Bandporträt

Wie berauschende Konzerte und Neuerfindung die Bandfreundschaft von RasgaRasga prägen

Alexander Link

Zum Abschluss ihres ereignisreichen Festival-Sommers kommen die sechs Musiker von RasgaRasga am 8. September zu Rock am Bach in Kirchzarten. Unser Autor Alexander Link stellt die Band auf fudder im Portrait vor.

RasgaRasga! Der Bandname steht für eine Partyansage. Wenn es ordentlich abgeht also. Und das können RasgaRasga, die seit ihren Anfängen 2007 in der Stammkneipe in Nürtigen über 250 Konzerte gespielt haben. Die sechs Freunde Franziska Schuster, Jonas Krause, Lukas Fischer, Benedikt Fischer, Felix Kuthe und Gregor Brändle kennen sich seit der Schulzeit.


Diese enge Bindung strahlen sie auch auf ihren Konzerten aus und schaffen so eine intime Atmosphäre. 2016 und 2017 veranstalteten sie ihr eigenes kleines Festival auf der thüringischen Burg Lohra. Das dort aufgenommene Video zu ihrem Song "Le Grand Libois" wirkt deshalb wie ein Konzert für den Freundeskreis im eigenen Garten.

Video: RasgaRasga spielen "Le Grand Libois" auf ihrem eigenen Festival



RasgaRasga machen Musik deren Einflüsse von Brass, Ska, Gypsi, Balkan, Latin, Pop, Rock bis hin zu Folklore reichen – man könnte auch sagen: Weltmusik. Mit insgesamt zehn Instrumenten und drei Gesangsstimmen animieren sie auf der Bühne und in ihren Musikvideos ihre Fans zum ausgelassenen Tanzen: Franziska singt und spielt Akkordeon, Lukas Trompete, Bellfront und Bassposaune, Jonas Geige und Posaune, Benedikt singt, spielt Gitarre und Banjo, Gregor ist Bassist und Sänger und Felix sitzt am Schlagzeug.



Auf ihrem ersten Album "Ju Haf Tu Danz!" von 2012 sind überwiegend spanischsprachige Songs, die im Balkan- und Brassstil mit Titeln wie "Mueve Tu Culo" zum Tanzen und Ausgelassensein auffordern. Ihre 2014 erschienene EP "Anhelo" geht noch treibender nach vorne und klingt wie eigens für die vielen Liveauftritte konzipiert. "Dadurch, dass wir die Songs für die EP schon 2013 geschrieben haben, hatten wir sehr viel aufgestautes Kreativpotential und ließen uns besonders von elektronischer Musik inspirieren, ohne uns dabei von Genregrenzen einengen zu lassen", erklärt Gregor.

Kreative Neuerfindung in Köln

Es ist bemerkenswert, dass RasgaRasga auch nach zehn Jahren immer noch Musik zusammen machen. Denn nach dem Abitur verteilen sich die sechs Freunde deutschlandweit in alle Himmelsrichtungen zum Studieren. Trotz der unterschiedlichen Pläne und entfernten Studienorte stand das Bandprojekt im Mittelpunkt, so Gregor: "Auch in Zeiten, wo es schwierig war, die Band und die individuellen Lebensentwürfe unter einen Hut zu bringen, haben wir gemerkt, welchen großen Stellenwert die Musik für uns hat und, dass wir das Ganze aufrechterhalten und nach Möglichkeit noch intensivieren wollen."

Ihr neuestes Studioalbum "Hafen Fleur" erschien im März 2018 und ist das Ergebnis ihrer Neuerfindungsphase, die im September 2016 in Köln begann. Die sechs Freunde entscheiden sich während des Bandurlaubs die gesammelten Ideen gemeinsam musikalisch umzusetzen und unterbrechen ihre Studienzeit und Nebenjobs, um alle zusammen nach Köln zu ziehen.

Video: "Nou de La Rambla" aus dem neuen Album von RasgaRasga



Sich ein halbes Jahr voll auf die Musik zu konzentrieren, ist das nicht eine gewagte Entscheidung? Gregor resümiert: "Das war das einzige Zeitfenster, das für alle passte. Außerdem haben wir gemerkt, dass uns trotz der vielen Auftritte der kreative Input und die Zeit fehlt, um uns weiterzuentwickeln und neue Songs zu schreiben."

