fudder-Interview

Wie der Baseball-Verein "Freiburg Knights" um Bekanntheit kämpft

Stefan Mertlik

Die Freiburg Knights starten am 1. Mai in eine neue Baseball-Saison. fudder hat mit den Trainern über Baseball in Freiburg, das Image des Sports und vermeintlich komplizierte Regeln gesprochen.

Freiburg hat eine Baseball-Mannschaft. Das überrascht selbst alteingesessenen Stadtkennerinnen und Stadtkenner immer wieder. Dabei feiern die Freiburg Knights dieses Jahr bereits ihr 25-jähriges Jubiläum. Versteckt im Dietenbachpark liegt das Spielfeld des Vereins, der mit einem Herren-, Damen-, Jugend-, Kinder- und Freizeitteam fünf Mannschaften für alle Alters- und Leistungsklassen bietet.


Wir haben die Knights an einem regnerischen Sonntag bei ihrem Jugend-Trainingscamp besucht, um uns mit Chris Lane (Trainer Herren), Vera Deuerling (Trainerin Kinder) und Holger Templ (Trainer Jugend) über Baseball in Freiburg, das Image des Sports in Deutschland und die vermeintlich komplizierten Regeln zu unterhalten.

Vereine, die amerikanische Sportarten betreiben, haben immer außergewöhnliche Namen. Weshalb heißt ihr eigentlich Freiburg Knights?

Holger: Im Vorfeld gab es die Überlegung, den Verein Dreisam Piranhas zu nennen. Weil man aber den Namen Freiburg drin haben wollte, wurde es letztendlich Freiburg Knights. Knights ist eine Anspielung auf den Baseball-Film "Der Unbeugsame", der der Lieblingsfilm eines Gründungsmitglieds war.

Warum ist Baseball eine der wenigen Sportarten, bei der man lange statt kurze Hosen trägt?

Holger: Baseball gibt es seit etwa 1875. Damals wurde Fußball auch noch mit langen Hosen gespielt. Beim Baseball hat sich das gehalten. Was sich beim Baseball auch gehalten hat, ist, dass die Heimmannschaft weiße und die Gastmannschaft graue Hosen trägt. Die amerikanischen Profis sind bei Auswärtsspielen gleich vier Tage am Stück in einer anderen Stadt. Als der Sport erfunden wurde, konnte man noch nicht so viel waschen, weshalb man für die Auswärtsfahrten lieber die graue Hosen genommen hat, damit man den Dreck nicht sieht.

Wie erklärt man jemandem, der maximal die Brennballregeln kennt, wie Baseball funktioniert?

Holger: Das Grundprinzip ist ähnlich, es fehlen aber viele Detailfragen. Das Baseball-Regelheft ist mit rund 150 Seiten sehr dick. Es gibt eine Regel, es gibt eine Ausnahme und es gibt eine Unterausnahme. Brennball ist eben ein Schulsport für Kids. Baseball-Regeln sind über die Jahre immer komplexer geworden.

Passiert es häufiger, dass sich Baseball-Regeln ändern?

Chris: Ja, die ändern sich mittlerweile fast jedes Jahr. Das sind aber nur Kleinigkeiten. Die Hauptregeln bleiben bestehen. Zum Beispiel werden die Bases dieses Jahr aus Sicherheitsgründen größer gemacht.
Holger: In Deutschland übernehmen wir immer die offiziellen Major-League-Regeln des Vorjahres. In der Saison 2019 spielen wir also mit den amerikanischen Regeln von 2018. Der deutsche Verband gibt das so vor.

Wie ist Baseball in Deutschland im Vergleich zum Fußball organisiert?

Holger: Wir sind eine Randsportart, deshalb gibt es auch nicht so viele Vereine. Es gibt aber einen regulär organisierten Ligabetrieb. Der funktioniert anders als in Amerika, wo es keinen Auf- und Abstieg gibt. Dort besteht eine Liga immer aus den selben Teams. Bei uns ist es dagegen ähnlich wie im Fußball. Wir haben eine sechsstufige Liga mit einer 1. Bundesliga, einer 2. Bundesliga, einer Verbandsliga und so weiter. Die Knights haben in ihrer Anfangszeit in der 2. Bundesliga gespielt. Unser Spielfeld hatte aber keine Originalmaße, weshalb es einen Zwangsabstieg gab. Seitdem spielen wir mit den Herren eine Liga unter der 2. Bundesliga – in der Verbandsliga, die höchste baden-württembergische Spielklasse.

