss diese Leute und ihre Probleme ernst nehmen. Das Wichtigste ist, sich Zeit für das Gespräch zu nehmen. Viele sind frustriert, weil die Meinungen zu unterschiedlich sind. Das ist nicht unüberwindbar. Wir versuchen, Leute zu ermutigen, die Diskussionen aktiv zu suchen.

Florian: Insbesondere gegenüber Geflüchteten das Mitgefühl wieder zu wecken, bringt wahnsinnig viel. Rechtspopulisten machen Geflüchtete zum Sündenbock. Man muss es schaffen, sich dagegen zu stellen und dafür zu sorgen, dass wieder die Menschen und ihre Schicksale gesehen werden, die dahinter stehen.

Gibt es einen Punkt, an dem Grenzen für euch überschritten sind?

Dunya: Es gibt zum Beispiel Leute, die einfach ganz klar Rassisten sind. Und da gehört es dann auch dazu, die eigene demokratische Grundhaltung nicht aufzugeben. Ich gehe dann oft höflich aus dem Gespräch raus.
"Man sollte sich einen Wahlkampf nicht von Rechtspopulisten kaputt machen lassen." Dunya Ballout

Ist es nicht frustrierend, sich so häufig mit Rechtspopulisten rumzuärgern?

Dunya: Ich mag es, dass die Initiative Kleiner Fünf positiv ist und vermittelt, dass wir wieder politische Schönheit brauchen. Es ist schön, miteinander zu diskutieren. Es ist schön, miteinander politisch zu handeln. Momentan sehen viele alles so negativ. Politik kann aber Spaß machen. Man sollte sich einen Wahlkampf nicht von Rechtspopulisten kaputt machen lassen.

Wie sieht euer Netzaktivismus in den sozialen Medien aus?

Dunya: Wir bekommen viele Kommentare von Rechts und kämpfen jeden Tag gegen Hass – immer nach dem Prinzip der Radikalen Höflichkeit. Oft sind es immer die gleichen Leute, die Kommentare schreiben, aber wir geben nie zu erst auf. Netzaktivismus ist so wichtig, auch unter Zeitungsartikeln. Es wäre schön, wenn jeder täglich ein Kommentar gegen Hass schreiben könnte.

Florian: Wichtig ist das vor allem, weil die Kommentare mit den meisten Likes ganz oben angezeigt werden und diese Person fällt dann auf – egal was da drin steht.

Was macht ihr konkret in Freiburg?

Dunya: Während des Wahlkampfs zur Bundestagswahl haben wir eine Lesung mit dem Jura Studenten organisiert, der das leere Buch zum Thema "Gründe warum man die AfD wählen sollte" verfasst hat. Wir haben Menschen in der Fußgängerzone Wahlanträge gemacht und beim OB-Wahlkampf haben wir überlegt, wie man Kleiner Fünf lokal anwenden kann. Aktuell haben wir eine Kooperation mit einer Schule in Stuttgart, bei der es darum geht die Schüler dafür zu sensibilisieren, wie wir miteinander diskutieren.

Wie kann man bei euch mitmachen?

Dunya: Man kann uns schreiben und sich auf der Kleiner-Fünf-Homepage informieren. Dort findet man Tipps für offline Aktionen und interaktive Spiele. Wenn man so richtig mitmacht, lernt man bei uns viel zum Thema Kampagnenarbeit. Am dringendsten brauchen wir außerdem gerade Fördermittel.


Dunya Ballout ist 23 Jahre alt und hat gerade ihren Bachelor in Politikwissenschaften und Volkswirtschaftslehre in Freiburg abgeschlossen. Demnächst beginnt sie ein Praktikum in Brüssel



Florian Große
ist 23 Jahre alt uns studiert derzeit Deutsch, Politik und Geschichte auf Lehramt an der Uni Freiburg.

Web: kleinerfuenf.de

Facebook: Kleiner Fünf


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