Equipment

Wie die Digitalisierung Freiburger Clubs fordert

Sarah Beha

Analog war gestern. Immer mehr Musiker verlangen digitale Technik – das Jazzhaus und der Slow Club in Freiburg haben dafür Zuschüsse erhalten.

Um einen Musikclub betreiben zu können – egal in welcher Größe – braucht man Equipment. "Das ist so", sagt Markus Heinzel. Er ist im Freiburger Slow Club für die Technik zuständig, sorgt also dafür, dass Künstler bei einem Konzert mit dem richtigen Sound bei den Zuhörern ankommen und dass auf der Bühne mit dem passenden Licht die richtige Stimmung rübergebracht wird. Dafür braucht Heinzel Geräte – und die verändern sich gerade.


Das gilt für den Slow Club, der an einem Abend 80 bis 100 Leute zu Besuch haben kann, ebenso wie für das Freiburger Jazzhaus, in dem bis zu 500 Menschen bei einem Konzert Platz haben. "Wie überall macht die Digitalisierung auch vor der Kultur nicht Halt", sagt Dennis Wiesch vom Jazzhaus. "Wir waren mit unserer Technik bisher sehr analog unterwegs, das wurde den Anforderungen der Bands nicht mehr gerecht."

Es gebe immer mehr Bands, so Wiesch, die für ihr Konzert ein digitales Mischpult wünschten. "Das hat für die Musiker Vorteile, weil sie gewisse Einstellungen nicht mehr bei jedem Konzert neu manuell am Mischpult einstellen müssen." Der Tontechniker einer Band müsse nur noch einen USB-Stick mitbringen, auf dem die eigenen Einstellungen gespeichert sind. "Unser altes Mischpult hatte außerdem 17 Jahre auf dem Buckel", sagt Dennis Wiesch. Doch so ein Mischpult, egal ob digital oder analog, kostet. 25 000 Euro Netto hat das Jazzhaus laut Wiesch für das neue Digi-Pult ausgegeben. 10 000 Euro davon erhielt der Musikclub über die Initiative Musik, die gemeinsam mit dem Bundesverband Live-Musik-Kommission (LiveKomm) die Digitalisierung von kleineren Konzertspielstätten unterstützt. Für weitere Investitionen wie ein neues Monitorpult, Investitionen im Lichtbereich, DJ-Pult und CD-Player konnte das Jazzhaus auf einen Einmal-Zuschuss der Stadt Freiburg zurückgreifen.

Auch der Slow Club erhielt Förderungen, wenn auch in einem kleineren Umfang. Dort stehen nun ein neues, digitales Lichtmischpult, zwei neue Instrumente und ein Controller für die Lautsprecher. Das Mischpult in dem kleinen Club ist allerdings noch ein analoges. "Irgendwann werden wir wahrscheinlich auch ein digitales Mischpult brauchen, aber noch ist es nicht so weit", sagt Markus Heinzel. In vielen anderen Clubs sei das bereits zum Standard geworden.

Genau aus diesem Grund fördert die Initiative Musik, im Auftrag der Bundesregierung kleine Clubs in ganz Deutschland. "Die Finanzierung der neuen digitalen Sound- und Lichttechnik ist für die Clubs oft ein drängendes Problem", sagt Ina Keßler, Geschäftsführerin der Initiative Musik. Von der neuen Technik profitierten insbesondere auch junge wie aufstrebende Bands. Für die zweite Förderrunde der "Digitalisierung der Aufführungstechnik von Livemusikspielstätten" wurde von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien insgesamt 1,167 Millionen Euro bereitgestellt. 188 Musikclubs aus allen 16 Bundesländern erhielten Zuschüsse von bis zu 10 000 Euro. Dass die neuen Geräte zum Standard werden, da ist sich Markus Heinzel sicher. Aber: "Manchmal erleben wir hier aber auch Techniker, die sich richtig freuen, mal wieder an einem analogen Pult zu arbeiten."

Und verändert das neue Equipment auch etwas an dem Konzertprogramm, spüren die Zuhörer eine Veränderung? "Ich glaube nicht, dass Laien akustisch wirklich eine Veränderung bemerken", sagt Wiesch. Auch an der Programmplanung ändere sich für das Jazzhaus durch die neuen, digitalen Geräte nichts. "Aber wenn wir jetzt nicht aufgerüstet hätten, dann hätten wir nicht mehr alle Künstler bekommen, die wir wollten", sagt Wiesch. Die neuen Geräte seien also ein Garant für die Qualitätssicherung. Gerade mit Blick auf das neue DJ-Pult blickt Dennis Wiesch, der einst in Freiburg die Partyreihe "tageins" ins Leben gerufen hat, auch mit gemischten Gefühlen in die digitale Zukunft. "Ich bin schon immer ein Schallplattentyp gewesen.

Jetzt, wo man die Songs digital synchronisieren kann, geht auch ein Stück Handwerkskunst verloren." Auch Markus Heinzel hält nichts von einer totalen Glorifizierung der neuen Technik. "Man kann den analogen Sound auch mögen. Er klingt rauer und organischer. Aber das ist Geschmackssache." Er könnte sich vorstellen, dass es trotz einer zur Standard-gewordenen Digitalausstattung weiterhin Techniker und DJs geben wird, die mit ihren eigenen, analogen Pulten zu einem Konzert kommen.

Informationen über das Förderprogramm unter http://mehr.bz/livemusikkommission