Wie das Handy unser Leben verändern wird

Steffen Moritz

Wozu wir unser mobiles Telefon in Zukunft nutzen können und wie Neugierige das schon heute im Internet ausprobieren, erklärt uns Medienberater Steffen Moritz aus Köln: Wissenswertes über das mobile "Ökosystem", wie die sich rasant entwickelnde Mischung aus Geräten, Funknetzen, Software, Informationen und Inhalten genannt wird.



Ein Preis für alles

Die wichtigste Veränderung der kommenden Jahre wird die weitere Verbreitung der Internet-Flatrate für das Handy sein. Damit können wir ohne Sorge vor zu hohen Kosten das Internet  ganz ohne Laptop nutzen: Wir werden E-Mails unterwegs lesen, Termine und Aufgaben synchron organisieren, wir können unsere Ebay-Auktionen überwachen, Nachrichten, Wetter oder Börsennews checken und aktuelle Sportergebnisse abrufen. Wir können Youtube-Videos unterwegs ansehen, bloggen oder twittern. Und natürlich sind auch unsere Social Communities dabei. Das Instant Messaging via Handy wird mit Diensten wie ICQ oder Skype in vielen Fällen die SMS ersetzen. Selbst das Internetradio ist mit einer Internet-Flatrate transportabel.
 

Navi, Fernseher und Kreditkarte

Doch unser nächstes oder übernächstes Handy wird noch mehr können: Mit GPS wird es immer wissen, wo wir uns befinden. Mit diesen Geo-Koordinaten können wir ortsbezogene Informationsdienste wie Reiseführer und Routenplaner nutzen. Unser Handy der Zukunft wird außerdem digitales Fernsehen empfangen und einen Chip enthalten, der es in eine Kreditkarte verwandelt.

Mobile 2.0.

Weil die technischen Möglichkeiten so schnell wachsen, hat sich weltweit ein Wirtschaftszweig geformt, in dem viele kleine Start-Up-Unternehmen, aber auch so große wie Google, innovative Dienste entstehen lassen. Dienste, die wir mit unserem Handy nutzen können. Getrieben wird diese Entwicklung vom Erfolg des Web 2.0. Experten nennen daher die Weiterentwicklungen solcher Dienste für unsere Handys schlicht Mobile 2.0.

Mobile 2.0.-Dienste lassen uns mit dem Handy online einkaufen, im Supermarkt und beim Friseur mit dem Handy bezahlen oder Tickets für Konzerte, Fußballspiele, Bus, Bahn und Parkhäuser lösen. Mit Mobile 2.0. kann man die  Musik, Foto- und Video-Sammlungen unterwegs nutzen, verwalten und erweitern. Und das Ganze funktioniert auch wieder ortsbezogen: Mein Handy speichert die Koordinaten vom neu geschossenen Foto gleich mit ab. Clevere Dienste werden uns zeiteffizient über Nachrichten und Angebote informieren, die uns am jeweiligen Ort und zur jeweiligen Zeit auch wirklich interessieren. Was einige sicher auch ängstigt – unser Handy scheint plötzlich sehr viel über uns zu wissen.

Das Internet hat verändert, wie wir Medien und die virtuelle Welt nutzen. Das Handy wird in den nächsten Jahren unsere Nutzung der realen Welt verändern. Denn da wir es immer dabei haben, verschmilzt mit dem Handy die Internetwelt mit der realen – das ist der Trend der kommenden Jahre.



Wo es jetzt schon losgeht

Viele Dienste, die in wenigen Jahren für uns alltäglich sein könnten, bestehen in ihrer ersten Version schon heute. Hier ein paar Beispiele:

Whoshere oder Limbo (für iPhone)
Beides sind junge Community-Services, in denen man Leute mit ähnlichen Interessen findet und kostenlos Nachrichten verschickt. Limbo und Whoshere unterscheiden sich von Facebook, StudiVZ und Xing vor allem darin, dass es dabei um Leute geht, die sich gerade in der Nähe des Handybesitzers aufhalten. Das iPhone erkennt dabei automatisch, wo man sich selbst befindet und zeigt als erstes die Mitglieder, die sich in unmittelbarer Nähe befinden. Die vielleicht sogar gerade neben dir sitzen.

Dopplr
Dopplr ist ein Online-Service für Menschen, die viel unterwegs sind und Bekannte haben, denen es genauso geht. Der Service läuft als Website auf Handy und PC. Nutzer stellen auf Dopplr ihre Reisedaten ein. So können Freunde und Bekannte erfahren, ob man zufällig am selben Ort ist. Vor allem bei Geschäftsreisenden ist das heute schon ein gern genutzter Dienst.
 
