Werle & Stankowski: Angezogen im White Rabbit

Alexander Ochs

Was hat man nicht alles schon gesehen und gehört? Aber poppige, folkige Balladen, kombiniert mit fetten Beats – das ist originell und kommt an. Das Kölner Klangduo Werle & Stankowski gastierte im White Rabbit, und Alex war für fudder mit dabei.



Hat man schon mal je so agile Zehen gesehen? Johannes Stankowski, bei Werle & Stankowski zuständig für den Singer/Songwriter-Part mit Akustikgitarre, kommt barfuß auf die Bühne. Wie zuletzt im Kamikaze Klub.


Doch auch das White Rabbit scheint ihnen zu liegen (zwar nicht zu Füßen – aber das kann ja noch werden): „Alles'n bisschen Voodoo hier, es gefällt uns hier“, meint Johannes gleich zu Beginn. Nach verhaltenem Beginn auf beiden Seiten – sowohl seitens der Band als auch vom Publikum – spielen die Soundtüftler ihre aktuelle Single „Lady Grey“.

„Das Lied zum Bier oder zum Tee, wie ihr wollt“, meint Gitarrist und Sänger Johannes. Doch danach ist es erstmal vorbei mit melancholischen Songs. „Wir werden jetzt was Härteres spielen. Es ist ein kryptischer Blick auf meine Heimatstadt Köln, also kein Liebeslied, aber irgendwie doch“, be(un)ruhigt Johannes. Die Beats, die Simon Werle am Sequenzer und am Keyboard serviert, sorgen für lauschige Partystimmung. Dazu tanzt er groovig.


Ihre Mischung aus Folk-inspiriertem, durch Johannes’ Stimme soulig angerautem Pop und Simons synthetischen Soundtüfteleien hat etwas Eigenes, Unnachahmliches, So-Nicht-Gehörtes. Wie geht das zusammen – Beat & Ballade? Ganz wunderbar, man glaubt es kaum. Sie sind wahre Beat-Poets, Betonung auf dem Wort „Beat“, sie sind Elektro-Beat-Poets. Die basslastigen Rhythmen aus Simons elektronischer Wundertüte mildern das Singer/Songwriter-Pathos ab und bereichern es auf partytaugliche Art & Weise.

„Unsere Musik besteht ja zu 85 Prozent aus Bass“, meint denn auch Simon. Doch kaum ist die Party in Gang gekommen, wollen sich die Jungs nach einer knappen Stunde schon wieder vom Freiburger Publikum verabschieden.

Nach den fanüblichen Einlagen wie Klatschen & Rufen (ein Kölner Fan: „Ihr Schweine! Wir wollen euch nackt sehen!“) ist es dann soweit: „Wir spielen jetzt tatsächlich eine Zugabe, wie es auch abzusehen war“, sagt Simon augenzwinkernd.

Werle & Stankowski kennen das Spiel mit dem Publikum. Ihre dritte Zugabe schließlich beschert uns den auf einen 30er-Jahre-Schlager zurückgehenden Song „Wir saßen in Johnnys Spelunke“, den einzigen Werle & Stankowski-Song in deutscher Sprache. Erfrischend und erstaunlich, wie sie dem 75 Jahre alten Liedgut neues Leben einhauchen – und durchaus tanzbar.

Und der Kölner Fan ließ sich nach Konzert-Ende nicht beirren und wagte sich in den Backstage-Bereich, um sich seine Stars hautnah anzusehen. Wenn auch nicht nackt.

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