Wie der junge DJ Hannes Lohrer als Warm-Up der Stars an seiner Karriere feilt

Laura Wolfert

Wie ist das, wenn man als junger DJ vor leeren Tanzflächen das Warm-Up für die Stars spielen muss? Überraschend aufregend! Diese Erfahrung machte Fudder-Autorin Laura Wolfert, die den 22-jährigen Südbadener Hannes Lohrer zu "Sea You on Tour"-Party begleitete. Porträt eines bescheidenen Musikliebhabers, der im Schatten der Stars an seiner Karriere feilt.



In der Brauerei riecht es nach Hopfen und Kunstnebel. Kalte Luft weht von außen herein, niemand tanzt. Hier soll später geschrien, gefeiert und getrunken werden? Kaum vorzustellen.  In die Halle schlurft ein junger Mann, an der Hand einen Rollkoffer.


Hannes Lohrer, 22 Jahre alt, weiche Gesichtszüge und verschmitztes Lächeln, soll diese kalte Halle später mit Leben füllen. Er soll das Warm-Up für eine gigantische Party spielen, auf der Stars wie Dominik Eulberg und Sascha Braemer auflegen werden. Damit steht Lohrer für eine Riege junger DJs, die im Schatten der Altstars  an ihrer Karriere feilen – und diese einst ablösen werden.

Zwei Stunden zuvor sitzt Lohrer mit seinen Eltern am Esstisch. Es gibt Pizza aus dem Pappkarton, dabei wollte seine Mutter noch für ihn kochen. Jetzt nascht sie ein Stück, auch Papa bedient sich.
Lohrer wohnt in einem kleinen Dorf bei Lahr, Meisenheim. Hier steppt der Bär, allerdings nur auf geschätzten acht Quadratmetern Studiofläche – in seinem Zimmer. Dorthin ist er nach der Pizza noch schnell gegangen, er will noch einen Track für später abmischen.

Auf seinen zwei Bildschirmen leuchten farbige Audio-Wellen. Lohrer spielt eine davon ab, lauscht dem Sound und verstellt mit dem Programm die Spur. „Den Track habe ich selbst produziert“, sagt er. „Ich weiß aber nicht, ob ich ihn später spielen soll. Ich traue mich noch nicht so ganz.“

Noch ist Lohrer der Warm-Up-Act



Seinen ersten Auftritt als DJ hatte Lohrer mit 19 im Universal D.O.G., einem Hiphop-Club in Lahr. Damals nannte Lohrer sich „Ushermittwoch“, angelehnt an den US-Rapper Usher. Nach dem Abitur begann er eine Ausbildung zum Kaufmann für Dialogmarketing bei Badenova. Nebenher legt er auf.  
Mit seinem Plattenkoffer in der Hand rollt Lohrer in die große Halle der Brauerei. Er trägt  ein lockeres Shirt, darüber baumelt eine Kette mit einem Fuchskopf aus Bronze. Stört es ihn, dass vermutlich nur wenige Gäste seinem Set zuhören werden? „Nein, ich spiel das Warm-Up sehr gerne. Da ist man frei, darf ausprobieren“.

Um Punkt 22 Uhr steht Lohrer in seiner Kanzel und spielt die ersten Übergänge. Viele spätere Partybesucher sind da noch am Vorglühen. Doch es gibt sie auch: die Überpünktlichen. Hannes bemerkt gar nicht, wie sich die Halle langsam füllt. Er ist in seine Musik vertieft, spielt an den Reglern.

Ein Partyfotograf stellt sich vor das Pult, beginnt, den DJ zu fotografieren. „Oh, entschuldige“, sagt der, nimmt seine Kopfhörer ab und gibt dem Fotografen die Hand. Während er weiter auflegt, lächelt er in die Kamera. „Sehr sympathisch!“, sagt der Fotograf.

Es läuft gut für Hannes, er nickt zum Beat,  hält den Kopf leicht schräg, mit der Schulter klemmt er die Kopfhörer ein. Immer wieder tanzt er zu seinem eigenen Sound. Dann traut er sich: Er spielt zum ersten Mal vor Publikum seinen eigenen Track.

In ein paar Jahren selbst Headliner?

Wo kann ihn das hinführen, was kann er erreichen? Im besten Fall legt Lohrer in ein paar Jahren drei Stunden später am Abend auf – als Headliner. Dann könnte er sein Hobby zu seinem Beruf machen. Aber Lohrer gibt sich bescheiden. „So, wie es für mich läuft, ist es perfekt.  Mein Traum ist, dass ich das immer weiter machen kann.“

Punkt 23 Uhr stöpselt der DJ seinen Stick aus. Während Lohrer seinen Plattenkoffer packt, schreiten zwei Männer auf die Bühne. Der eine, stark tätowiert, hat die Hose in seine Boots gestopft. Der andere schaut etwas verträumt durch seine blonde Mähne. Das müssen sie sein: Sascha Braemer und Dominik Eulberg – die Hauptacts. Sie schütteln dem Nachwuchs-DJ die Hand, ein kurzes „Hallo“ –  dann drehen sie sich um und nesteln an ihren Koffern.



Als sie später auflegen, schaut Lohrer ihnen immer wieder auf die Finger. Dann holt er sich ein Bier, lässt sich mit Glitzer bemalen und beginnt zu tanzen. Aus dem DJ ist ein normaler Partygast geworden. Zumindest fast.

Als die Party endet, schlurft Lohrer noch kurz zum Kartenverkauf. Dort kann er seine Gage für den Abend abholen, der Verdienst wird in Münzrollen ausbezahlt. Abzüglich seiner Ausgaben bleibt nicht viel übrig, Glamour und Glanz sehen anders aus. Noch.

Mehr dazu: