Wer sind die Freimaurer Freiburgs?

Fabian

Um die Freimaurerei ranken sich seit ihrer Gründung geheimnisvolle Gerüchte. Auch in Freiburg gibt es drei Freimauerer-Logen. Wir haben uns mit dem 28-jährigen Patrick getroffen (auf dem Foto sieht man seinen "Meister vom Stuhl"). Patrick erzählt uns, wie und warum er Freimaurer geworden ist und was es mit diesem Bund auf sich hat.



Die Loge "Zur edlen Aussicht" ist 1784 in Freiburg gegründet worden und keiner weiß mehr, warum sie diesen merkwürdigen Namen trägt. Patrick, 28, studiert Geowissenschaften und ist ein junger Mann, der einem auf der Straße nicht weiter auffallen würde. Lange Zeit war er der Jüngste in der Loge. Mit 21 Jahren trat er ihr bei. Seit nunmehr sieben Jahren trifft er sich alle zwei Wochen mit seinen Freimaurer-Brüdern. „Ich bin durchs Schmökern auf die Freimaurerei gestoßen,“ sagt Patrick. „Die Loge habe ich dann im Internet entdeckt, ganz klassisch. Früher ging das noch mehr über Empfehlungen.“ Es war die Denkweise der Freimaurer, die ihn interessierte. „Man versucht, vorurteilsfrei und weltoffen mit anderen Leuten umzugehen und Statusgrenzen abzubauen. Das hat mir sehr gefallen."




Von Steinmetzen gegründet, war die Bewegung stets angetrieben von Menschen, die nach dem Prinzip der Aufklärung frei denken und über alle Schranken hinweg mit anderen Menschen verkehren wollten. So waren die Freimaurer immer auch Triebkräfte revolutionärer Bewegungen.   Inwiefern ist solch ein Bund heutzutage in Mitteleuropa wichtig, wo wir doch in einer weitgehend freien Gesellschaft leben? „Die Freimaurerei ist ja auch eine weltweite Bewegung und es gibt immer noch Länder, in denen sie verboten ist, in der arabischen Welt zum Beispiel. Das freie Denken hat sich noch nicht überall durchgesetzt.“ Im Dritten Reich wurden die Freimaurer unterdrückt, verfolgt und in Konzentrationslagern umgebracht. So sind heute in Deutschland nur rund 14.000 Freimaurer in Logen aktiv; vor dem zweiten Weltkrieg waren es noch 80.000. In Frankreich oder in den USA ist die Bewegung weit größer.

Die Nazis hatten die Freimaurerei auch wegen ihrer angeblichen Verbindung zum Judentum und zum Marxismus verboten. Alles Propaganda. „Wenn es bei uns etwas gibt, über das während der Treffen nicht gesprochen wird, dann sind es die Themen Politik und Religion“, sagt Patrick. Die Freimaurerbrüder halten zwar abwechselnd kleine Referate, sogenannte Zeichnungen, über die später auch diskutiert wird, aber man versucht immer, große, gesellschaftliche Themen zu bearbeiten, ohne ins politische Detail zu gehen. „Natürlich kann es auch mal vorkommen, dass zwei Brüder anfangen, sich zu streiten, aber dann sagt der Meister vom Stuhl auch: ,Hey, kommt mal wieder runter, das könnt ihr später in der Kneipe machen.'“



Trotz der Unabhängigkeit von der Religion glauben die Freimaurer an eine übermenschliche Macht, die sie den großen Baumeister der Welt nennen. „Er wird als eine höhere Macht angesehen, aber es wird jetzt nicht vorgeschrieben: Dies und das musst du tun. Die Freimaurerei macht keine Gebote“, sagt Patrick, der selbst getauft und Mitglied in der katholischen Kirche ist. Man möchte also nicht in Konkurrenz zu den Weltreligionen treten, sondern höchstens eine liberale Ergänzung bilden. Dennoch erkennt man in den Alten Pflichten, einer Schrift, die für die Freimaurer noch am ehesten so etwas wie einen Ethikkodex darstellt, die christlichen Wurzeln der Freimaurerei. Gleichzeitig aber auch die Loslösung davon im Laufe der Zeit.

Symbole spielen eine große Rolle in der Freimaurerei. Das wird mir klar, als ich die Räumlichkeiten der Loge Aquarius am Jesuitenschloss besuche. Zunächst komme ich mir vor wie in einem gewöhnlichen Gemeindehaus. Die Luft riecht muffig, das Mobiliar wurde seit den 1970ern nicht mehr gewechselt. Doch dann zeigt mir Stephan Bäckert, der ebenso unscheinbar wirkt wie Patrick, den Tempelraum der Loge.

Der Saal ist in blau gehalten und wird von verschiedenen Symbolen dominiert. Immer wieder findet man den Hammer und auch einen unbehauenen Stein. „Die Freimaurerei schreibt niemals die Interpretation eines Symbols vor. Man kann in diesem Stein aber den Menschen sehen“, sagt Stephan Bäckert, der als Meister vom Stuhl so etwas wie der Vereinsvorsitzende der Loge ist. „Mit dem Hammer soll man seine Persönlichkeit formen. Aber das ist nur eine von vielen Interpretationen.“



Daneben sieht man auch Winkel und Zirkel, die von den Anfängen der Freimaurerei bei den Steinmetzgilden zeugen. Außerdem beherrscht die Zahl 3 den Tempelraum: drei Tische an der Stirnseite des Raumes, drei Kerzen auf dem Tisch, drei Kerzenständer im Raum. Auch diese Zahl ist auf die handwerklichen Wurzeln der Fremaurerei zurückzuführen, denn von den Steinmetzen haben die Freimaurer auch die drei Berufsgrade übernommen: Lehrling, Geselle und Meister. Diese existieren in den Logen bis heute.

Im den Freimaurertempeln finden vor allem die Brüderabende mit den Zeichnungen statt. Feiertage haben die Freimaurer eigentlich keine, bis auf das Johannisfest. Am 24. Juni wird an die Geburt Johannes des Täufers erinnert, dem Schutzheiligen der Freimaurer; ein Fest, das sich sowohl im katholischen, als auch im evangelischen Kirchenkalender wiederfindet. Darüber hinaus treffen sich die Freimaurer aber oft mit anderen Logen zur sogenannten Tempelarbeit. Sie organisieren gemeinsame Abende, an denen sie für karitative Zwecke Geld sammeln oder sie engagieren sich anderweitig im sozialen Bereich.

Trotz dieser Arbeit, die sich entgegen allen Gerüchten in der Öffentlichkeit abspielt, muss Patrick eingestehen, dass die Reaktionen seiner Freunde oft zwiespältig sind, wenn sie von seinem freimaurerischen Engagement erfahren. „Es gibt immer noch viele Vorurteile über Weltverschwörungen und Satanismus bei den Freimaurern, da muss man sehr vorsichtig sein. Ich hänge das auch nicht an die große Glocke.“



Dabei ist das Freimaurer-Leben nicht halb so spannend, wie viele es sich vielleicht vorstellen. „Wir haben auch keine Schätze und viele unserer Bücher sind in der Unibibliothek frei zugänglich,“ meint Patrick. Das öffentliche Bild seiner Gemeinschaft werde gerade in Kinofilmen und Trivialliteratur arg verzerrt.

Nur beim Thema Aufnahme kommt Patrick dann doch mal ins Stocken und setzt kurz eine geheimnisvolle Miene auf. „Da kann ich jetzt nicht soviel zu sagen, denn es gibt da eine Verschwiegenheitspflicht.“ Doch dann lacht er und winkt ab. Auch da gehe es unspektakulär zu. Im Prinzip könne jeder aufgenommen werden, der volljährig ist, ohne bestimmte Kriterien erfüllen zu müssen. „Früher wurde noch ein polizeiliches Führungszeugnis verlangt, aber das gibt’s heute nicht mehr“, sagt Patrick.

Man wird als sogenannter Suchender von der Loge somit nur nach dem Charakter beurteilt. Hat man die Prinzipien der Freimaurerei verstanden und verinnerlicht? Meint man es wirklich ernst oder ist man nur dort, weil die Freimaurer im Dan-Brown-Roman so schön verschwörerisch klingen? Politische oder religiöse Orientierungen spielen auch bei der Aufnahme keine Rolle, so dass sich die Mitglieder auf alle Alters- und Gesellschaftsschichten verteilen.

Die Brüder urteilen nach dem persönlichen Eindruck, den sie von dem Suchenden haben, und stimmen dann geheim mit weißen und schwarzen Kugeln ab. Erreicht der Suchende ein „hell leuchtend“, sprich nur weiße Kugeln, ist er aufgenommen. Sind wenige schwarze dabei, wird noch einmal diskutiert, bei mehr als drei schwarzen Kugeln ist man in der Regel abgelehnt.

Nur in einem Punkt sind die Freimaurer nicht tolerant: Frauen als Logenmitglieder sind nur Ausnahme. „Es gibt inzwischen auch einige Frauenlogen und gemischte Logen, aber viele von denen werden nicht anerkannt. Es ist eben traditionell ein Männerbund.“

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