Fragen und Antworten

Wer gibt den Straßen in Freiburg eigentlich ihre Namen?

Hannes Selz

Jogi-Löw-Straße oder Pippi-Langstrumpf-Allee: Es gibt viele kreative Ideen für neue Straßennamen in Freiburg. Aber nicht jeder Name schafft es auf die Vormerkliste und schon gar nicht aufs Straßenschild– es gelten strenge Kriterien.

Wer darf Vorschläge machen?

Jeder und jede, ohne Ausnahme. Das können zum Beispiel einzelne Personen oder Parteien sein. Woher die Leute sind, die die Vorschläge schriftlich bei der Stadt Freiburg einreichen, ist ebenfalls egal. "Sie können auch aus Norddeutschland kommen", erklärt Dr. Hans-Peter Widmann, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Freiburger Stadtarchivs für die Prüfung der Vorschläge zuständig ist.

Wo kommen die Vorschläge hin?

Die Vorschläge werden beim Stadtarchiv gesammelt, geprüft und bewertet. Für die Prüfung ist Widmann zuständig, der Recherchen zu den einzelnen Personen anstellt und sich, falls Fragen aufkommen, mit seinen Kollegen berät.

Wie viele Vorschläge werden eingereicht?

"Jedes Jahr gehen mindestens vier bis fünf Neuvorschläge bei uns ein", erzählt Widmann, der grob schätzt, dass 50 Prozent davon durchkommen. Die Anzahl kann von Jahr zu Jahr stark variieren. "Als es vor zwei, drei Jahren um die Umbenennung vieler Straßen ging, hatten wir eine ganze Flut an Vorschlägen. Da kamen plötzlich 30 innerhalb eines Jahres." Wenn die Berichterstattung über die Benennung von Straßen in der Zeitung und anderen Medien zunehme, würden auch verstärkt neue Vorschläge eingehen.

Welche Kriterien gibt es?

Das Kulturamt der Stadt Freiburg legte 2006 Kriterien fest, nach denen das Stadtarchiv prüft. Grundvoraussetzung ist die herausragende Leistung der oder des zu Ehrenden. Mindestens fünf Jahre lang muss die Person verstorben sein. "Straßen möchte man ungern nach lebenden Personen benennen", sagt Widmann und führt aus: "Sie haben ihr Lebenswerk noch nicht abgeschlossen. Man kann nicht sagen, was in 15 Jahren ist. Da kann weiß Gott was passieren, die Person kann sich vom Paulus zum Saulus wandeln oder umgekehrt. Dann hat man eine Straße benannt und müsste diese dann eventuell umbenennen."

Hat die zu ehrende Person eine herausragende Leistung erbracht und ist seit mindestens fünf Jahren verstorben, müssen weitere zwei der folgenden drei Kriterien erfüllt sein: Erstens der Freiburg-Bezug. Zweitens, dass die Person eine Frau ist und drittens, dass der oder die zu Ehrende Opfer von Verfolgung oder staatlicher Willkür wurde. Erfüllt der Vorschlag zwei dieser drei Kriterien, kommt er auf die "Vormerkliste für Straßenbenennungen".

Eine Vormerkliste – was ist das?

Momentan stehen 78 Namen auf einer Liste, mit denen bei Bedarf neue oder umzubenennende Straßen betitelt werden. Nach der Prüfung gibt das Stadtarchiv eine schriftliche Stellungnahme beim Kulturausschuss ab, der in letzter Instanz darüber entscheidet, ob der Name es dann tatsächlich auf die Vormerkliste schafft. Hierbei kann sich der Kulturausschuss auch über seine von sich selbst festgelegten Kriterien hinwegsetzen.

Wer entscheidet?

Steht konkret eine Straßenbenennung oder -umbenennung an, wählt die Stadtverwaltung einen Namen aus, der neben den Personen auf der Vormerkliste auch eine Bezeichnung für eine bestimmte Freifläche oder ein Gelände sein kann. Die Entscheidungshoheit liegt letztlich beim Freiburger Gemeinderat. Befindet sich die zu benennende Straße in einer der eingemeindeten Ortschaften Ebnet, Hochdorf, Kappel, Lehen, Munzingen, Opfingen, Tiengen oder Waltershofen, entscheidet der Ortschaftsrat.

Was muss das Stadtarchiv noch beachten?

Der Name, für den sich die Verwaltung entschieden hat, wird nochmals überprüft. Dieser muss zum jeweiligen Ort oder zum jeweiligen Stadtteil passen. Auch wird überprüft, ob eine Straße für eine gewisse Person repräsentativ genug ist. "Ein Bundeskanzler bekommt natürlich keine Sackgasse und keinen Feldweg", erklärt Widmann. "Es ist ein ganz schön kompliziertes Verfahren, man darf da nichts außer Acht lassen."

Wer wird über die Benennung informiert?

Ob ein Kandidat abgelehnt wird oder nicht – die Person, die den Vorschlag beim Freiburger Stadtarchiv eingereicht hat, erhält ein Begründungsschreiben. Ist eine Benennung erfolgt, werden der örtliche Bürgerverein sowie nahe Angehörige der geehrten Person schriftlich informiert. Bei einer Umbenennung werden zusätzlich die Anwohner der Straße über das Vorhaben in Kenntnis gesetzt und eventuell angehört.

Welche Namen wurden abgelehnt?

Es gibt einige witzige Vorschläge, die – vielleicht auch nicht ganz ernst gemeint – keine Chance hatten, es auf die Vormerkliste zu schaffen. Pippi Langstrumpf, Jogi Löw, Martin Schmitt oder Gaby Glockner aus der Kinderbuchserie TKKG sind dafür Beispiele.

Gibt es schon Vorschläge für Dietenbach?

Der Freiburger Gemeinderat wird aus dem Pool der bereits bestehenden Vormerkliste auswählen. Obwohl man noch nicht wisse, wie viele Straßen es in Dietenbach letztlich geben werde, "sehe ich dem positiv entgegen. Ich denke nicht, dass dort so viele neue Straßen gebaut werden, wie es Namen auf der Vormerkliste gibt", sagt Widmann. Wenn der Bau des Stadtteils anstehe "kann es wie vor zwei Jahren auch gut sein, dass viele Neuvorschläge auf einen Schlag kommen, gerade auch von den Gemeinderatsfraktionen."

Mehr zum Thema: