Wenn's rockt: Web-TV für Indie-Mucke

Carolin Buchheim

Als der Radiosender der Fachhochschule Furtwangen 'Gute Laune Furtwangen' begann, neben seinem Radioprogramm auch einen Webcast anzubieten, entstand über Live-Streams tunespoon Online-Musikfernsehen und so nebenbei auch "Wenn's rockt", das bisher einzige deutsche WebTV-Fachmagazin für Indie-Mucke. Die Leute hinter Wenn's rockt leben in München, Leipzig und Freiburg. fudder-Autorin Caro hat sich mit Bernd Plontsch (München) und Stefan Häfele (Freiburg) über Wenn's rockt unterhalten.



"Eigentlich ist Wenn's rockt einfach eine Fanzine, eine Video-Fanzine" sagt Stefan. "Wir sehen uns, ganz klassisch, in der Tradition der Leute, die mit Schreibmaschine, Schere und Klebstoff Heftchen zusammengestückelt haben, und anschließend an ein paar dutzend Leute verschickt haben." Und Recht hat er.


Schaut man sich einige Episoden von Wenn's rockt an, so sieht man die fanboy-eske Liebe zum Detail, die hinter den mit Konzertmitschnitten versetzten, außergewöhnlichen Interviews steckt. "Ich glaub der Unterschied liegt darin, dass wir immer genau wissen, mit wem wir reden, und mit Leidenschaft dran' gehen. Wenn man Bands interviewt, die man selbst mag, dann stellt man einfach andere Fragen als der Durchschnitts-Journalist, der vor dem Telefoninterview nur kurz über die Pressemitteilung geguckt, ganze drei Songs der neuesten CD durchgespult hat, und noch nicht mal weiß, wie viele Bandmitglieder die Band eigentlich hat, " sagt Stefan.

Sie stellen andere Fragen, die Damen und Herren von Wenn's rockt, und im Gegenzug reden Bands bei Wenn's rockt auch anders als sonst wo. "Wir wollen, dass die Bands aus einem anderen Blickwinkel auf ihre Musik gucken", erzählt Bernd, "dass sie aus ihren Gefühlen heraus über ihre Musik sprechen, und nicht einfach etwas abspulen, dass sie schon mehrfach in Interviews erzählt haben." Die meiste Zeit ist das kein Problem. "Wir interviewen ja größtenteils Bands fern des Mainstreams, die sich über die Aufmerksamkeit freuen, und Spaß am neuen Medium WebTV haben."

Eine Stilbegrenzung für Wenn's rockt ist schwierig. "Gute Musik, gerne mit Gitarre, alles zwischen Bright Eyes und Isis," definiert Stefan, und ist sich dabei darüber im Klaren, wie wenig einschränkend diese Definition ist. Im Programm von Wenn's rockt findet man so unterschiedliche Bands wie Archive, The Faint, Kenzari's Middle Kata, The International Noise Conspiracy und Tele. "Uns kommt es auf die 'Echtheit' an. Welcher Musikstil es letztendlich ist, das ist egal, Hauptsache dahinter steckt echte Emotion. Fehlt bei einer Band diese Echtheit, ist es schwer, die Sendung zu machen." Einmal hat sie gefehlt, und zwar so richtig: An einem Interview mit einem bestimmten Act schneidet Stefan schon seit 1 ½ Jahren herum, aber egal wie oft er sich neu dransetzt, es scheint nichts mehr zu werden. Der Flow fehlt.

Überhaupt geht es bei Wenn's rockt um den Flow. "Wichtig ist nicht das Equipment, das man benutzt, sondern die Motivation der Band und der Leute, die filmen. Wichtig ist das, was man rein steckt in die Sendung,” findet Bernd. Die technische Ausstattung der Wenn's Rocker besteht aus "Upper End Consumer Produkten", kleinen Digitalkameras, die circa 600 Euro kosten, und aktueller Software.

"Wir finden es toll, dass es heute so leicht ist, mit relativ wenig Kosten und Aufwand WebTV zu machen. Es kommt nicht darauf an, wer das meiste Geld für Equipment ausgibt, sondern darauf, wer am meisten Energie und Leidenschaft rein steckt." Und an Leuten mit Leidenschaften mangelt es nicht.



"Wenn's rockt ist ein Netzwerk," erklärt Bernd weiter. "Insgesamt gibt es so rund 20 Leute in ganz Deutschland, die in kleinen Teams, meist zu Dritt, zusammen Sendungen machen können, wenn sie Lust haben, egal wo. Stefan, Rebecca Schweier aus Leipzig und ich bestimmen zwar die grobe Richtung, und sagen auch deutlich, wenn wir uns eine Band nicht für Wenn's rockt vorstellen können, aber eigentlich kann jeder erstmal machen. Es gibt natürlich ein paar technische Vorraussetzungen, damit die Qualität der Sendung verlässlich ist, aber das ist schon alles."

Das Wenn's rockt-Netzwerk entstand durch die von Stefan und Bernd an der FH Furtwangen initiierte und von ihnen als Dozenten geleitete Wahlpflichtveranstaltung "Videoproduktion: Konzertmitschnitte"; eine Lehrveranstaltung, aus der diverse Episoden Wenn's Rockt entstanden sind.

Und wie geht's weiter mit Wenn's rockt? "Wir arbeiten natürlich immer an neuen Episoden." erzählt Stefan. "Im Moment überlegen wir, wie wir Wenn's rockt auch auf DVD vertreiben können. Und natürlich suchen wir immer neue Leute, die Lust haben bei Wenn's rockt mitzumachen. Das ist ganz unkompliziert. Wichtig ist nur, dass wir die selben Interessen haben. Technische Erfahrungen sind nicht wichtig und eine örtliche Begrenzung gibt es auch nicht. Einfach bei uns melden, dann trinken wir mal ein Bier zusammen und hören ein bisschen Musik."

Mehr dazu:

  • Gute Laune Furtwangen-Webcast: Website