Aufregen ist ihr Hobby

Wenn queerphobe Firmen ihre Einstellung ändern

Dita Whip

Nachdem der Barilla-Konzernchef sich vor fünf Jahren mit einer Aussage gegen homosexuelle Lebensweise, unbeliebt machte, hat das Unternehmen eine Wandlung durchlebt. Doch nicht alle Firmen sind so, sagt Dita Whip.

Pink an Stelle des klassischen Blau: Der italienische Pastahersteller Barilla präsentiert seine sonst blaue Nudelverpackung in der neusten Imagekampagne des Unternehmens auf einmal in Pink. (Okay, altrosa.) Das dazu gehörige Kampagnenvideo wartet mit einem Cast wie aus dem Diversitäts- und Inklusionshandbuch auf: Drag Queens, Trans*personen, verschiedenste Hautfarben und die Grand Dame des Cinema Italiano, Sophia Loren.

Dabei waren homosexuelle Paare dem Firmenchef Guido Barilla 2013 noch äußerst unwillkommen in seiner Pasta-Werbewelt. Und wem das damals nicht gepasst hat, der solle "eben andere Nudeln essen", so Barilla. Ein 180 Grad Wandel.



Im Kern steht aber die Frage: Wie sollte die Community und einzelne LGBT-Personen mit Firmen umgehen, welche sich homo- und queerphob äußern? Die einfachste Variante wäre sicherlich der Boykott. Allerdings, dessen sollte man sich bewusst sein, ist das mit dem Boykott eine nicht ganz einfache Sache. Am Beispiel Nestlé zeigt sich, dass aus Gewohnheit, Vergessen oder Markenintransparenz doch schneller ein Produkt der zu meidenden Firma im Korb landet. Zudem löst der Boykott löst nicht das Grundproblem: Die Firma und/oder die Personen in Entscheidungspositionen bleiben oft ihrer rückständigen Denkweise treu.

Um Wandel zu erzwingen, bleibt nur ein Mittel: Entsprechende Firmen öffentlich an den Pranger stellen. Es muss klar kommuniziert werden, dass ein solches Verhalten, solche Denkweisen und Strukturen allgemein, inakzeptabel sind. Das schafft natürlich niemand allein, immerhin zeigt sich, dass organisierte Proteste und Petitionen zu Veränderungen im realen Leben führen können. Am Beispiel Barilla, hat sich 2013 gezeigt, wie schnell sich das Blatt für ein Unternehmen wenden kann. Der öffentliche Ruf von Barilla bekam Risse. An den Supermarktkassen zeigte sich ein klarer Verkaufsrückgang. Einzelhandelsverbände und Reseller zeigten sich besorgt.

Um aus der PR-Katastrophe wieder herauszukommen, musste sich die Firma verändern. Und genau das ist passiert. Im gleichen Jahr führt das Unternehmen ein Diversity & Inclusion Board in die Unternehmensstruktur ein, macht die lesbische YouTuberIn Hannah Hart 2016 zum Pasta Girl und wirbt im vergangenen Jahr das erste Mal mit einem lesbischen Pärchen. Sichtbare Veränderung, durch Protest.

Nicht alle Unternehmen bekennen sich zu den Belangen der LGBT-Community

Offensichtlich ist: So läuft es nicht immer. Ein namhaftes Beispiel in Deutschland zeigt, dass nicht alle Unternehmen etwas darauf geben, die LGBT Community als Kunden und Kundinnen zu halten. Müllermilch hat im Jahr 2015 Andreas Gabalier als Botschafter für die Marke engagiert. Gabalier ist kein unbeschriebenes Blatt was das Thema Homo- und allgemeine Queerphobie angeht. (Rage Mode On) Er ist ein Horst erster Güteklasse, der mit einer unglaublichen Inbrunst klassische Geschlechterstereotypen und schlechte Musik verbreitet (Rage Mode Off).

Trotz Beschwerden aus der LGBT*IQA-Community hat sich Müllermilch nicht von Gabalier als Werbepartner getrennt. Dem Unternehmen war es wohl schlichtweg egal. Es sind eben "genderverseuchte Zeiten" in denen Schwule sich, laut Gabalier wirklich zurückhalten sollten... der Kinder zuliebe. Es geht allerdings auch noch härter. Es gibt Firmen, die sich zwar nicht öffentlich mit Anti-LGBT-Aussagen ins Gespräch bringen, sondern "im Stillen" viel Geld an Organisationen und Vereine spenden, welche sich Zielen verschrieben haben, die meiner Meinung nach kein toleranter und weltoffener Mensch gut heißen kann.

Der Schokoladenhersteller Läderach würde die Aufmerksamkeit seiner Kunden sicher gern auf die Schokolade und süßen Feinheiten lenken. Problem an der Sache ist nur, dass die Familie hinter dem Chocolatier Suisse gegen Anliegen der LGBTIQA-Community engagiert. Die Familie unterstützt aktiv den "Marsch fürs Läbe" (Eine Demonstrationsbewegung die sich gegen Abtreibung und gegen Sterbehilfe einsetzt) und ist in der Christianity for Today engagiert. Diese Organisation ist gegen eine Eheöffnung oder gegen ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare. Da vergeht mir sämtlicher Schokoladengenuss.

Homophobie erkennt man nicht nur an einzelnen Aussagen

An nur wenigen Beispielen wird klar: Homophobe Firmen erkennt man nicht nur an einzelnen Aussagen, Markenbotschafterinnen oder Werbekampagnen. Es lohnt sich zu schauen, wo sich Besitzerinnen und Besitzer engagieren, wie Unternehmen Spenden und wie sich Unternehmen zu LGBT-Mitarbeitern und deren Rechten positionieren. Firmen sollten sich ein Beispiel an Barilla nehmen. Zwar hat es das Unternehmen fünf Millionen Euro gekostet, allerdings kann Barilla heute einen perfekten Punktestand im Gleichstellungsindex der Human Rights Campaign vorweisen. Zudem zeigt der Konzern auch einiges an Unterstützung für LGBT-Gruppen.

Für Verbraucher sind solche Beispiele ein Ansporn wachsam zu sein. Am Beispiel Müller zeigt sich: Nicht immer reichen sinkende Umsätze um Unternehmen zum Umdenken zu bringen.
Dita Whip

Dita Whip – die Freiburger Drag Queen, Burlesque Showgirl und One "Woman" Sensation hat prinzipiell eine Meinung zu allem. Vor allem aber zu Themen welche die queere Community betreffen. Und dabei bleibt die schwarze Witwe gern dem Motto "Hauptsache Unfreundlich" treu. Für fudder schreibt Dita Whip seit Januar 2019 monatlich eine Kolumne, in der es um Themen gehen soll, die die LGBTQI-Szene umtreiben. Da Dita von sich selbst sagt, dass Aufregen ihr Hobby ist, ist das auch das Stichwort der Kolumne.