Wenn's in der WG kracht: Wie das Studentenwerk Studi-WGs bei Konflikten helfen will

Julia Nikschick

Haufenweise schmutziges Geschirr in der Küche, ein versifftes Bad, unterschiedliche Erwartungen an das Zusammenleben, unangekündigte Partys, wenn andere lernen müssen: Konfliktstoff gibt es in Wohnheim-WGs reichlich. Das Studentenwerk Freiburg will in Zukunft Spannungen im WG-Leben mit interkulturellem Training und einer Mediatorin begegnen



„Hast Du schon wieder kein Toilettenpapier gekauft? Wer hat schon wieder die leere Tunfischdose stehen lassen? Kannst Du endlich die Musik leiser machen? Ich muss lernen!“ Jeder, der schon einmal in einer WG gelebt hat, kennt diese oder ähnliche Sätze. Wenn der Putz- oder Einkaufsplan nicht eingehalten wird, die Musik zu laut und der Fußboden zu dreckig ist. Meist regeln sich solche Streitigkeiten mit einer Aussprache am gemeinsamen Küchentisch. Doch sie können auch Zündstoff für dauerhaften Clinch sein. Die Lösung liegt dann nahe: Einer muss ausziehen. Leichter gesagt als getan, vor allem dann, wenn der Mitbewohner der beste Freund ist.


In Freiburg kann Studenten in solchen Fällen die psychotherapeutische Beratungsstelle des Studentenwerks helfen. „Zu uns kommen gelegentlich Studenten, die nicht selbst in Not sind, sondern Hilfe für ihre Mitbewohner suchen“, sagt Margarete Dietl, Psychologin der Beratungsstelle des Studentenwerks der Uni Freiburg. Sie versuche dann jene Motivation zu vermitteln, die nötig ist, damit der Betroffene selbst Hilfe sucht. „Oft ist es jedoch nötig, dass der Student sich zuerst noch ein klareres Bild von der Situation seines Mitbewohners verschafft. Manchmal reicht es auch, wenn er selbst Hilfe anbietet –  die Möglichkeit zum Reden beispielsweise“, räumt die Psychologin ein. Doch was tun, wenn der Streit allein nicht mehr zu schlichten ist?

Die Universität Köln hat für diese Fälle ein spezielles Programm: Mediation. Diese Art von Vermittlung soll den Konflikt durch den offenen Umgang mit dem Problem lösen. Diplompsychologe Ludger Büter vom Studentenwerk der Uni Köln erzählt, dass er oft die letzte Rettung sei. „Wenn Betroffene zu mir kommen, dann weil sie glauben, dass die Situation, in der sie stecken, nicht mehr schlimmer werden kann.“ In Einzelgesprächen spricht er zunächst mit den Beteiligten, um sich ein Bild von der Situation zu verschaffen. Erst dann kommt es zu einem Gruppengespräch, entweder in der WG oder in Büters Büro. „Wichtig ist bei dieser Art von Konfliktlösung, dass alle Parteien von sich aus zum Gespräch erscheinen.“ Um das zu gewährleisten, sollen die Beteiligten zuerst untereinander ausmachen, ob sie einen Mediator hinzuziehen. Dieser muss unbedingt neutral bleiben, damit ein lösungsorientiertes Gespräche möglich ist.

Streitereien, die Mediation als Lösungsform benötigen, seien in Freiburg zwar kein Massenphänomen, dennoch plant das Studentenwerk der Uni, seinen Service auszuweiten. Renate Heyberger, stellvertretende Geschäftsführerin des Studentenwerks, erklärt: „Bisher bieten wir interkulturelles Training in unseren Wohnheimen an. Dies ist besonders hilfreich, um die ausländischen und deutschen Studenten zu sensibilisieren, zum Beispiel in Bezug auf die unterschiedlichen Vorstellungen von Ordnung. Wir versuchen so Spannungen von Beginn an entgegenzuwirken.“

Das Konfliktpotential sei dennoch da, zum Beispiel durch das Nichteinhalten des Putzplanes oder unterschiedliche Hygienevorstellungen. Für diesen Fall müsse man Hilfestellungen liefern. Eine Mediatorin haben sie bereits in ihren Reihen, das Angebot ist in Planung – jetzt wartet man gespannt, ob das Freiburger WG-Leben wirklich so friedlich ist, wie es scheint.

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