Wie baut man ein Iglu?

Aljoscha Harmsen

"Meine Freundin ist einmal mitgekommen und danach nie wieder", sagt Michael Reufer. Er ist Iglubauexperte und baut jetzt ohne seine Freundin. Uns verrät er, wie man die weißen Behausungen am besten hochzieht.



Michael, wie viel Erfahrung hast du mit dem Bau von Iglus?

Wir bauen bei Igloprojekt schon seit zehn Jahren Iglus, aber in letzter Zeit ist eine enorme Iglu-Nachfrage aufgekommen. Da werden sogar ganze Dörfer gebaut. Es gibt mittlerweile Iglu-Siedlungen, die man als Urlaub buchen kann.

Eine Zeit lang habe ich Gruppen angeleitet, aber ich baue lieber mit Kollegen. Für Gruppen sind wir die ganze Zeit zuständig: Hier hat jemand kalte Füße, dort sind die Handschuhe nass; manche mussten wir bis ins Bett begleiten.

Wo baust du deine Iglus?

In den Alpen und in der Zentralschweiz sind viele Möglichkeiten, ein Iglu zu errichten, da finde ich es am besten.

Welche Ausrüstung braucht man?

Schneesägen, eine Lawinenschaufel und einen Skistock zum Abstecken des Radius' sind wichtig. Das Wichtigste aber ist etwas Warmes zum Anziehen! Und ein zweites Paar Handschuhe zum wechseln. Wir hatten auch schon Leute, die in Jeans gekommen sind – solche Hosen werden natürlich gar nicht mehr trocken; also wenn möglich Gore-Tex-Hosen anziehen.

Worauf muss man beim Bau achten?

Die Blockgröße ist entscheidend: je größer, desto besser. Bei der Kuppel des Iglus muss man darauf achten, dass die Neigung der Spirale konstant bleibt, sonst neigt sich leicht die Decke nach innen und das Iglu droht einzustürzen.

Beim Schnee gibt es verschiedene Sorten: Solange die Sonne noch scheint, ist er weicher und eignet sich, um Löcher zu stopfen. Wenn die Sonne untergeht, wird der Schnee steinhart und bricht nicht so schnell. Aus ihm lassen sich besser die großen Blöcke sägen.

Wie lange dauert es, ein Iglu zu bauen?

Bei einem Standard-Iglu für drei Leute dauert es zwischen einer und drei Stunden.



Was war dein größtes Iglu?

Das größte war eins, in dem zwölf Leute liegen konnten. Aber beim Innenraum kann man natürlich auch mogeln; wenn man erst die Kuppel baut und dann von innen schräg nach außen gräbt, gewinnt man viel Platz.

Wie lange bleibst du in einem Iglu?

Meistens nur eine Nacht. Einige Kollegen bleiben bis zu einer halben Woche in einem Iglu und machen parallel Schneeschuh-Touren.

Wie warm ist es drinnen?

Die Temperatur liegt konstant etwas über Null Grad. Wenn Menschen drinnen sind, wird es natürlich noch etwas wärmer. Manche kochen sogar in Inneren, dann wird es bis zu 15 Grad warm: beim Kochen besteht nur das Problem, dass der Schnee schmilzt.

Wer stellt sich geschickter an, Deutsche oder Schweizer?

Ich habe einen Kollegen aus Dortmund und kann ganz gut mit den Deutschen. Bislang habe ich keine Unterschiede festgestellt.

Was waren für dich unangenehme Erlebnisse?

Schlimm ist es, wenn man nachts merkt: Man muss nochmal kurz raus. Dann geht es durch das enge Igluloch und überall ist es nass und kalt.

Meine Freundin ist einmal mitgekommen und danach nie wieder. Für sie war es einfach zu kalt. Viele haben aber eher ein psychologisches Problem mit den Herausforderungen des Iglu-Baus oder sind nicht gut ausgerüstet.

Was gefällt dir besonders gut?

Das Gemeinschaftsgefühl mit den Kollegen, das gemütliche Zusammensein und das traditionelle Schweizer Fondue am Abend: Das ist für mich immer wieder schön. Und natürlich die Abgeschiedenheit, denn der Witz beim Iglu-Bau besteht darin, dass man sein Iglu dort baut, wo sonst niemand ist und nicht in fertige Iglu-Dörfer einzieht.

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