Wie die Anhänger des Effektiven Altruismus die Welt verbessern wollen

Anna Lob

Schon mal darüber nachgedacht, ob Spendengelder sinnvoll eingesetzt werden oder wie du wirklich etwas Gutes tun kannst? Die Anhänger des Effektiven Altruismus setzen sich damit auseinander. Die Bewegung gibt es auch in Freiburg.

Mittwochabend, 20 Uhr, ein Seminarraum in der alten Universität. Heute haben sich hier 13 junge Menschen zusammengefunden, um über Tierleid zu sprechen. Das überwiegend studentische Publikum setzt sich zu Beginn mit Fragen auseinander die Olli in den Raum wirft. Olli ist Teil der Bewegung "Effektiver Altruismus". Was das bedeutet, hat er unserer fudder Autorin zusammen mit anderen Gruppenmitgliedern erklärt.


"Altruismus heißt für uns ganz einfach, dass wir anderen helfen möchten. Effektivität ist deswegen wichtig, weil wir begrenzte Ressourcen haben. Das heißt diese Ressourcen sollten wir klug einsetzen, um damit möglichst viel Gutes tun zu können." Der Effektive Altruismus ist also kein gemeinnütziger Verein im engeren Sinne, sondern eine Philosophie und soziale Bewegung. Eine zentrale Rolle spielen dabei rationale und wissenschaftliche Erkenntnisse. Die Bewegung ist global und hat ihren Ursprung in Oxford. Dort befindet sich zum Beispiel das "Center for Effective Altruism". Das Ziel ist es die Welt möglichst für alle Lebewesen besser zu machen.

Können Tiere Leid empfinden?

Das schließt eben auch Tiere mit ein, weshalb Tierleid an diesem Mittwochabend das Thema des "Meet-Ups" ist. An den in O-Form aufgestellten Tischen läuft die Diskussion langsam an. Sind Tiere in der Lage Leid zu empfinden? Was unterscheidet Leid von Schmerz? Warum wird Tierleid im Allgemeinen überhaupt weniger stark gewichtet als menschliches Leid? Diese Fragen werden beleuchtet, bevor sich die Teilnehmer damit befassen, warum der Einsatz gegen Tierleid eines der Hauptziele im effektiven Altruismus ist. In der Diskussion kommt jeder zu Wort, man kann aber auch einfach nur zuhören.

Mit den Treffen wollen Olli, Phillip, Chi und der Rest der Gruppe die Gedanken des Effektiven Altruismus in Freiburg verbreiten und Menschen, die sich für das Thema interessieren, mit der Idee verbinden und inspirieren. Und das funktioniert. "Die Community wächst, das sehen wir zum Beispiel an der Facebook Reichweite", erklärt Phillip.

Die Bewegung setzt auf die sozialen Medien

Dass Social Media eine wichtige Plattform für die Bewegung ist, wird auch bei diesem Treffen klar, als einige erzählen über eine Facebook auf die Veranstaltung aufmerksam geworden zu sein. So zum Beispiel Theresa. Sie war auch schon auf anderen Veranstaltungen des effektiven Altruismus, findet die Themen sehr spannend und freut sich über die neuen Denkimpulse, die sie durch die Veranstaltung erhält.

Während Argumente ausgetauscht werden, wird schnell klar, dass für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veganismus ein guter Weg ist, Tierleid zu verhindern. Aber wie kann man andere Menschen davon überzeugen? Welche Argumente sprechen gegen vegane Ernährung? Sollte man überhaupt versuchen Menschen davon zu überzeugen? "Und worüber reden wir eigentlich gerade?", fragt eine Teilnehmerin, die kurz den Faden verloren hat. Die Diskussion wirft immer wieder neue Aspekte auf und kommt nie zum Stillstand.

Die Treffen sind für jeden offen

Grundsätzlich sind die Treffen für jedermann geöffnet. Klar wird jedoch, dass es von Vorteil ist, Interesse an philosophisch-ethischen Themen und Diskussionen zu haben, um dem anspruchsvollen Austausch von Argumenten folgen zu können. Wer sich auf das Treffen und die Gespräche einlässt, kann dafür aber mit neuen Denkanstößen rechnen.

An diesem Mittwoch findet ein Diskussions "Meet Up" statt, bei denen normalerweise ein paar Sätze zu einem Thema gesagt werden und dann "wird geschaut wo es hingeht", erzählt Olli. Eine andere Veranstaltungsform sind die "Talks". Da werden Vorträge zu bestimmten Themen gehalten, mit denen der effektive Altruismus sich befasst und im Anschluss gibt es wieder Raum für Gespräche.

Dieses Semester wurde beispielsweise auch schon ein Event zum Thema "Career Planning" veranstaltet, bei dem man sich mit Berufen befasst hat, mit denen man später Gutes tun kann. Informationen dazu gibt es auf der Seite 80000hours.org. Die Treffen enden jedoch nicht mit den Öffnungszeiten der Universität, sondern werden danach in Bars in der Stadt verlegt.

Der Effektive Altruismus hat einen wissenschaftlichen Anspruch

Warum der effektive Altruismus für Freiburger wichtig ist, erklärt Olli so: "Es gibt viele Menschen, die die Welt besser oder zumindest nicht schlechter verlassen wollen, als sie sie vorgefunden haben." Und dafür gibt es auch ein großes Angebot an Gruppen, in denen man sich engagieren kann. Olli, Philipp, Chi und viele andere waren aber nirgends so richtig zufrieden.

Der Effektive Altruismus unterschiedet sich von anderen Organisationen durch seinen wissenschaftlichen Anspruch und das gefällt ihnen. Außerdem bietet die Bewegung die Möglichkeit sich vielfältig und umfassend mit allen möglichen Problemen auf der Welt auseinanderzusetzen und rational über Lösungsansätze zu sprechen.

Zum Schluss gibt Olli noch kurz eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte über die heute gesprochen wurde. Auch an diesem Abend geht die Diskussion noch außerhalb der Uni weiter. Theresa nimmt heute wieder einiges mit: "Ich habe viel mitgeschrieben und werde mir zu Hause nochmal Gedanken zu allem machen."


Effektiver Altruismus:

Der effektive Altruismus ist eine Philosophie und soziale Bewegung die Anfang der 2010er Jahre entstanden ist und ihren Ursprung in Oxford hat. Effektiven Altruisten geht es darum, die begrenzten Ressourcen, z.B. Spendengelder, möglichst effizient einzusetzen um damit möglichst viel Gutes zu tun. Als Basis für die Entscheidung darüber, was effizient ist, dienen wissenschaftliche Erkenntnisse und rationale Argumentationen. Ziel ist es, das Leben möglichst vieler empfindungsfähiger Wesen zu verbessern. Organisationen die zum Effektiven Altruismus gehören sind zum Beispiel die "Stiftung für Effektiven Altruismus", "80000 Hours", "Give Well" und "Animal Charity Evaluators".

Das nächste Treffen:

Die nächste Veranstaltung des "Effektiven Altruismus Freiburg" findet am Mittwoch dem 24. Januar 2018 im Raum 01036a in der alten Universität statt. Ab 19 Uhr wird es nochmal eine Einführung in die Bewegung geben, die sich insbesondere an Neulinge richtet. Im Anschluss daran, ab 20 Uhr, soll dann unter dem Motto "against naive EA" über negative Folgen naiver Annahmen zum Thema Effektiver Altruismus diskutiert werden.

Facebook: facebook.com/EAFreiburg
Web: effektiveraltruismus.de