Wie alt muss man zum Feiern sein? Einlass im Schmitz Katze erst ab 21 Jahren

Bernhard Amelung

In Schmitz Katze, Freiburgs neuestem Nachtspielplatz und Kulturort, gelten seit dieser Woche neue Einlassbestimmungen: rein kommt nur, wer mindestens 21 Jahre alt ist.

Am Montagabend bezogen die Clubbetreiber auf der Schmitz Katze-Facebookseite Stellung:


Grundsätzlich sind wir ein offener Club für ALLE. Anhand unseres bisherigen Programms seht ihr, dass wir uns nicht auf ein Genre festnageln wollen und werden. Jedem solls bei uns gefallen und jeder soll auch gerne wiederkommen. Wir haben uns aber dazu entschieden, grundsätzlich eine Mindest-Alters-Grenze einzuführen - eben ab 21 Jahren.


Diese Nachricht löste einen Sturm der Reaktionen aus. Die Reaktionen darauf fielen unterschiedlich aus. Einige User begrüßten diese Entscheidung. Bis Freitagabend klickten rund 190 Menschen den Like-Button. "Endlich", schrieb beispielsweise Bianca B. "Gute Entscheidung", kommentierte Sebastian S. Bei anderen Usern strieß diese Meldung jedoch nicht auf positive Resonanz. "Überall dasselbe Spiel. Leider. Hätte das am wenigsten bei der Katze vermutet. Schwache Vorstellung", beschwert sich Lukas K. Julian M. ist enttäuscht. "Mein Lieblingsclub sperrt mich aus. Traurig", lässt er die Netzgemeinde wissen.

Schmitz Katze-Mitgründer Jan Ehret, seit vielen Jahren als DJ und Veranstalter im Freiburger Nachtleben tätig, zeigt sich einerseits verständnisvoll für die Kritik, die an der neuen Türpolitik geäußert wird. "Fakt ist, dass jeder, der zwanzig ist nun nicht reinkommt, nicht glücklich ist", sagt er. Tatsache sei aber auch, dass ein großer Club wie Schmitz Katze gerade an den Wochenenden Einlasskriterien brauche, die einfach zu handhaben und nicht beliebig seien. Man wolle die Entscheidung, wer in den Club dürfe und wer nicht, auch nicht in das Ermessen der Türsteher stellen. "Eine harte Tür, wie sie manche in der Diskussion auf Facebook verlangt haben, bedeutet immer auch Willkür. Man kann jedoch niemandem vermitteln, warum man zwei 18-jährige Mädels reinlässt, zwei Jungs Mitte Zwanzig dagegen abweist", sagt Ehret.

Doch was sind die Gründe für die Entscheidung, drei Monate nach Eröffnung eine Altersbeschränkung einzuführen? "Wir haben festgestellt, dass das Feierpublikum allgemein jünger geworden ist", sagt Jan Ehret. "Da die Jüngeren sehr viel häufiger ausgehen, gerät man leicht in Verruf, zu einer Teenie-Disco zu werden. Wir dagegen möchten ein vielfältiges, auch älteres Publikum ansprechen." Wer Ende Zwanzig, Anfang Dreißig sei, fühle sich im Club einfach nicht wohl, wenn um ihn herum nur 18-Jährige herumsprängen.

Frisch nach Freiburg gezogene Studierende, dank G8 vielleicht gerade 18 geworden - brauchen allerdings keine Angst davor haben, ihre Studienzeit in Freiburg ohne einen Besuch in Schmitz Katze verbringen zu müssen. Denn Fremdveranstaltern steht es frei, wie sie die Altersbeschränkung regeln möchten. So werden beispielsweise die Tiger Rag-Nächte, die sich mit hochwertigen Bookings im Bereich des Electro Swing einen Namen gemacht haben, ab 18 Jahren sein, genauso auch Hip-Hop-Abende.

Außerdem soll es zum Winter eine neue Mittwochsveranstaltung geben. Sie wird unter dem Label "Der Feierabend" laufen und ebenfalls ab 18 Jahren sein. "Auch bei Headlinern wie Moonbootica, die bald bei uns im Club spielen werden, belassen wir es bei den alten Eintrittsregeln. Manche Konzerte werden sogar schon ab 16 sein. Im Durchschnitt kommen wir damit auf vier bis fünf Clubnächte im Monat, an denen der Eintritt erst ab 21 Jahren sein wird", so Ehret.

So groß der Aufschrei der Entrüstung auch sein mag: Mit dieser Türpolitik stehen Jan Ehret und sein Schmitz Katze-Team in Freiburg nicht alleine da. In Clubs wie dem Drifter's oder im Great Räng Teng Teng gilt ebenfalls: Einlass ab 21 Jahren. Auch der Blick über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus zeigt, dass Schmitz Katze bei weitem nicht der einzige Club in der Region ist, der diese Einlasspolitik betreibt. Das Nordstern und die Hinterhof Bar in Basel haben für Wochenendveranstaltungen von Anfang an den Einlass auf 20 Jahre angehoben. "Einlass erst ab 20 Jahren. Wir sind ja keine Teenie-Abiturienten-Disko“, sagte der Betreiber der Hinterhof Bar, Philippe Hersberger, im Mai 2011 gegenüber fudder.de. Unter der Woche genauso wie bei Konzerten genügt in der Hinterhof Bar jedoch Volljährigkeit.

Doch erschöpft sich das Alterskriterium nicht in seiner Praktikabilität? Gilt nicht gerade in der elektronischen Clubmusik die Gleichheit als Unterschiedslosigkeit aller Menschen vor dem DJ? Bereits die Funk-/Rock-Band Parliament hat die Maxime im Titel eines ihrer Alben vorgegeben: One Nation Under A Groove. Und blickt man in die noch junge Geschichte des Techno, erfährt man, dass heute so bekannte Disc Jockeys wie Marcel Dettmann bereits als Teenager nach Berlin in den Tresor Club fuhren, um ihre Körper in den Dienst des Viervierteltakts zu stellen. Dettmanns Beispiel zeigt: Seine Macht ist stärker als sämtliche Einlasskriterien.

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