Wer nicht zuhört, ist selbst schuld

Carolin Buchheim

In der Juni Ausgabe der Spex schrieb Jan Niklas Jansen "Tchi haben ein Album gemacht. Und ich finde, ihr solltet es Euch anhören." Donnerstag Abend hätte ich vielleicht, parallel zu diesem Satz, mit einem Schild durchs volle El.pi laufen sollen auf dem "Tchi spielen hier gerade ein Konzert. Und ich finde, ihr solltet es Euch anhören." gestanden hätte, denn vor lauter Geburtstagsfeierei und Standard-El.pi-Donnerstag gingen die Konzerte von Tchi und den Lokalgrößen Shape Shifters und Ready Killerwatt unverdienterweise zu weiten Teilen unbemerkt und nicht ausreichend gewürdigt vorbei.

Voll war es am späteren Donnerstag Abend im El.pi: Ein 25. Geburstag ist ja auch Grund genug zu feiern, und nach dem erfolgreichen Mittwoch Abend war allen wohl nach Nachschlag zu Mute. Leider nur nicht nach den live spielenden Bands, dabei waren die alle drei ganz wunderbar.


Den Anfang hatten, vor viel zu leerem Haus, Freiburg's Rockabillys Nummer Eins (laut Tim Rocketrocker), die Shape Shifters mit zwei kleinen rockenden und rollenden Live-Sets geliefert, ehe gegen ein Uhr Tchi auf die kleine El.pi Eck-Bühne traten, um vor den mit goldenen Alu-Wärmedecken verkleideten Wänden ihre Musik zu spielen.

Tchi machen alles richtig, was Indiepoprock mit deutschen Texten angeht, und vielleicht lag es genau daran, dass am Donnerstag kaum jemand so richtig hingehört hat. - Aufs erste Hören hin, von der Bar des El.pi aus, wenn man gerade ein Bier in der Hand hat und mit dem besten Kumpel über die WM-Spiele des Abends redet oder auch darüber, wie blöd der schwarz-rot-goldenen Pop-Patriotismus des Moments ist, dann könnte man meinen, das alles schon mal gehört zu haben, bei all den anderen Bands, die eben Indiepoprock mit deutschen Texten machen.

Denn ja, Jan singt aufs erste Ohr hin schon ein bisschen so, wie Thees Uhlmann das auch tut, aber wenn man dann trotzdem genau hinhört, dann stellt man schnell fest, dass er zum einen nicht so entnervend über sich redet, sowohl in, als auch zwischen den Songs, und zum anderen tut er weder den Vokalen noch der Grammatik so viel Böses an, wie das Herr Uhlmann beizeiten tut. Und ja, seine Gitarre schrammelt und der Bass von Heine wummert so rum, und Drumms sind da auch, die spielt Dennis, und ja, das ist nichts unbedingt Neues, alles, ja, aber das ist trotzdem richtig gut, und verdient genaues hinhören. Punkt.

Tchi sind keine Band des aktuellen Indiepoprock-auf Deutsch-Hype: gegründet 1996 sind als Referenzbands eher 'Die Sterne' und 'Nationalgalerie' zu nennen als Kettcar, denn älter als die sind sie allemal. Und überhaupt stechen Tchi aus dem Hype heraus: die Texte von Tchi haben diese angenehme Art der Kryptik, die Bedeutung erschliesst sich fern vom Wortsinn. Die Definition allein über die Sprache finden Tchi auch reichlich blöd; Jan hält es da wie die Sterne es singen: "Ich scheiß auf deutsche Texte."

Auf meine fudder-Standardfrage, zwischen welchen Bands sie sich denn gerne eingeordnet sähen, in einem nicht alphabetisch, sondern musikalisch-emotional geordneten CD-Regal, können sich die Herren nicht ganz einigen, nennen aber keine der üblicherweise herangezogenen Vergleichsbands, nein, die Herren Tchi wüssten sich und ihre Platten gerne irgendwo zwischen 'Kolossale Jugend', 'Pinback', 'Nada Surf', 'Guz' und 'TheFall' eingeordnet.

Tchi spielten im El.pi ein kleines Set, zwei Handvoll Songs von 'Auf den Point' und dem neuen Album 'Stehen Stolpern', und dann machten sie die Bühne auch schon wieder frei für eine ordentlich rockende Ladung Ready Killerwatt, denen vom El-Pi Publikum immerhin ein wenig mehr Beachtung geschenkt wurde.

Insgesamt war es ein schöner Geburtstagsabend im El.pi, denn wie viele Leute effektiv zuhören, ist ja eigentlich egal, gute Musik bleibt gute Musik, und das El.pi zeigte sich auch diesmal als wirklich schöne Konzert-Location. Nur das Publikum, das muß wohl noch herangezogen werden, aber das wird sicher noch, mit der Zeit. Sind ja auch schon schwere Wochen für Konzerte, die WM-Wochen, und am Donnerstag war Freiburgs Konzertpublikum sicher auch zu großen Teilen beim Southside.

Tchi haben ein Konzert gespielt, und die Shape Shifters und Ready Killerwatt auch. Ich finde, ihr hättet sie Euch anhören sollen.

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