Während der gemeinsamen Zeit in Köln wollten sie sich nochmal neu erfinden, sich kreativ ausleben, um auch auf der Bühne ein ganz anderes Potential zu entfalten. Bei RasgaRasga werden alle Entscheidungen so lange ausdiskutiert, bis sie von allen getragen werden, deshalb gibt es auch keinen Bandleader.

Die Albumentstehung als natürlicher Prozess

"Hafen Fleur" ist ihr erstes richtiges Studioalbum, für das sich die sechs Musiker in unzähligen Jamsessions in den Probenraum gesetzt haben. Die Reflexionen über Stimmungen und Gefühle der intensiven Kölnzeit und der vergangenen vier Jahre entfalten sich in den zwölf Songs auf Deutsch, Französisch, Englisch und Spanisch. Der Sound der Platte ist ebenso facettenreich und begleitet die in den Texten erzeugten Bilder vom melancholischen "Laila" bis hin zu den euphorischen Songs "Dandelions" und "Sonrisa". Letztere entwickeln durch den gekonnten Bläsereinsatz kontrastreiche Spannungsbögen.

RasgaRasga nutzen beim Songschreiben die Kreativität aus dem Moment heraus: "Jeder bei uns schreibt seine Stimme konsequent selber. In die Probe kommt man dann mit einer Idee, einem Akkordschema oder einer Melodie und wir verwenden das als Ausgangspunkt." Die Leitrolle in Sachen Inspiration variiert dabei auch jedes Mal – sei es in Person der Rhythmusgruppe, der Sängerin Franziska oder des Trompeters Lukas. Zum Abschluss des Songwritings zum Album haben sich RasgaRasga fünf Tage in einen Probenraum in der Pfalz eingeschlossen, um die Spannungsbögen jedes einzelnen Songs auf Kohärenz und Kontraste zu prüfen.

In Köln gab es auch Reiberein in der Band

Das konzentrierte Musikmachen und die vielen Stunden im Probenraum erzeugten allerdings auch einige Reibereien unter den sechs Freunden, bei denen sie sich gegenseitig die Energie raubten und nichts zusammenging. Denn sie mussten zunächst in Köln ankommen und sich an den neuen Lebensstil ohne feste Struktur noch gewöhnen. "Anfangs kam auch der ein oder andere Kneipenabend in den Weg", erzählt Gregor. Das halbe Jahr in Köln beeinflusst die Band bis heute und inzwischen wohnen sogar drei Bandmitglieder dort.

"Zu sehen, wie sich ein Vibe auf Konzerten entfaltet, ist berauschend!"

Im Frühjahr 2018 gingen RasgaRasga auf "Hafen Fleur Tour". Dabei spielten sie im April auch im Freibuger Jazzhaus, wo sich Gregor an "ein überwältigend-berauschendes Konzert" erinnert: "Ich glaube wir sind eine Band, die sehr gut zu Freiburg passt. Es wird uns hier leichter gemacht, als in anderen Städten, weil das Publikum den Vibe und die Gefühle, die wir transportieren, super annimmt." Außerdem kümmert sich die Freiburger Booking Agentur Black Forest Voodoo, die auch für Äl Jawala und Malaka Hostel zuständig ist, um die Auftritte der Band.

Nach einigen deutschlandweiten Festivalkonzerten wie auf den Festivals Katzensprung und Zugvogel kommen RasgaRasga Anfang September wieder nach Südbaden. Sie spielen am 8. September bei Rock am Bach in Kirchzarten. Gregor freut sich auf dieses letzte Festivalkonzert: "Ich finde es berauschend, wie sich ein Vibe auf Konzerten entfaltet und die letzte halbe Stunde in einem emotionalen Tanzrausch verschwindet."

Die Konzerte am Ende des Festivalsommers sollen für die Band und ihr Publikum nochmal sehr spannend werden, da die Grundabläufe stimmen und dadurch Platz für Neues ist - für neue Interaktionen und spontane Ideen. RasgaRasga fühlen sich auf den sympathischen, kleinen Festivals am wohlsten.
Das neuste Album "Hafen Fleur" von RasgaRasga ist im März diesen Jahres erschienen. Es ist etwa über Amazon erhältlich.

Was: Rock am Bach, u.a. mit RasgaRasga
Wann: Samstag, 8. September 2018, ab 17.45 Uhr (RasgaRasga spielen ab 23 Uhr)
Wo: Engenwaldgelände in Kirchzarten, Dietenbacherstraße
Web: Rock am Bach
Tickets: BZ Ticket

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