Wer will einen Wolf ersteigern?

Dirk Philippi

Mit einer in jeder Hinsicht bemerkenswerten Aktion will der Eishockey-Zweitligist "Wölfe Freiburg" helfen, gegen die Kinderarmut in Freiburg vorzugehen. Selbst nicht auf finanziellen Rosen gebettet versteigert der Club seine Spieler für unterschiedliche Freizeitaktivitäten, um so Kindertagesstätten der Arbeiterwohlfahrt Freiburg zu unterstützen.



„Die Spieler haben einfach super reagiert, als wir Ihnen von der Idee erzählt haben, und sofort zugestimmt“, sagt Wölfe-Pressesprecher und -Gesellschafter Holger Döpke, auf die ungewöhnliche Hilfsaktion angesprochen, die heute begann. Über das Internet-Auktionshaus hood.de kann man Spieler für ganz private, gemeinsame Freizeit-Aktivitäten ersteigern.


Erhält man den Zuschlag trifft man sich etwa
  • mit Wölfe-Topskorer Roman Kadera beim Golfen
  • geht mit Torjäger Petr Mares und Josef Kottmair auf die GoCart-Strecke
  • fährt Schlittschuh mit Sunnyboy Matt Hubbauer
  • oder misst sich mit Trainer Peter Salmik in einem Badminton-Duell.
  • Andere charmante Dates sind Thermalbadbesuche, Tennis-Matches, Kinobesuche, Bowling-Abende, Candle-Light-Dinner, Spaziergänge oder auch eine Wohlfühlmassage.
Der Erlös dieser Versteigerungen geht sämtlich der AWO Freiburg zu Gute – und das nicht ohne Grund: Die harte Realität sieht so aus, dass jedes fünfte Kind in Freiburg an oder unter der Armutsgrenze leben muss. Dabei sind die Auswirkungen bekannt: Kinderarmut bedeutet, dass übliche Bildungsinhalte nicht gelernt werden, dass sich gesundheitliche Probleme viel stärker auswirken, dass eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht gelingt und dass ein solches Leben mit Schamgefühlen verbunden ist, so dass Armut selten öffentlich wird.



Nicht, dass die Aktion aufgrund ihres kreativen und öffentlichkeitswirksamen Ansatzes nicht schon bemerkenswert genug wäre, so verdient sie zudem Beachtung, da die Wölfe Freiburg selbst nicht im Geld schwimmen. „Wie viele Sportvereine haben auch wir in der heutigen Wirtschaftssituation einige Probleme, aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

Als unser Betreuer Lutz Stegner (Foto), der selbst bei der AWO arbeitet und die Idee zu dieser Aktion hatte, uns von der Kinderarmut in Freiburg berichtete, da wurden die eigenen Probleme plötzlich ganz klein“, beteuert Döpke, der zudem glaubhaft verneint, dass es sich hierbei um einen geschickten Image-Schachzug handelt: „Wir von der Profiabteilung und dem Gesamtverein des EHC arbeiten mit und für Jugendliche und sind ein kinderfreundlicher Club mit vielen Hundert Nachwuchsspielern. Wenn man dann hört, wie es für andere nicht darum geht, wie man die Ausrüstung bezahlen kann, sondern wie man genug zu essen bekommt, dann sehen wir uns einfach in der Pflicht. Und vielleicht ist ja zum Beispiel eine Matt-Hubbauer-Liebhaberin bereit ihr Sparschwein für ein Treffen mit ihrem Helden zu opfern und dabei noch etwas Gutes zu tun.“

Das wiederum würde den Abteilungsleiter der AWO Freiburg, Rainer Luithardt, ungemein freuen: „Als die Wölfe an uns herangetreten sind und uns von ihrer Idee erzählten, da waren wir schon beeindruckt. Natürlich sind wir über die Unterstützung sehr dankbar, zumal wir jede finanzielle Hilfe bestens gebrauchen können. So haben wir momentan drei aktuelle Optionen die Gelder für unsere Kindertagesstätten zu verwenden: Für das Mittagessensangebot müssen Küchen eingerichtet werden, wir planen eine Bewegungsbaustelle und in den Gärten möchten wir Außenspielgeräte installieren.“



Über die genauen Abläufe der Aktion informiert die Website der Wölfe. So entstehen beim Einlösen der Aktionen dem Ersteigerer keinerlei zusätzliche Kosten. Die Auktionen enden am 27.12.08. Zudem sind auch Sachspenden ganz ausdrücklich Willkommen – in der AWO Kindertagesstätte in der Wirthstraße gibt es besonders in Garten und Küche großen Bedarf für Hilfe jedweder Art.

Falls man mit einer Sachspende helfen möchte, steht der Initiator der Aktion, Lutz Stegner, per Telefon (0172-7451838) bei Rückfragen zur Verfügung.

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