What happened in Germany?

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, warum die Zeitung New York Herald im Jahr 1880 mit dieser Überschrift auf ihrer Titelseite aufmachte? Grund dafür waren weder neuerliche Kriegspläne, der industrielle Aufschwung oder gar die kaiserliche Großmannssucht im deutschen Reich, sondern nur eine Fahrlässigkeit in einer Kleinstadt im Münsterland.

In einer Nacht Ende März jenen Jahres war ein Kupferschmied in der Stadt Oelde unterwegs nach hause. Da er von einem sehr bierhaltigen Gelage kam, lief er weder geradeaus, noch war er wirklich leise. So fiel er einem pflichtbesessenen Schutzmann auf, der ihn sofort anhielt und zur Rede stellte.


Doch mit der Antwort hatte er nicht gerechnet: Statt sich kleinlaut zu ducken und den weiteren Heimweg anzutreten, antwortete der Kupferschmied dem Polizisten in noch lauterer Tonstärke und ließ einen kräftigen, weithin hörbaren Wind fahren. Der empörte Schutzmann ließ dem Delinquenten daraufhin am nächsten Morgen einen Strafbefehl über fünf Mark zugehen.

Die Oelder Lokalzeitung "Glocke" veröffentlichte den Wortlaut der Strafverfügung mit der Bemerkung, der Kupferschmied, der Einspruch gegen diese Strafe eingelegt hatte, entschuldige sich beim dem Schutzmann für seine "Fahrlässigkeit". Daraufhin geht diese Meldung über den Oelder Wind um die ganze Welt und jeder fragt sich, wie es dazu kommen konnte, dass jemand für einen der natürlichsten körperlichen Vorgänge bestraft wird.

Der Kupferschmied erhält aus dem ganzen Reich unterstützende Briefe und Postkarten mit teilweise sehr lyrischem Inhalt. Und im Jahr 1908 gibt die Stadt Oelde sogar einen Geldschein heraus, auf dessen Vorderseite der furzende Kupferschmied abgebildet ist, dem ein Polizist hinterherschnüffelt.