Wer bekommt den Zuschlag fürs Z?

Dominik Schmidt

Drei Bewerber wollen das pleite gegangene Jugendzentrum Z unterm Siegesdenkmal übernehmen: Die christliche Freikirche ICF, ein Netzwerk diverser Gruppierungen unter HipHop-Federführung sowie Holger Probst mit seiner Media Konzept GmbH. Wer bekommt den Zuschlag? Bis zum Juli entscheidet der Gemeinderat.



Seit einem Jahr schon steht das Jugendzentrum Z in der Unterführung am Siegesdenkmal leer. Der finanzielle Zuschuss der Stadt ist schon lange abgestellt und die Überbleibsel aus der aktiven Zeit des Trägervereins „Z Kultur- und Bildungszentrum e.V.“, werden mittlerweile von einem Freiburger Rechtsanwalt verwaltet.


Wie es mit dem Z weitergehen soll, wird derzeit im Gemeinderat debattiert. Sicher ist nur, dass die Stadt an einem selbstverwalteten Projekt für Jugendliche festhalten möchte. Jedoch: „Es gibt keine Festlegung seitens des Gemeinderats, ob kommerziell oder nicht“, sagt Edith Lamersdorf, städtische Pressesprecherin. Ein kommerzieller Bewerber werde akzeptiert, „um das breite Spektrum darzustellen.“

Rückblick

Anfang 2009 wurde die problematische Situation des Z bekannt. Nicht nur der finanzielle Bankrott kam ans Licht, auch Vorwürfe über nicht-transparente Kooperationen mit dem damaligen Liquid Club und stets wiederkehrende Drogenprobleme und Diskussionen über die Sperrzeiten verdeutlichten, dass die Verwaltung nicht funktionierte. 100.000 Euro Schulden standen zu Buche.

Der Gemeinderat zog die Notbremse. Im Februar 2009 stellte die Stadt ihren Zuschuss für das Jugendzentrum ein, der weitere Betrieb war somit unmöglich. Es begann eine langatmige Aufarbeitung der finanziellen und konzeptionellen Zustände des Z.

Einige Monate wurde es ruhig ums Jugendzentrum, bis im Oktober 2009 die Stadtverwaltung an den Stadtjugendring und ans städtische Jugendbüro herantrat, um einen Workshop zu organisieren, auf dem Möglichkeiten für eine weitere Nutzung der Räume besprochen wurden. Drei seriöse Bewerber kristallisierten sich heraus, die ihr Konzept dem Gemeinderat unterbreiteten.



Die Kandidaten

1. Kirchlich: ICF

International Christian Fellowship (ICF) ist eine christlich-kirchliche Organisation. Der ICF betreibt verschiedene Veranstaltungen von Poetry Slam, Boxtraining bis hin zu „Lebenscoaching“ in Freiburg. „Wir haben im Moment eine Räumlichkeit in der Kaiser-Joseph-Straße, die wir anmieten, aber das Z würde uns mehr Platz und weniger Lärmbeschränkungen ermöglichen“, sagt der Vereinsvorsitzende Jörg Gräfingholt.

Mit seinen 60 ehrenamtlichen Mitarbeitern möchte Gräfingholt das Z „hell und freundlich gestalten und auf Alkohol- und Drogenkonsum verzichten.“ Das Konzept des ICF sieht eine Mischung vor aus Selbstverwaltung und professionellem Betrieb. Zwar sollen Ehrenamtliche die meisten Aufgaben erledigen, es stehe allerdings ein auf Honorarebene bezahlter Coach für die Mitarbeiter zur Seite, so Gräfingholt.

2. Pluralistisch: Netzwerk

Zweiter Bewerber ist ein Zusammenschluss aus verschiedenen Gruppierungen, gewerblichen Betrieben und Vereinen. Darunter der Verein African Information Movement, die HipHop Truppe Qultrap und die Agentur Cogo. Ziel des Zusammenschlusses ist es ein Netzwerk in der Freiburger Szene herzustellen, das gemeinsam das Z betreibt. Das Prinzip der reinen Selbstverwaltung möchte man dabei aber nicht verfolgen. „Das Z braucht eine professionelle Führung. Die Jugendlichen werden begleitend unterstützt, aber nicht sich selbst überlassen“,  sagt Jens Gläsker, Mitglied der HipHop-Truppe Qultrap.

