Wer wird wo Millionär?

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass die Quizsendung "Wer wird Millionär" auf dem ganzen Globus beliebt ist? In über 70 Ländern wurde die Show schon ausgestrahlt oder läuft immernoch. Und auch weil nicht überall Günther Jauch die Moderation übernehmen kann, gibt es in jedem Land ein paar kleine Abweichungen und Besonderheiten, die dem hiesigen Fernsehzuschauer nicht bekannt sein dürften.

Die Shows unseres kleinen Nachbarn Österreich werden in dem gleichen Studio in Köln aufgezeichnet wie die mit Onkel Günther. Dadurch haben die Kandidaten manchmal ein Problem, wenn das vorwiegend deutsche Publikum nach österreichischem Trivialwissen gefragt werden muss. Ähnlich geht es Kandidaten aus Kanada, die extra für eine Aufzeichnung samt Moderator nach New York eingeflogen werden.


In der Ukraine wurde nach ein paar Sendungen der Publikumsjoker abgeschafft, weil die Zuschauer, anscheinend aus Missgunst, sehr oft wissentlich falsche Antworten gaben.  Dagegen gibt es in Japan keinen Telefonjoker, sondern vier "Helfer" hinter der Bühne. Die werden dann für 30 Sekunden auf einmal zugeschaltet. Außerdem sind sie dafür da, um ein Gesetz zu umgehen: Die Gewinnsumme ist in japanischen Fernsehshows per Gesetz auf zwei Millionen Yen (knapp 12.500 €) begrenzt. Da aber die letzten vier Gewinnstufen 2,5, 5, 7,5 und 10 Millionen Yen betragen, kann der Kandidat den Preis mit seinen vier Mitspielern teilen. Außerdem hat sich die fernöstliche Jauch-Version Mino Monta diverse englische Sprüche abgeschaut, die er fleißig benutzt: "Fainaru ansah?" ist seine Version des Spruches "Final Answer?".

In Island durften pro Show nur sechs Kandidaten antreten– kein Wunder, denn die Insel hat nicht mal 300.000 Einwohner. Wahrscheinlich haben schon alle teilgenommen, denn die Sendung wurde 2005 nach fünf Jahren abgesetzt.

Dieses Problem gibt es in Indien nicht. Doch nachdem der beliebte Schauspieler und Moderator Amithab Bachchan 2006 schwer erkrankte, dauerte es mehrere Monate, bis in diesem Jahr der Bollywood-Star Shahrukh Khan die Leitung der Sendung übernahm. Der Überhangkandidat musste so lange warten.

Schließlich ist Irland das einzige europäische Land, in dem nach der Einführung des Euro die Gewinnsumme drastisch fiel– um über ein Fünftel. Dort stellte allerdings der WWM-Rekordhalter Paddy Spooner eine unerreichte Leistung auf: Nachdem er in Großbritannien und in Australien jeweils 250.000 Pfund bzw. Dollar gewonnen hatte, schaffte er es auch in Dublin auf den Stuhl. Hier scheiterte er jedoch an der zweiten Hürde und musste sich mit 1000 € zufriedengeben. Die irische Show wurde kurz darauf eingestellt. Nicht wegen Spooner, sondern weil der Hauptsponsor, ein Mobilfunkunternehmen, absprang.

[Thx to Dr. Lauer & Dr. Lundberg]