Wenn Krebs verbindet: Der Verein Jung & Krebs bietet jungen Betroffenen Hilfe

Melissa Betsch

Der Verein Jung & Krebs aus Freiburg unterstützt junge Erwachsene in ihrem Kampf gegen den Krebs. Die Selbsthilfegruppe leistet dazu einen wichtigen Beitrag und will den Betroffenen vermitteln: Du bist nicht allein.

"Hallo, mein Name ist Carsten und ich habe Krebs." So beginnt ein typisches Treffen einer Selbsthilfegruppe für Krebspatienten. "Nicht so bei uns", meint Carsten Witte, Vorstand des Freiburger Vereins Jung & Krebs. 2011 wurden bei dem 30-Jährigen Knochenkrebs am linken Unterarm und 2013 sowie 2014 insgesamt drei Metastasen in der Lunge diagnostiziert.


"Krebs verbindet. " Elisa Hein

Ende 2014 gegründet, hat es sich der Verein zum großen Ziel gesetzt, junge krebskranke Erwachsene auf ihrem schweren Weg mit der Diagnose zu unterstützen. "Wir stehen zusammen mit dem Verein dafür ein, den Leuten Mut zu machen", bekräftigt auch die 37-jährige Elisa Hein, die seit 2002 mit dem Befund Lymphdrüsenkrebs in Form von Morbus Hodgkin lebt.

Bei seiner Arbeit mit den Betroffenen bedient sich Jung & Krebs verschiedener Möglichkeiten, von denen die Selbsthilfegruppe als wohl wichtigstes Medium fungiert. Diese wurde Ende des Jahres 2014 von Witte selbst ins Leben gerufen, da er aufgrund fehlender Austauschmöglichkeiten mit anderen jungen Betroffenen ein Einsamkeitsgefühl verspürte, dem er sich nicht beugen wollte. Auch die momentan 20 bis 25 Mitglieder verbindet alle eins: Die Suche nach Gleichgesinnten. Mit der Diagnose werde jeder automatisch auch mit der Isolation konfrontiert, da seine Welt nicht mehr zu der der Anderen passe, sagt auch Hein. "Gerade dann ist es unglaublich wichtig zu wissen: Ich bin nicht alleine damit."

Besonders schön sei dabei, dass man sich in der Gruppe nicht erklären muss, da jeder mit der Krankheit vertraut ist. "Wir können gemeinsam einsam sein", sagt die 37-Jährige. Denn Angehörige schaffen es trotz aller Bemühungen nicht, sich so in die Betroffenen hineinzuversetzen, wie andere Krebskranke es können. Melanie Wendl, die letztes Jahr ebenfalls die Diagnose Hodgkin-Lymphom bekam, ergänzt: "In der Gruppe fühlt man einfach eine starke Verbundenheit, Vertrauen und Respekt. Hier fühlt es sich fast so an, als ob das alles normal wäre." Deshalb sei der Austausch in der Gruppe auch so enorm wichtig.

Witte ist besonders auch von der Solidarität und den Freundschaften begeistert, die die Selbsthilfegemeinschaft hervorgebracht hat. Ob in lockerer Atmosphäre im Restaurant oder in der WhatsApp-Gruppe - die Mitglieder fangen sich gegenseitig auf und teilen sowohl schlechte als auch gute Zeiten. "Krebs verbindet", bringt Hein es auf den Punkt.

Engagement auf allen Ebenen

Die Sitzungen der Gruppe selbst unterscheiden sich dabei in zwei Arten. Bei seriösen Treffen, die ein Mal am ersten Montag des Monats stattfinden, haben die Teilnehmer vor allem die Gelegenheit, ihre Sorgen, Ängste und Gedanken vorzubringen. Doch auch Lehrstunden mit Psychologen, Ärzten und Biologen finden hier statt. Bei den lockeren Treffen geht es mehr um den Austausch in entspannter Atmosphäre, wie etwa in Restaurants oder Cafés. "Hier kann es durchaus auch mal nicht nur um Krebs gehen", sagt Witte.

Doch Jung & Krebs zeichnet sich nicht nur durch eine starke Selbsthilfegemeinschaft aus. Auch die Wunscherfüllung liegt den ehrenamtlich Engagierten am Herzen. Dabei sollen kleine Präsente wie Konzertkarten, Kinogutscheine oder ein Wellnesswochenende Betroffenen helfen Kraft, zu tanken, sich abzulenken oder zu belohnen. Daneben unterstützt der Verein die Krebspatienten finanziell und organisiert regelmäßig Gemeinschaftsaktionen wie die Teilnahme am Freiburg Marathon, einen Kunsttherapie-Nachmittag, Yoga-Sessions und die bekannte "Hommage ans Leben" - "eine Feier, bei der wir mit Tanz, Musik, Comedy und sensiblen Redebeiträgen das Leben auf die Bühne bringen", wie Witte erklärt.

Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs




In Kooperation mit der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs in Berlin sind zudem sogenannte Erste-Hilfe-Videos auf Youtube erschienen, in denen Betroffene ihre Erfahrungen und Tipps zum Thema Krebs an andere weitergeben. "Leider hat nicht jeder das Glück, in seiner Stadt eine Selbsthilfegruppe zu haben", meint Wendl. "Die Videos sollen deshalb eine erste Anlaufstelle sein, die Anstöße gibt, was nach der Diagnose zu tun und zu beachten ist". Damit könne dem Schockzustand nach einer Diagnose entgegengewirkt werden, so die 32-Jährige.

"Jung & Krebs ist ein Lebensgefühl." Elisa Hein

Trotz seines ereignisreichen Jahres hat der Verein bereits Pläne für 2018. Sowohl die "Hommage ans Leben" als auch die Marathonteilnahme sind für das kommende Jahr fest eingeplant. Daneben soll im Januar ein Videodreh stattfinden, um vor allem jüngere Krebspatienten besser erreichen zu können, da der Altersdurchschnitt der Gruppe zur Zeit etwa bei 30 Jahren liegt. Gleichzeitig soll ihnen damit die Angst vor dem Wort "Selbsthilfegruppe" genommen werden, was auf viele abschreckend wirke, so Witte. Dazu kommen regelmäßige Treffen, die auch die Angehörigen der Betroffenen miteinbeziehen und Feste zu Neujahr, Weihnachten und im Sommer. Hein verrät, dass sie zudem eine monatliche Kolumne auf der Jung & Krebs-Facebookseite plant.

Für die Selbsthilfegemeinschaft wünschen sich die Mitglieder dabei besonders, dass die respektvolle, entspannte Stimmung, die in der Gruppe herrscht, auf alle Menschen überspringen und in die Welt getragen werden würde. "Jung & Krebs ist ein Lebensgefühl und eine Melodie, zu der jedes Mitglied seine persönliche Note beiträgt. Es wäre toll, wenn jeder diese Melodie bald summen würde", meint Hein. Bei der Antwort auf die Frage, welche Botschaft sie den Betroffenen selbst gerne mitgeben würden, sind sich alle drei sofort einig: "Du bist nicht allein."
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