3. Kommerziell: Media Konzept GmbH

Dritter im Bunde und einziger kommerzieller Bewerber ist die Media Konzept GmbH unter der Geschäftsführung von Holger Probst (Nitebeat, Maria Bar). Probst, bekanntes Gesicht in der Freiburger Gastronomie- und Ausgehszene, möchte das Z in eine kommerziell ausgerichtete Diskothek umbauen. Abends Club - und nachmittags könnten die Räumlichkeiten kostenlos von Jugendlichen für Veranstaltungen genutzt werden.



Finanzierung des Z

Bereits im Januar 2007 sagte Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach gegenüber fudder, dass genügend Steuergelder unnötig ins Z hineingesteckt wurden. Auch wenn die Stadt sich damals weigerte, die Restschulden zu übernehmen, war es eine schmerzliche Erfahrung für den Gemeinderat sowie für das Sozial- und Jugendamt. Die Stadt will sichergehen, dass der zukünftige Betreiber das Z nicht wieder gegen die Wand fährt. „Wenn die Vergabe erst stattgefunden hat, können wir in die laufenden Geschäfte des Vereins nicht eingreifen. Genau das war damals das Problem“, warnt Lamersdorf.

Der erfolgreiche Bewerber muss also wirtschaftlich solide sein und eine seriöses Konzept haben. Dies wird ausschlaggebend sein für den Kinder- und Jugendhilfeausschuss, der als Teil des Gemeinderats bis zum 8. Juli 2010 entscheiden will, wer den Zuschlag bekommt.

Der Zuschuss der Stadt wird – wie beim alten Träger – bei 43.000 Euro pro Jahr liegen. Auch Pachtkosten werden für den zukünftigen Träger nicht fällig. Wie hoch allerdings die Nebenkosten des Z sind, könne man momentan nicht sagen, meint Gräfingholt. Leider gäbe es darüber keine Unterlagen des alten Betreibers. Sein Verein, der ICF Freiburg, könne 1000 bis 2000 Euro pro Monat aufbringen. Ähnlich sieht es Jens Gläsken, der die intransparente Situation der Bewerber kritisiert: „Wir bekommen von der Stadt keine konkreten Zahlen. Wie sollen wir so unsere Finanzierung planen?“

Die günstigste Option, zumindest in finanzieller Hinsicht, scheint für die Stadt die Media Konzept GmbH zu sein. Sie gibt an, den Betrieb „kostenneutral“ zu gestalten. Probst würde den Zuschuss der Stadt nicht in Anspruch nehmen. Detail am Rande: Rechtsanwalt Christian Göpper, der die Media Konzept GmbH vertritt, gehört der Kanzlei an, die sich auch um die Abwicklung des bankrotten Z-Trägervereins kümmert - dafür ist Göppers Kollege André Knapp verantwortlich.

Knapp macht keinen Hehl daraus, dass er persönlich den Zuschlag für Media Konzept klar favorisiert. Und: "Die Stadt sollte das Vergabeverfahren beschleunigen, um endlich Geld mit den Räumlichkeiten verdienen zu können." Knapp sieht keine Verbindung zwischen dem alten Z-Trägerverein und dem aktuellen Bewerbungsverfahren und somit auch keine Gefahr der internen Einflussnahme. Zumindest eine sehr umtriebige Lobbyarbeit für Probst wird Knapp jedoch kaum abstreiten können.



Wer bekommt den Zuschlag?

Die Media Konzept GmbH könnte der Stadt die höchste finanzielle Sicherheit bieten, dennoch beißt sich ein kommerzieller Betreiber mit dem Grundgedanken eines Jugendzentrums. Nach Aussage der Stadt sei ein gemeinnütziger Betreiber auch vorrangig. Ausgeschlossen werde aber nichts.

Der ICF hingegen hat den schalen Beigeschmack einer freikirchlichen Organisation. Auch wenn der Verein betont, dass jede Konfession am Z beteiligt sein soll, könnte es einige Jugendliche abschrecken. Dritter im Bunde, der Zusammenschluss verschiedener Gruppierungen, wird die breiteste Basis in Freiburg haben. Inwiefern ein solch vielfältiges Netzwerk strukturiert arbeiten kann, bleibt allerdings abzuwarten.

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