Wie die Gleichstellungsbeauftragte der Uni sich gegen Stalking einsetzt

Brigitte Rohm

Ina Sieckmann-Bock ist meistens die erste Ansprechpartnerin für Stalking-Betroffene an der Albert-Ludwigs-Universität. Ihr Ziel: jeder soll an der Uni ohne Belästigung lernen und arbeiten können.

Dem Gleichstellungsbüro sind fünf Stalking-Fälle an der Uni Freiburg aus dem Jahr 2016 bekannt. Welche Täter-Opfer-Konstellationen gab es in den drei Fällen, in denen nicht die Lehrenden betroffen waren?


Das waren Studierende untereinander. Und einmal war es ein ehemaliger Studierender. Dass Lehrende Studierende stalken, gibt es auch, aber das ist eher selten.

Wie unterscheidet sich das Verfahren gegen die Täter in diesen Fällen?
Das ist eine andere Rechtslage. Wenn es Studierende sind, kann es über eine Exmatrikulation gehen. Aber bei Lehrenden hat es dann arbeitsrechtliche Konsequenzen – das heißt Versetzung oder auch Entlassung. Das Beamtenrecht ist schwieriger umzusetzen, aber wenn es ein Stalking-Fall ist, der nicht zu stoppen ist, greift das Strafrecht.

Der Handlungsleitfaden gegen sexuelle Belästigung und Stalking der Universität Freiburg rät als ersten Schritt, sich direkt zu wehren. Haben Sie Tipps dafür?
Man kann erst mal sagen: "Lass das! Keine E-Mails, keine Annäherungsversuche. Aber wenn es Stalking ist, wirkt das meistens nicht. Und dann ist es ganz wichtig, dass der Kontakt zu dem Stalker komplett abgebrochen wird, weil das immer fälschlich als Zuneigung verstanden wird.

Was kann man tun, wenn das nicht funktioniert?

Wenn die betroffene Person das Gleichstellungsbüro zur Beratung aufsucht, ist der erste wichtige Schritt getan, um weitere Handlungsoptionen zu besprechen. Dann bitten wir den Täter häufig in einem Brief um Stellungnahme. In vielen Fällen kann damit das Verhalten beendet werden. Auch die Polizei greift schnell ein, weil Stalking strafrechtlich verfolgt wird. Dann haben wir nichts mehr damit zu tun. Man kann sich auch direkt an die Polizei wenden.

Wie werden Mitarbeiter der Universität über den Leitfaden informiert?

Wir bemühen uns, die Broschüre breit zu streuen, im Internet und in Unipublikationen bekannt zu machen und stellen sie bei regelmäßigen Informationsveranstaltungen für neue Beschäftigte vor.
Ina Sieckmann-Bock ist Chemikerin und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg. 2015 hat sie der Senat zum zweiten Mal zur Gleichstellungsbeauftragten gewählt.