Wenn du mich jetzt küsst, knallts gewaltig!

Steffen Wittmann

Ein 19-jähriger Nachtschwärmer soll im Februar eine 22-jährige Studentin mit aller Kraft dazu gedrängt haben, mit ihm auf sein Hotelzimmer zu gehen. Für die Studentin ist die Sache glimpflich ausgegangen. Und für den Angeklagten? Steffen berichtet aus dem Amtsgericht.



Der Tathergang

Auf der Anklagebank im Saal VIII des Amtsgerichts Freiburg sitzt der 19-jährige Alexander S. und wartet auf den Beginn seiner Verhandlung. Alexander macht gerade eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Ihm wird sexuelle Nötigung in Tateinheit mit Körperverletzung vorgeworfen. In Alexanders Erziehungsregister finden sich mehrere Einträge, unter anderem wegen unerlaubten Besitzes von Rauschmitteln. Deshalb musste er auch seine frühere Schule verlassen.

Am 10. Februar 2007 feiert die 22jährige Studentin Daniela T. mit einer Freundin das Ende ihrer Prüfungen in der Diskothek Crash in Freiburg. Gegen 4.30 Uhr verlassen Daniela T. und deren Freundin die Diskothek und beschließen das Café Atlantik am Schwabentor aufzusuchen, um dort zu frühstücken. Vor der Diskothek trifft Danielas Freundin noch einige Freunde, die Daniela jedoch nicht kennt.

Die Gruppe beschließt, ein Taxi zum Café zu nehmen, doch als für Daniela kein Platz mehr da ist, beschließt sie, zu Fuß zu gehen. Auf dem Weg trifft sie Alexander, der seinerseits eine feuchtfröhliche Nacht in der Diskothek Agar verbracht hatte. Die beiden kommen ins Gespräch und lernen sich näher kennen. Nach ein paar Minuten kommen die beiden an einem Taxistand vorbei und Daniela rät Alexander aufgrund seines Zustands ein Taxi nach Hause zu nehmen.

Der lehnt jedoch dankend ab und folgt Daniela weiterhin auf Schritt und Tritt bis sie anhält, um sich eine Zigarette anzuzünden. Alexander beginnt seinen Arm um Daniela zu legen. Sie droht: „Wenn du mich jetzt noch versuchst zu küssen, dann knallt's gewaltig!“

Doch davon lässt sich der selbsternannte Casanova nicht abschrecken und versucht Daniela einen Kuss aufzudrücken, worauf er, wie schon vorher angedroht, eine Ohrfeige kassiert und Daniela in normalem Laufschritt die Flucht ergreift.

So schnell gibt sich der Kerl mit den kurzen, blondierten Haaren nicht geschlagen: er folgt ihr lauthals schreiend und bietet ihr an, mit ihm in sein Hotelzimmer zu kommen, was Daniela aber strikt ablehnt. In der Gerberau kommt es nun zur Eskalation: Alexander versucht Daniela mit aller Kraft in einen Hauseingang zu zerren, wogegen sich die Frau mit lauten Hilfeschreien wehrt und sich daraufhin auf die Straße retten kann.

Aber auch hier kann sich Daniela nicht in Sicherheit wiegen, denn Alexander folgt ihr und fängt an, sie zu schlagen und zu treten und lässt erst dann von ihr ab, als drei junge Passanten hinzustoßen. Als sich die drei Passanten Daniela zuwenden, um ihr zu helfen, flieht Alexander. Wenig später stellt ihn die Polizei in seinem Hotelzimmer in Lehen.



Die Ungereimtheiten

Ungereimtheiten treten desöfteren im Zusammenhang mit dem Marihuanakonsum des Angeklagten auf, da er zuerst angibt nur jeden zweiten Tag zu kiffen. Die Testergebnisse ergeben jedoch einen häufigeren Konsum, woraufhin der Richter den Angeklagten nochmals auf die wahrheitsgetreue Aussagepflicht aufmerksam machen muss.

Das Urteil

...folgt nach etwa dreieinhalb Stunden. Da die Geschädigte Daniela T. völlig auf Schmerzensgeld verzichtet, wird Alexander S. zu einer Geldstrafe von insgesamt 700€ verurteilt, die an eine wohltätige Organisation gespendet werden soll. Außerdem muss sich Alexander an eine Drogenberatungsstelle wenden und regelmäßige Urinproben zur Kontrolle abgeben.

Das schönste Zitat

"Die Juristen denken mehr, als sie sollen.” Richter