Wenn die Schwarze Witwe beißt

Veit Blümlhuber

Softwarefirmen bekämpfen Internetpiraterie im Auftrag großer Konzerne. Das Programm "Black Widow" (Schwarze Witwe) eines Schweizer Anbieters macht Nutzer von so genannten peer to peer-Netzwerken dingfest. veit hat sich erkundigt, wie das Programm funktioniert und ob man sich dagegen schützen kann.



Die Sauger

peer to peer (p2p) Netzwerke sind Plattformen, auf denen Internetnutzer meist illegal Filme, Musik und Software austauschen. Die Inhaber der Urheberrechte, zum Beispiel der Musikkonzern Universal, sieht das bekanntlich gar nicht gern. Er beauftragt deshalb Softwarefirmen wie die Schweizer Copy Rights Solutions GmbH, den Saugern auf die Schliche zu kommen.

Black Widow ist ein Programm, das Internetpiraterie in den Netzwerken eMule und Bittorent und somit 80 Prozent des p2p-Geschehens bekämpft. Das Programm stammt von der Schweizer Softwarefirma Copy Right Solutions (CRS).



Es sammelt Informationen über Nutzer, die illegal urheberrechtlich geschützte Inhalte von CRS-Kunden tauschen und verbreiten. Die Kunden sind Firmen aus der Softwarebranche (Ubisoft, Kochmedia, Novitas) und Verlagshäuser wie Rowohlt. Opfer findet die Schwarze Witwe genug. Tausende ahnungslose Nutzer bleiben täglich in ihrem Netz hängen, so feinmaschig ist es.

Die Technik der Verfolger

Nutzer von P2P-Netzwerken müssen ihre Identität preisgeben, wenn sie geschützte Inhalte (Musik etwa) kostenlos tauschen wollen. Möchte zum Beispiel Nutzer A das Lied „Katzenklo“ von Helge Schneider mit dem Programm eMule runterladen, schickt das Programm für ihn eine Anfrage an alle im eMule-Netzwerk angemeldeten Computer (Nutzer B,C,D, etc). Die Nutzer B,C,D antworten automatisch.

Diejenigen, die die gewünschte Datei gespeichert haben, geben ihre IP-Adresse (elektronische Postanschrift) an Nutzer A weiter. Nutzer A findet also mit Hilfe der IP-Adresse den Computer von Nutzer B,C,D und beginnt das "Katzenklo" herunterzuladen. Nutzer A hat bis zu diesem Zeitpunkt keine Straftat begangen.



Straffällig wird Nutzer A erst, wenn er auf seinem Rechner gespeicherte Inhalte zum Tausch weitergibt. Um aber selbst Dateien von anderen Nutzern zu erhalten, muss Nutzer A seine Inhalte zum Tausch zu Verfügung stellen. Dies ist die Grundlage von p2p-Netzwerken.

Will also Nutzer B von Nutzer A eine Datei hochladen, muss Nutzer A ihm seine IP-Adresse übermitteln.

Unter der Voraussetzung, dass sich die Schwarze Witwe an die aktuelle Gesetzeslage hält, setzt sie an diesem Punkt an. Sie gibt sich in eMule wie ein normaler Nutzer aus, stellt Suchanfragen an andere Nutzer. Natürlich sucht sie nur nach geschützten Inhalten ihrer Kunden. Die Nutzer übermitteln, sollten sie angefragte Inhalte besitzen, ihre IP-Adresse, welche die Schwarze Witwe in einer Datenbank speichert.

Der Nutzer beginnt nun, die angeforderte Datei an die Schwarze Witwe zu senden. Diese blockiert den Datentransfer. Die ködernde Softwarefirma beteiligt sich daher höchstwahrscheinlich nicht an einer Straftat.

Wird die Schwarze Witwe zum wiederholten Mal auf den gleichen Nutzer aufmerksam, übermittelt sie automatisch dessen IP-Adresse an den zuständigen Staatsanwalt des Bundeslandes. Dieser entscheidet über eine eventuelle Hausdurchsuchung. Namen und Adresse des Nutzers erhält der Staatsanwalt vom Internet Service Provider (z.B. Telekom, AOL). Diese Informationen gibt er dann an eine Regensburger Rechtsanwaltskanzlei weiter.