Shozu oder Snapmylife
Beides sind  kostenlose Programme, die man auf sein Handy lädt. Damit können Fotos und Videos, die mit dem Handy erstellt wurden, sofort zu allen wichtigen Foto-, Blog- und Community-Diensten wie Facebook, Flickr, Youtube, Blogger oder Twitter hochgeladen werden. So sind Foto-Reportagen in Echtzeit und ohne PC von unterwegs möglich. Shozu ist selbst eine kleine Community, in der Fotos kommentiert werden können.



Qik oder Kyte
Mit Qik oder Kyte wird das Handy zur tragbaren Livecam. Wer sich die kostenlose Applikation aufs Handy geholt hat, kann mit der Handy-Kamera aufgenommene Videos live ins Internet übertragen. Auf qik.com sind die Videos dann sofort zu sehen, samt der Info, wo sie entstanden sind und wer der Produzent ist.

Aka aki
Wer bei Aka aki registriert ist und die Applikation installiert hat, dessen Handy sucht über Bluetooth nach anderen Mitgliedern von Aka aki, denen man den Tag über zum Beispiel in der U-Bahn oder Uni begegnet, und zeigt deren Profil an. Wenn man sich interessant findet, kann man chatten oder sich gar tatsächlich die Hand schütteln. Handy-Dienste dieser Art sollen uns bald auch zeigen, wenn Freunde in der Nähe sind, Menschen mit gleichen Interessen oder Kunden, die das suchen, was man selbst anbietet. Socialight
Der Dienst setzt auf Geo-Lokalisierung und vermischt es mit einer Bewertungs-Community. Mit dem Handy oder am PC können hier virtuelle Sticker mit Empfehlungen an einem realen Ort hinterlassen werden. So kann der Nutzer sehen, ob in der Nähe Restaurants, Geschäfte oder Sehenswürdigkeiten empfohlen werden. Künftig werden wir bei solchen Diensten ein kleines Profil anlegen und unser Handy meldet sich, wenn in der Umgebung etwas dem Profil entspricht. So verpasst der Sushi-Fan kein gutes Sushi mehr.
Mehr Handydienste in unserem Handy-Blog.
 
NRme (auf iPhone)
Bei NRme hinterlassen die Nutzer kurze Nachrichten, wie bei Twitter, an bestimmten Orten. Andere Nutzer können diese Nachricht in einer Kartenoberfläche mit dem Handy abrufen und erfahren so, was um sie herum gerade so erzählt wird. Der Service steckt ganz am Anfang, kann aber, ähnlich wie Twitter, erfolgreich werden.



Arroundme oder Locly oder Wikime (iPhone)
Auch diese Applikationen setzen auf die Geo-Lokalisierung des iPhone. Mit ihnen lassen sich allerhand Informationen über die Umgebung des aktuellen Standorts anzeigen: Wikime legt dabei den Schwerpunkt auf Fotos und Beschreibungen von Bauwerken, die in der Wikipedia-Datenbank gespeichert sind und ist damit eine guter kostenloser Reiseführer für Sehenswürdigkeiten. Arroundme oder Locly zeigen mir Fotos der Umgebung an, Kinos, Taxistände, Cafes, Hotels, Geldautomaten und so weiter.

My Car wars (iPhone)
“My car wars“ zeigt die Macht von mobilen Internet Communities. Bei dem Dienst erklären Autofahrer (derzeit nur in den USA), welchen Preis sie beim Tanken aktuell bezahlt haben. Diese Informationen stehen online allen Nutzern zur Verfügung und das iPhone zeigt automatisch die Preise der Tankstellen in der näheren Umgebung an.
Midomi
Midomi nutzt das iPhone, dessen Mikrofon und die Internetverbindung zur unübertroffenen Musikerkennung und Recherche. Midomi erkennt Musik aus dem Radio oder auch nur gesungene oder gesummte Lieder. Es zeigt Interpreten an, Diskographien, Plattencover, Erscheinungsjahr und viel mehr. Man kann die Lieder vorhören und schließlich auch bei iTunes bestellen. Schon heute ist Midomi ein ausgewachsenes Musiktool.

GPSmission
Diese Handy-Applikation mischt Realität und Handy durcheinander. GPSmission ist ein Tool für Location Based mobile Gaming – im Prinzip Schnitzeljagd mit dem Handy. User erstellen eigene Schnitzeljagden oder lösen die Rätsel anderer User. Die Realität wird zum virtuellen Abenteuer-Spielplatz.