Mittlerweile wurde euer Spielfeld an die Originalmaße angepasst. Träumt ihr jetzt wieder von der 2. Bundesliga?

Holger: Momentan nicht. Das Feld passt zwar, aber wir haben weder Wasser noch Strom auf dem Platz. Die Infrastruktur gibt das einfach nicht her. Ich glaube auch, dass wir in der 2. Bundesliga sehr zu kämpfen hätten. In unserer Liga können wir im Mittelfeld gut mithalten.

Was würdet ihr euch allgemein für den Verein wünschen?

Holger: Sportlich können wir aufgrund der Umstände nicht viel weiter raus. Wir können aber im Nachwuchsbereich wachsen. Da kämpfen wir jedoch mit unserer geringen Bekanntheit. Das Feld liegt sehr abgelegen und Baseball ist nicht schultauglich, weil die Regeln sehr kompliziert sind. Fußball und Handball haben es da deutlich leichter.
Vera: Wir haben keine Mannschaft für die Neun- bis Zwölfjährigen, weshalb diese Altersklasse momentan bei der Jugend mitspielt. Auch für die Junioren haben wir kein eigenes Team, weshalb sie noch relativ jung sind, wenn sie zu den Herren kommen.
Holger: Wir sind eben ein kleiner Verein. Alle, die aktiv spielen, haben noch eine andere Funktion im Verein. Was fehlt, ist eine Generation ehemaliger Spieler. Das ist in einer Studentenstadt aber schwierig, da viele für den ersten Job wieder weg sind. Die fehlen einem dann als nicht mehr aktive Reserve, die sich um die Platzpflege kümmert und als Trainer, Schiedsrichter oder Spieleschreiber aktiv ist.

Basketball ist in Deutschland sehr beliebt und auch Football ist trotz schwieriger Regeln angekommen. Weshalb tut sich Baseball hierzulande so schwer?

Holger: Weil niemand die Regeln kennt, übertragen die Fernsehsender keine Spiele. Das ist ein Teufelskreis. Die Football-Regeln kapieren auch nicht alle, die es gucken. Beim Football gibt es aber mehr sichtbare Action auf dem Feld. Wenn du noch nie Baseball gespielt hast, keinen kulturellen Zugang besitzt und nicht weißt, wo man den Ball hinwerfen muss, wirkt das auf den europäischen Fernsehzuschauer nicht ganz so spannend.
Chris: Die Europäer sind es gewohnt, dass im Sport immer Bewegung ist. Baseball sieht für Außenstehende nach viel Rumstehen aus, was aber eigentlich nicht so ist. Wenn man checkt, was da passiert und emotional investiert ist, dann ist das richtig spannend. Es ist einfach eine ganz andere Sportart als Fußball, Football oder Basketball, die sich im Kern sehr ähnlich sind.
Holger: Seit es mit Max Kepler einen deutschen Profi in den USA gibt, wird hier in der Presse aber deutlich mehr über Baseball berichtet. Ein paar aus unserem Verein haben damals gegen ihn auf Juniorpokalen gespielt.

Ist es denn realistisch, aus Deutschland heraus eine Profikarriere anzustreben?

Chris: Natürlich, wenn man spielen kann, wird man immer gefunden.
Vera: Das Problem ist, dass du für einen Verein, der dir dabei helfen kann, umziehen musst. Da musst du bereit sein, mehr zu fahren, als in anderen Sportarten, weil das Angebot in dieser Leistungsklasse nicht so hoch ist. Aber wenn du das möchtest, kannst du das anstreben.
Holger: Es gibt 30 Major-League-Mannschaften mit je 25 Spielern. Das sind alle Jobs, die es im Profi-Baseball gibt. Max Kepler ist trotzdem nicht der erste Deutsche, der es rübergeschafft hat. Donald Lutz hat mit 15 angefangen Baseball zu spielen. Mit 19, 20 war er in der Major League. Die beiden haben es über das Baseball-Internet Regensburg geschafft. Das ist wahrscheinlich das beste Sprungbrett in Deutschland. Es gibt aber auch in Paderborn und Heidenheim Sportinternate mit sehr guten Programmen.

