Wie artgerecht ist eine Kneipe? Peta protestiert gegen das Aquarium in der Maria Bar

Eva Townley

Die Tierrechtsorganisation Peta Deutschland hat den Betreiber der Bar "Maria’s" aufgefordert, die Fische aus dem Aquarium zu entfernen. Diese lebendige Dekoration werde sehr lauter Musik und vibrierenden Bässen ausgesetzt. Geschäftsführer Christopher Hackel wundert sich über den Vorwurf.



Beim Besuch des „Maria’s“ fällt der Blick sofort auf das zwei Meter breite und 30 Zentimeter tiefe Aquarium, das die hintere Wand des Lokals wie ein lebendiges Bild schmückt. Etwa 20 Fische schwimmen hin und her. „Die sind doch richtig fröhlich“, findet Geschäftsführer Christopher Hackel. Die Tierschützer von Peta halten das für ausgeschlossen. Das „Maria’s“ befindet sich nämlich im sogenannten Bermudadreieck – am Wochenende wird  bei lauter Musik getanzt.


Ein Gast hat sich mit Beweisbildern beschwert

Für die Fische seien die Umstände in der Bar unzumutbar, ist Tanja Breining überzeugt. Die Meeresbiologin, die für Peta tätig ist, attestiert den Fischen einen sehr empfindlichen Hörsinn. „Durch laute Musik, vibrierende Bässe und den umgekehrten Tages- und Nachtrhythmus sind die Tiere im Dauerstress.“ Die Tierrechtsorganisation will die Leidensgenossen Nemos nicht mehr im Aquarium sehen. Ein Gast habe mit seiner Beschwerde samt Fotos auf die Lage der Fische aufmerksam gemacht. Vor etwa zwei Wochen wandte sich Peta per Mail an Geschäftsführer Hackel – und als der nicht reagierte, an die Medien.

„Ich habe das Schreiben eher als forsche Drohung empfunden“, sagte Hackel, der seit April 2012 das „Maria’s“ führt. Er findet, dass die Tierrechtsorganisation übertreibt. Seit 15 Jahren gebe es das Aquarium. „Ich verstehe nicht, warum sich Peta erst jetzt meldet.“  Tierschutz sei gut und wichtig, aber es gebe wichtigere Themen als Aquariumsfische. „Alle zwei Wochen kommt ein professioneller Aquariumpfleger, und abends wird das Licht ausgeschaltet, um den Tages- und Nachtrhythmus der Fische nicht durcheinander zu bringen“, versichert Hackel. Könnte ihm jemand nachvollziehbar erklären, dass die Tiere  wirklich leiden, würde er sich ernsthaft überlegen, etwas zu unternehmen.

Der Nachweis dürfte schwierig werden. Denn es gibt nach Angaben des emeritierten Professors Samuel Rossel, der am Zoologischen Institut Freiburg im Fachbereich Verhaltens- und Neurophysiologie geforscht hat, keine Studien über die Auswirkungen von lauter Musik auf das Wohlbefinden von Fischen im Aquarium. „Fische können zwar hören, aber wie sich Lautstärke auf sie auswirkt ist unbekannt.“   Eine pauschale Antwort könne es  nicht geben „Aber wenn Fische sich nicht wohl fühlen oder gestresst sind, vergraben sie sich oder schwimmen am Boden.“

Peta hat inzwischen auch die städtische Veterinärbehörde gebeten, die Lebensbedingungen der Fische zu überprüfen. Nach Angaben der Tierschützer haben Behörden in Aichach, Ravensburg und Stuttgart Aquarien aus Bars und einer Diskothek ausquartiert. Der Leiter der Freiburger Veterinärbehörde, Thomas Frank, weiß noch nicht, wie er diesen Fall beurteilen soll, hat aber schon einen Lösungsvorschlag: ein Schallschutzfenster. Peta fordert grundsätzlich die Abschaffung von Aquarien.

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