Wer war Jos Fritz?

Tilman Schächtele

Jos Fritz begegnet man in Freiburg häufig - auf Straßenschildern und als Namensgeber für eine Buchhandlung und für ein Café. Die meisten Freiburger haben die diffuse Vorstellung, dass Fritz "irgendwie ein Linker" gewesen sei. Wir wollten es etwas genauer wissen und erfuhren dabei mehr über die Geschichte des alternativen Freiburger Buchhandels als über Fritz selbst.



Die Suche führt uns zuerst in die Jos-Fritz-Buchhandlung mit angrenzendem Jos-Fritz-Café in der Wilhelmstraße. Heinz Auweder, Angestellter der Buchhandlung, kann Auskunft geben. Er erzählt:

"Jos Fritz wurde Ende des 15. Jahrhunderts in der Nähe von Bruchsal geboren. Er organisierte mehrere Bauernaufstände, war allerdings nie erfolgreich.


Das typische Symbol für die Bauern war der Bundschuh. Deshalb ist die Bewegung, die von ihm ausging, heute als Bundschuhbewegung bekannt. Auch von Lehen aus (damals noch nicht zu Freiburg gehörend, d. Red.), wo Jos Fritz später lebte, zettelte er Verschwörungen an. Um 1513 floh Fritz aus Lehen und war seitdem verschwunden."

Der Buchhändler kennt seinen Namenspatron. Das 1975 gegründete Geschäft gab sich, als Protest gegen das damals geplante Kernkraftwerk in Wyhl, diesen Namen als Symbol für den Widerstandskampf. Ursprünglich hätte es Friedrich Hecker sein sollen. "Aber der war schon vergeben als Namensgeber für die DKP-Buchhandlung in der Sedanstraße", so Auweder.



Er erzählt außerdem, dass die Jos Fritz-Buchhandlung am Anfang kurz "Aspirin" hieß, als Zitat aus einem Gedicht des lateinamerikanischen Revolutionärlyrikers Roque Dalton. "Da hat sich dann aber schnell die Rechtsabteilung des Bayerkonzerns bei uns gemeldet und uns gezwungen, den Namen zu ändern", so Auweder.

Wissen eigentlich die Bürger Lehens, wer Jos Fritz war? Wir sind hingefahren. Von der gleichnamigen Straße geht übrigens der Els-Schmidin-Weg ab. Komischerweise heißt es aber auf diesem Schild: "Else Schmid, um 1510, Frau des Bundschuhführers Jos Fritz."



Else Schmid oder Els Schmidin? Um 1510, wo ihr Mann Fritz doch schon 1513 geflohen sein soll? Hm. Aber immerhin ist der so genannten Bundschuhbewegung einige hundert Meter weiter eine Veranstaltungshalle gewidmet. Fragen kann man hier allerdings niemanden. Lehen war gestern um 15 Uhr völlig leergefegt, bis auf die Straßenkehrmaschine.

Letzter Versuch. Anruf im Museum für Stadtgeschichte. Wir wollen unter anderem wissen, wie Jos Fritz gestorben ist. Auskunft: "Keine Ahnung. Gibts denn keinen Wikipedia-Eintrag? Nein? Hm. Schauen Sie mal in der UB nach. Da müsste ein Buch stehen, vor etwa zehn Jahren erschienen." Tatsächlich, das Buch heißt "20 Jahre Jos Fritz" von Heinz Auweder.

Die Katze beißt sich in den eigenen Schwanz. Mehr wissen wir nicht.