Man hört heraus, dass ihr eine Baseball-Leidenschaft besitzt. Wie sieht es bei den restlichen 120 Mitgliedern eures Vereins aus? Sind die ebenfalls durch und durch Fans der Sportart oder eher Gelegenheitsspieler, die sich den Sport zufällig ausgesucht haben?

Holger: In der Herrenmannschaft sind die meisten baseballbegeistert. Wir unterhalten uns regelmäßig über die Spiele. Und auch die langen Fahrten zu den Auswärtsspielen würdest du nicht auf dich nehmen, wenn du nicht begeistert wärst. Wir haben das BBQ-Team, das das freizeitmäßig macht. Die spielen locker und grillen danach gemütlich. Da sind viele dabei, die den Sport einfach mal ausprobieren möchten.

Wie seid ihr selbst zum Baseball gekommen?

Vera: Bei mir lief das über ein Schulprojekt. Der Baseball-Verein aus meiner Heimatstadt – die Speyer Turtles – kam damals zu uns in die Schule. Ich habe zwar Basketball gespielt, war aber auf der Suche nach etwas Neuem. Ich fand Baseball immer cool, hab es in ein paar Filmen gesehen und wollte es einfach mal ausprobieren.
Holger: Als ich zwölf war, hat der Vater meines besten Kumpels in Amerika gewohnt. Er kam von einem Besuch zurück und brachte einen Baseball-Handschuh und Schläger mit. Wir haben dann im Garten damit gespielt, obwohl wir keinen blassen Schimmer von Baseball hatten. Dann haben wir gesehen, dass es bei uns auf dem Dorf zufällig eine Baseball-Mannshaft gab. Das war Mitte der Neunziger, als wir einen Baseball-Boom hatten. Da existierten ganz viele Mannschaften, die es heute gar nicht mehr gibt. Wir sind hin und es hat mir von Anfang an gut gefallen.
Chris: Ich bin Amerikaner.

Vera, du trainierst die ganz Kleinen. Wie bringt man Kindern eine so komplexe Sportart bei?

Vera: Das Schwierigste ist nicht einmal, mit dem Schläger den Ball zu treffen. Wir werfen den Kindern den Ball nicht zu, sondern sie schlagen ihn von einem Tee herunter (Anm. d. Red.: Schlagstativ, auf dem der Baseball liegt). Mit einem Handschuh den Ball zu fangen, fällt den Kids viel schwerer. Wir machen die Trainingseinheiten nicht zu lange. Mit den ganz Kleinen trainiere ich nur 45 Minuten bis maximal eine Stunde. Wir machen dabei auch viel Koordinationstraining, um erst einmal mit dem eigenen Körper zurecht zu kommen. Mit den Kleinen spielen wir eine Mischung aus Tee-Ball und Brennball. Wir nehmen das Tee, die schlagen den Ball runter, nehmen ihn auf und bringen ihn in die Mitte wie beim Brennball.

Was macht den Kids am meisten Spaß? Bestimmt das Schlagen, oder?

Vera: Klar, das Schlagen macht vielen Spaß, aber man muss im Training viele unterschiedliche Dinge anbieten, damit es immer abwechslungsreich bleibt. Dabei muss aber trotzdem eine gewisse Routine entstehen.

Wenn ich Interesse an einem Probetraining habe, die Regeln aber noch nicht beherrsche, kann ich dann trotzdem kommen?

Vera: Es kann wirklich jeder kommen. Egal, ob mit oder ohne Erfahrung. Es fängt jeder auf seinem eigenen Niveau an. Das meiste lernt man dann beim Machen.



Kommende Spiele in Freiburg:

  • 1. Mai 2019, 11 Uhr, Freiburg Knights gg. Ladenburg Romans (Softball Pokalspiel)
  • 1. Mai 2019, 15 Uhr, Freiburg Knights gg. Stuttgart Reds (Baseball, Pokalspiel)
  • 5. Mai 2019, 16 Uhr, Freiburg Knights gg. Gammertingen Royals (SB Landesliga)

Adresse

Freiburg Knights Ballpark
Robert-Ruh-Weg
79114 Freiburg im Breisgau