Wie der Freiburger Jan Ehret in Berlin mit Fetisch-Partys durchstartet

Bernhard Amelung

Jeder so, wie er mag. Das ist das ungeschriebene Motto der Partyreihe "Kinky Galore Berlin". Seit einem Jahr veranstaltet sie der Freiburger Jan Ehret im Berliner Kit Kat Club, dem bekanntesten Fetisch-Club der Welt.

Sie tragen Latex und Leder, Corsage mit Rock oder Charleston-Kleid. Manche kommen in Kettenhemd und Keuschheitsgürtel. Sie tanzen stundenlang. Einige von ihnen haben Sex. Auf der Tanzfläche, in einer Liebesschaukel, in einem Gynäkologenstuhl. Jeder so, wie er mag, aus Leichtsinn oder Liebe. So wie es Udo Jürgens in seinem Lied aus dem Jahr 1986 singt.


Mittendrin und doch daneben: Jan Ehret, 38, Discjockey und Veranstalter der Partyreihe "Kinky Galore Berlin", die seit rund einem Jahr im Kit Kat Club in Berlin stattfindet. Anfang Oktober war sie unter dem Titel "Sexy Berlin" Thema in der Sat1-Reportagemagazin Akte – und der einstige Freiburger Jan Ehret das Aushängeschild der sexpositiven Seite des Berliner Nachtlebens.

Im März 2019 wird "das Kitty", wie Stammgäste den für seine libertine Ausrichtung bekannten Club nennen, 25 Jahre alt. Noch immer führen ihn seine Gründer Simon Thauer und seine Lebensgefährtin Kirsten Krüger. Er gilt als bekanntester Fetisch-Club der Welt.



Auf seinen Kinky-Partys legt Ehret, der in Freiburg zusammen mit Markus Gut die Clubs Kamikaze (2006 - 2012) und Schmitz Katze (2012 - 2016) geführt hat, sechs Stunden und länger auf. "Ich bin aber gar nicht wichtig. Der ganze Laden an sich ist der Magnet", sagt er und bezeichnet seine Residency im Kit Kat Club als Ritterschlag.

Vor rund vier Jahren entschließt sich Ehret, nach Berlin zu ziehen. Eigentlich der Kinder wegen. Mit seinem Freund, dem Fotografen Oliver Rath, startet er das Kunstprojekt Ehret & Rath. Sie thematisieren Trash, Porno und Ekstase in Musik und Video.

Nach Raths viel zu frühem Tod im Jahr 2016 steht Ehret vor der Entscheidung, wie es weiter gehen soll. "Entweder Vollgas geben oder einen seriösen Job als Eventmanager suchen", sagt er. Er entscheidet sich für Ersteres - und startet seine Kinky-Partys, zunächst in Off-Locations.

"In Berlin wartet kein Mensch auf einen Clubbetreiber aus der Provinz." Jan Ehret
Die erste Party besuchen nur 50 Gäste. Freunde und Bekannte. "Mir war das aber egal. Ich feiere mit 50 oder 500 Leuten. Jeder, der kommt, will ja eine gute Zeit haben, und die soll er auf meinen Partys auch bekommen. Die zweite Party besuchten schon 80 Leute. Irgendwann ging das dann durch die Decke", erzählt er. Angst vor dem Scheitern? "Ja, klar. Ich bin in der Stadt mit den krassesten und besten Clubs der Welt. In Berlin wartet kein Mensch auf einen Clubbetreiber aus der Provinz."

Sein Mut und seine Risikobereitschaft zahlen sich aus. Inzwischen kommen über 1000 Gäste. Die Leute müssen sich auf Facebook oder per E-Mail anmelden. Der Veranstaltungsort wird öffentlich nie bekannt gegeben. Auch nicht, wenn sich nur zehn Leute anmelden.

Lack, Leder, Gummi – nackt geht auch

Das gehört zum Konzept. Genauso wie im Kit Kat Club der Dresscode zum Konzept gehört. "Fetischistisch, sexy und gewagt, extravagant und originell", schreiben die Betreiber auf der Webseite des Clubs, die auch Berliner Designer und Szeneläden verlinkt. Lack, Leder, Gummi, Bondage, Uniform. "Nackt geht auch", sagt Ehret und lacht. Es sei mehr ein Ankleiden als ein Verkleiden. Ein bisschen wie früher, als man sich vor dem Discobesuch mit Freunden getroffen und gemeinsam gestylt habe.

"Viele stellen sich den Kit Kat Club als Swinger Club vor. Das ist er ganz bestimmt nicht. Die Leute sind sehr offen. Man kann Sex haben, wenn man will. Die Party wird aber keinesfalls schlechter, wenn man keinen Sex hat", sagt er. Der Kit Kat Club sei zuallererst ein Schutzraum. Ein Ort, der seinen Gästen ein Umfeld biete, in dem sie sich trauten, so zu sein, wie sie sind.

Nicht alles ist also erlaubt auf den "Kinky Galore"-Partys. Freiheit und Freiheitlichkeit bedeuten nicht Willkür. Jeder Gast setzt sich seine Grenzen selbst – oder lotet aus, welche er überschreiten kann.

Wie ein Gast aus den USA, der sich für eine Nacht in den Kit Kat Club verirrt hat. "Am Morgen nach der Party kam er zu mir und sagte, die vergangene Nacht habe sein Leben verändert. Er habe beschlossen, in seiner Heimat alles abzuwickeln und nach Berlin zu ziehen, sein ganzes Leben habe sich verändert", erzählt Ehret.

Mit seiner Partyreihe "Prima Leben!" unterhält der einstige Freiburger und langjährige Wahl-Berliner ein zweites Standbein. "Die angezogene Variante von Kinky Galore Berlin", wie er selbst sagt. Sie findet an diesem Samstag zum ersten Mal im E-Werk statt. Auch auf diesen Partys gilt, was Udo Jürgens singt: Jeder so, wie er mag.


  • Was: Prima Leben! mit Jan Ehret, Dave Leon, Guido Bourley, Hike, Mandibula
  • Wann: Samstag, 27. Oktober 2018, 23 Uhr

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