Wie aus einem kleinen Fußballturnier ein Medizinerfestival wurde

Joshua Kocher

22.000 Medizinstudierende fahren in diesem Jahr zu den Medimeisterschaften nach Magdeburg – offiziell, um Fußball zu spielen. Aus dem kleinen Spaßtreffen ist inzwischen ein waschechtes Festival geworden. Auch aus Freiburg sind etwa 500 Studierende dabei.

"Der Fußball steht immer noch im Mittelpunkt", sagt Jakob Brandl, einer der Hauptorganisatoren des Freiburger Teams für die Medimeisterschaften 2018 in Magdeburg. "Aber drum herum hat sich inzwischen ein waschechtes Festival entwickelt."Die Medimeisterschaften finden jedes Jahr im Sommer statt, in diesem Jahr zum 17. Mal. Gegründet wurden sie 2002 als ein Fußballturnier, bei dem medizinische Fakultäten von Universitäten aus ganz Deutschland gegeneinander antreten.


Anfangs noch auf den Unisportgeländen der verschiedenen Universitäten in ganz Deutschland, in den vergangenen drei Jahren fuhren die Teilnehmer dann nach Obermehler, in die thüringische Provinz. Dieses Jahr geht es auf den Flughafen Cochstedt bei Magdeburg. Vom 7. bis zum 10. Juni werden dort über 20.000 Medizinstudierende erwartet.

Aus dem Fußballturnier ist ein Festival geworden

56 Fakultäten haben ihre Teilnahme angekündigt. Auch aus dem europäischen Ausland sind Teams angemeldet: Die Medizinischen Fakultäten der Unis aus Bratislava, Budapest, Graz, Innsbruck, Riga, Salzburg und Wien entsenden eigene Mannschaften.

Ein Aftermovie von den Medimeisterschaften 2017



Aus Freiburg fahren etwa 500 Leute zu den Medimeisterschaften. "Die Medis sind wie eine große Mediziner-Klassenfahrt", sagt Brandl. "Wir haben 460 Fanpakete an Freiburger Studierende verkauft. Dazu kommen noch einige, die kein Paket gekauft haben." Im Paket ist das Kostüm enthalten, mit dem die Freiburger Teilnehmer zu den Meisterschaften fahren. Das Motto in diesem Jahr: #NurKittel. Dementsprechend tragen die Studierenden einen Arztkittel mit dem Logo auf dem Rücken. Aber ganz so eng nehmen sie es mit dem Motto nicht – unter dem Kittel tragen sie eine goldene Leggins.

"Der Sport im Allgemeinen steht für uns sehr im Fokus. Sportarten wie Basketball, Volleyball, Bubbleball, Tischtennis und Golf stehen bei uns auf dem Programm", erzählt Kareem Farhan, einer der Hauptorganisatoren der Meisterschaften.

Repräsentation spielt eine große Rolle

Doch Logo, Motto und Kostüm werden nicht nur für das Fußballturnier benötigt. Auf einem Festivalumzug repräsentieren die einzelnen Fakultäten ihre Uni. "Mit den Jahren hat sich eine ausgesprochen verrückte Fankultur der anfeuernden Teams entwickelt, sodass es das gemeinsame Zelebrieren, die Kreativität und das Beisammensein ebenso eine starke Rolle eingenommen haben", so Farham. "Gerade was den Punkt Kreativität angeht, zeigen hier die Fanvideos, Fanfahrzeuge und Kostüme, wie sehr die Studenten sich ausleben können."

In monatelanger Arbeit bauen die Fakultäten einen eigenen Wagen mit Soundsystem. Das Treffen, das anfangs noch ein kleines Fußballturnier war, erinnert inzwischen an ein großes Festival. Live-Bands und DJs sorgen auf den Zeltplatzbühnen für Stimmung, es gibt einen Beerpong-Wanderpokal und Chillout-Lounges.

Gemeinsam mit zwei anderen Städten hat Freiburg eine eigene Zeltplatzbühne

Die Freiburger Studierenden haben sich in diesem Jahr mit den Unis aus Tübingen und Ulm zusammengetan. Unter dem Motto "Dirty South" wird unter anderem eine gemeinsame Zeltplatzbühne gestaltet. "Inzwischen ist daraus eine echte Fanfreundschaft geworden", so Brandl.

Im Voraus müssen die Städte zudem ein Fan-Video veröffentlichen. Aus allen Einsendungen wird das beste gewählt. Die Freiburger Studierenden treffen sich vorher, um gemeinsam die Videos der anderen Teilnehmer anzuschauen und ihre Stimme abzugeben. "Wir legen auch großen Wert darauf, dass die Videos selbst produziert werden", sagt Brandl. Einige Unis lagern die Produktion an externe Unternehmen aus – müssen das aber kennzeichnen.

Freiburg versucht es in diesem Jahr unter dem Arbeitstitel "Ärzte aus der Schwanzwaldklinik".



Die meisten Klicks aller Einsendungen hat bisher die Einsendung der Uni Bonn: "Bonnald Trump". Mit dem Videodreh lösten sie gleich einen Polizeieinsatz aus.



Die Freiburger Teilnehmer treffen sich am Mittwochabend, 30. Mai, um ihren Favoriten auszuloten. An den Klickzahlen bemessen steht die Freiburger Einsendung derzeit gar nicht schlecht da.
Die diesjährigen Medimeisterschaften sind bereits ausverkauft. Wer nächstes Jahr dabei sein möchte, muss flott sein: Die Karten sind schnell weg, und Mediziner haben Vorrang im Early Bird Verkauf. Sonst können aber auch Nicht-Medizinstudierende zum Festival kommen.