"Wer Fehler macht, lernt dazu": Interview mit Jazz-Schlagzeuger Frederik Heisler

Bernhard Amelung

Sieben Musiker, die eine große Bandbreite von Jazz zu Funk und Hip Hop abdecken: Das ist die Magnetband, gegründet 2011 vom Köndringer Frederik Heisler. Sie spielen am Ostersonntag im Waldsee. fudder-Autor Bernhard Amelung hat Bandgründer Heisler gefragt, wie spontan man zu siebt sein kann und wer den Ton angibt:



Der Titel eures Albums heißt Mixtake, ein Kofferwort aus mixtape und mistake. Wieviele Fehler darf sich ein Musiker auf der Bühne erlauben?

Frederik Heisler: Ein Musiker darf sich so viel wie nötig, so wenig wie möglich Fehler erlauben. Fehler machen, bedeutet, Risikobereitschaft und Experimentierfreude zu zeigen und auch mal etwas zuzulassen, das unerwartet kommt. Jeder Musiker, der Angst vor Fehlern hat, tritt nämlich mit gezogener Handbremse auf die Bühne. Wer jedoch Fehler macht, lernt dazu und kommt persönlich weiter.

 

Wie verhält sich das im Studio?

 
Unserem ersten Album haben wir den Gedanken einer einmaligen Aufnahme zugrunde gelegt. Die Stücke auf "Mixtake" haben wir so umgesetzt, als stünden wir auf der Bühne eines Clubs oder Musikfestivals. Das heißt, dass wir freie Passagen hatten, in denen die Musiker Neues und Unerwartetes gespielt haben. Während der Aufnahme sind manche Dinge zum ersten Mal passiert.

 

Was war das denn?

 
Der dritte Song auf dem Album heißt Interlude. Ihm liegt die Idee von zwei Klavierstimmen zugrunde. Diese haben die zwei Posaunenstimmen spontan übernommen, allerdings um eine Viertelnote versetzt. Ihr Spiel hat alles Weitere beeinflusst.

 

Wie spontan kann eine Band eigentlich agieren, wenn sie zu siebt auftritt?

 
Bei uns sieht es so aus wie in einer Diskussionsrunde, in der alle Teilnehmer vom Fach sind. Jeder hat die ganze Zeit etwas zu sagen, muss aber nicht andauernd den Mund aufmachen. Wer will, kann und soll spielen, aber jeder kann und soll sich auch zurückhalten. So bilden sich eigene Dynamiken unter den einzelnen Musikern, die sich auch wieder auflösen und in neuer Kombination zusammenfinden. Die Magnetband ist ein Labor. Dort soll möglichst viel passieren.

 

Ein Septett findet man eher selten. Warum gleich so groß?

 
Zum einen sind wir alles gute Freunde. Wir kennen uns vom Studium an der Basler Musikakademie. Zum anderen bilden wir während des Spiels immer kleine Gruppen, Duos, Trios, die aber wie eine einzelne Person auftreten.

Außerdem gibt es bei uns immer Spieler und Gegenspieler, Schlagzeug und Beatbox, Klavier und Gitarre sowie zwei Posaunen. Der Bass ist das Fundament. Der hält alles zusammen. Diese Konstellation lässt Raum für Experimente. Wir können neue Klänge in einem bekannten Kontext finden.

 

Wer gibt den Ton an?

 
Der Grundgedanke der Magnetband ist, dass sie ein Kollektiv ist. Im Spiel sind wir alle frei, gleichzeitig müssen wir alle auch Verantwortung übernehmen. Die Freiheit kann aber nur funktionieren, wenn jeder sein Instrument beherrscht und den anderen in seiner musikalischen Freiheit respektiert. Bei den Proben allerdings hat der Komponist, der den Song geschrieben hat, das letzte Wort. Er hat sozusagen ein Vetorecht.

 

Wie plant man bei so vielen Bandmitgliedern die Proben?

 
Da laufen die Fäden bei mir zusammen. Ich koordiniere die Termine für Studiozeiten, Jams und Auftritte. Da wir so viele sind, müssen wir unsere Spontanität eben spießig planen, meist auf ein Jahr im Voraus. Wir wissen also schon, was wir im Dezember 2015 machen werden.

Aber das ist auch schön, denn wir sind alles wahnsinnig gute Freunde. So buchen wir in gewisser Weise eine gemeinsame Zeit, in der wir uns alle wieder sehen. Jeder bringt dann seinen persönlichen Input mit, und es entwickelt sich ein Fluss. 



 

Zur Person

 
Frederik Heisler, Jahrgang 1988, hat im Alter von sechs Jahren seine Leidenschaft für Rhythmus und Schlagzeug entdeckt. Der Köndringer hat an der Basler Musikakademie, Abteilung Jazz, studiert. Nach einem Auslandsjahr in Barcelona schließt er derzeit sein Studium mit einem Master of Arts in Musikpädagogik ab. Zusammen mit Emanuel Teske aus Köndringen, Johannes Maikranz aus Teningen und vier Studienkollegen hat er Ende 2011 die Magnetband gegründet. Sie verbinden Jazz und Bebop mit Einflüssen aus Hip Hop, Funk und elektronischer Musik. 

Mehr dazu:



Was:
Konzert: Frederik Heisler's Magnetband.
Wann: Sonntag, 20. April 2014, 20 Uhr.
Wo: Waldsee.