Wer randaliert, verliert den Lappen

Nadine Paulus

Im Kampf gegen Alkoholmissbrauch, Gewalt und Vandalismus bei Jugendlichen setzen immer mehr deutsche Städte, allen voran Karlsruhe, auf die Androhung des Führerscheinentzugs. Die Idee dazu stammt aus Freiburg.



Wer in Karlsruhe unter Alkoholeinfluss prügelt oder randaliert, läuft Gefahr, seinen Führerschein zu verlieren oder sich den Führerscheinerwerb zu erschweren. Seit November 2008 geht die Stadt sehr entschieden gegen jugendliche Randalierer vor und hat zu diesem Zweck ein Warnsystem eingeführt.


Bei einem Verstoß erhalten die 14- bis 24-jährigen Unruhestifter die "Gelbe Karte", einen Brief von der Führerscheinstelle. Darin werden sie verwarnt und darauf hingewiesen, dass im Wiederholungsfall der Verlust des Führerscheins droht. Wer sich trotz Verwarnung erneut strafbar macht, wird zur medizinisch-psychologischen Untersuchung (im Volksmund auch "Idiotentest" genannt) vorgeladen, bei der die Eignung zum Führen eines Kraftfahrzeugs überprüft wird.

Die gelbe Karte ist allerdings kein rechtswirksames Dokument, sondern soll informierenden Charakter haben. "Viele junge Leute glauben, dass sie ihren Führerschein nur durch Straftaten verlieren können, die im direkten Zusammenhang mit dem Autofahren stehen", so Dr. Björn Weiße, Leiter des Karlsruher Amts für Bürgerservice und Sicherheit.

Laut Fahrerlaubnisverordnung darf der Führerschein aber jedem entzogen werden, dem fehlende charakterliche Eignung nachgewiesen werden kann. Eine medizinisch-psychologische Untersuchung kann also schnell den vorläufigen Verlust der Fahrerlaubnis bedeuten – mal ganz davon abgesehen, dass sie mit Kosten in Höhe von 400 Euro nicht gerade billig ist.

Aber auch für diejenigen, die noch gar keinen Führerschein besitzen, ist die gelbe Karte eine ernstzunehmende Warnung. Werden sie erneut auffällig, kann ihnen die Zulassung zur Fahrprüfung versagt werden. Den Jugendlichen, für die der Besitz des Führerscheins häufig sehr wichtig ist, soll mit der Aktion ein heilsamer Schock erteilt werden. Auch zahlreiche andere Städte sind von der Wirksamkeit dieser Erziehungsmaßnahme überzeugt und haben das Modell übernommen, darunter Heilbronn, Münster und Braunschweig.

In Freiburg gab es die gelben Karten für betrunkene Randalierer schon lange bevor die Stadt Karlsruhe mit ihrer Aktion an den Start ging. Bereits seit Anfang 2007 meldet die Freiburger Polizei Aggressionsdelikte an die Führerscheinbehörde.

"Die Idee ist damals wegen der Probleme im Bermudadreieck entstanden", sagt Hans Dezulian, Sachgebietsleiter bei der Fahrerlaubnisbehörde Freiburg. Die Freiburger Aktion richtet sich aber bislang nicht gezielt gegen Jugendgewalt – verwarnt werden hier ausschließlich Führerscheininhaber.



Voraussetzung für die Erteilung einer gelben Karte ist nach Angaben Dezulians eine gewisse Schwere der Straftat: "Nicht für jede Körperverletzung verschicken wir gleich eine Verwarnung". So seien im Jahr 2009 in Freiburg nur etwa acht bis zehn gelbe Karten verschickt worden, zum gefürchteten Idiotentest sei es in den vergangenen drei Jahren nur in zwei oder drei Fällen gekommen. "Die medizinisch-psychologische Untersuchung stellt einen sehr großen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte dar, sie kann nur in seltenen Fällen angeordnet werden", sagt Dezulian.

Die Verwarnung hat in seinen Augen dennoch eine wichtige psychologische Wirkung, vor allem auch auf Jugendliche und junge Erwachsene. Die Freiburger Führerscheinbehörde plant daher, in naher Zukunft ebenfalls Karten an gewalttätige Jugendliche zu verschicken, die noch keinen Führerschein besitzen.

Mehr dazu:

[Bild 1: dpa; Bild 2: fudder]