Wenn Mama rappt und Papa springt: Die Fantastischen 4 in Freiburg

Marius Buhl

Sie sind die deutschen Beastie Boys: Seit 25 Jahren rappen 'Die Fantastischen 4' auf Deutsch - mit unglaublichem Erfolg. Warum eigentlich? Die Antwort - das hat auch das Konzert in Freiburg am Montagabend gezeigt - ist dieselbe wie bei Grönemeyer und den Hosen: Sie waren einfach immer da.



Es könnten auch die Toten Hosen, Grönemeyer oder die Ärzte sein, die am Montagabend in Freiburg auftreten. Der Parkplatz ist voll, die Schlange endlos, die Fans zwischen zehn und sechzig, zwischen Punk und Spießbürgertum, zwischen Hiphop-Mützen und North-Face-Jacken. Aber nein, Die Fantastischen 4 sind in Freiburg - und mit ihnen die Vergangenheit.

Es ist das Jahr 1989: In Deutschland fällt die Mauer, die deutsche Sprache erobert die Popmusik und vier Jungs aus dem Stuttgarter Umland treten zum ersten Mal als Die Fantastischen Vier in Stuttgart auf. Ihrer Musik, Hiphop in deutscher Sprache, hat damals kaum einer eine Chance gegeben. Die Szene betrachtet Thomas D, Michi Beck, Smudo und And.Ypsilon eher als “uncoole Cousins” (juice) denn als ernstzunehmende Konkurrenten, respektiert sie aber. Das ändert sich mit dem ersten Mega-Hit. “Die da” sprengt alle Rekorde und Fanta4 werden die Posterboys des deutschen Hiphops. Der Untergrund fühlt sich verraten, spricht den Schwaben die Street Credibility ab - und verunglimpft die Musik als Pop.

Zeitsprung, 25 Jahre später: Neun Studioalben, die großen deutschen Hallen sind voll. 52 Euro verlangen Fanta4 für den Abend in Freiburg, für zusätzliche 30 € können die Fans noch einen Live-Konzertmitschnitt erwerben. 25 Jahre - Silberhochzeit. Als Spiegel Online vor ein paar Wochen das zwanzigjährige Jubiläum feierte, spielten - natürlich - Fanta 4. Man könnte sagen, die Stuttgarter sind älter als das Internet.

Thema Altwerden mit Musik: Wie fantastisch sind die vier denn heute noch? Das Konzert beginnt mit einer Täuschung: Während alle gebannt zur Bühne blicken, stehen die Rapper auf einmal mitten im Publikum. Sie rappen: “Thomas, Smudo, Andy, Michi rocken die gesamte City, rocken gottverdammte Hits, seit 25 Jahren im Bizz.” Konfettiknall.

Überraschung: Schon zu diesen ersten Reimen gehen die Hände der mitgealterten Elektrotechniker, Professorinnen und Kindergärtner hoch. Das wird so bleiben: Zu “Buenos Dias Messias” tanzen sie, zu “Tag am Meer” schwenken sie ihre Displays und Feuerzeuge, zu “Was geht” springen sie, zu Thomas Ds Eso-Gesülze “Gott ist mein Zeuge” nicken sie gedankenverloren.

Energielevel, klare Aussprache und Ohwurmfaktor sind gleich geblieben, nur die Fantas selbst haben sich verändert. Thomas Ds ehedem fantastisch austrainierter Oberkörper ist ein wenig außer Form geraten, die schräg sitzende Mütze von Michi Beck wirkt inzwischen berufsjugendlich, Smudo gleicht bisweilen eher einem gemütlichen Realschullehrer denn einem Rapstar. Aber gut, das muss erlaubt sein.

Also die Frage: Wie wurde aus Fanta4 deutsches Kulturgut? Weder rappen Thomas, Michi und Smudo technisch besonders hochwertig, noch mischt Andy die krassesten Beats, noch sind Fanta4 durch besondere Schlagzeilen aufgefallen. Vermutlich ist die Antwort dieselbe, die auch die Phänomene Grönemeyer, Hosen und Ärzte erklärt: Sie waren einfach immer da. Aus den verschiedenen Ecken deutscher Popmusik kommend, haben sie sich langsam Richtung Mitte bewegt, bis sie eine so große Schnittmenge erreicht haben, dass ihre Hits auch SWR3-Hörer begeistern. Vorteil Fanta 4:
Die Fans der ersten Stunde sind "troy" geblieben. In Freiburg wurde das auch den Söhnen und Töchtern eben dieser Langzeit-Bewunderer klar. Wenn Mama rappt und Papa springt, dann sind Fanta4 schuld. Dieser Spruch könnte noch in 25 Jahren Bestand haben.

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Fotogalerie: Miroslav Dakov

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