Der Nutzer erhält von den Anwälten einen Brief. Er ist jetzt kein Nutzer mehr, sondern ein Internetpirat. Bis zu 10 000 dieser Abmahnungen verschickt die Kanzlei pro Tag.

CRS ist nicht die einzige Softwarefirma, die den „Straftaten des 21. Jahrhunderts“ (KUW Rechtsanwälte) in Deutschland auf der Spur ist. Weitere sind die Logistep AG und die ProMedia GmbH. Jede Firma arbeitet mit einer eigenen Anwaltskanzlei zusammen. Anwälte und Firmenchefs fordern von den Netzsaugern saftige Summen für jedes Delikt. Goldgräberstimmung!



Der Widerstand

Bei der wachsenden Bedrohung der Jäger formieren sich die Gejagten zum Widerstand. Findige Computerbenutzer haben in einem Forum eine detaillierte Skizze des Netzwerks rund um die Antipirateriefirmen CRS, Logistep und Promedia veröffentlicht. Die Identitäten der Programmierer der Schwarzen Witwe haben diese Grübler allerdings noch nicht ermittelt.

Aber können sie nicht mehr? Warum hat noch niemand versucht, der Schwarzen Witwe ein Bein auszureißen? Aus zwei Gründen dürfte das sehr schwierig sein. Das System Schwarze Witwe ist vermutlich auf einem Großrechner mit entsprechend gutem Schutz verteilt - oder gleich auf mehrere Rechner.

In diesem Fall dürfte ein Angriff auf einen Rechner dem System nur minimalen Schaden zufügen. Zudem ist die Identifizierung der Schwarzen Witwe kaum möglich, da sie im Netzwerk wie ein normaler Nutzer auftritt und somit vollkommen in der User-Menge verschwindet.

Auch ein Programm, das die IP-Adresse des Nutzers verschleiert, ist kein effizienter Schutz vor der Schwarzen Witwe. Daten werden mit Hilfe dieser Programme über eine Vielzahl von Rechnern und so genannte Mixkaskaden geschickt, die Daten hierbei miteinander vermischt.

Am Ende weiß man nicht mehr, was von welchem Rechner stammt. Dieses Verfahren, auch Deidentifizierung genannt, ist aufwändig und funktioniert deswegen nur bei der Übermittlung sehr kleiner Datenmengen. Es würde Tage dauern, um einen Film mit dieser Methode runterzuladen. Zudem existiert bisher kein nichtkommerzieller Anbieter solcher Mixkaskaden für die Netzwerke Bittorrent und eMule.



Die Alternativen

Das Usenet birgt die Möglichkeit, kostenlos urheberrechtlich geschützte Inhalte zu konsumieren. Die Strafverfolgung ist sehr schwierig. Die Inhalte liegen zerstückelt auf unterschiedlichen Servern. Desweiteren wechseln diese Teilstücke den Server mehrmals täglich. Kommerzielle Anti-Piraterie Firmen müssten einen eigenen Usenet-Server betreiben, um damit Teile von urheberrechtlich geschützten Dateien zum Herunterladen anzubieten. Sie würden in einer rechtlichen Grauzone agieren. Ähnliche Methoden sind im Bereich der Strafverfolgung (Drogen- /Waffenhandel) üblich.

Grundsätzlich wäre es daher eher Aufgabe der Polizei, Betreiber von Usenetservern ausfindig zu machen. Dafür fehlt aber im Moment noch die rechtliche Grundlage. Da das Usenet ein selbstständiges, dem Internet ähnliches Netzwerk ist, wird ein kostenpflichtiger Zugang vom Provider benötigt, zusätzlich zum Internetzugang. IRC ist ein altes, rein textbasiertes Chat-Netzwerk aus den späten Achtzigern. In manchen Chaträumen befinden sich als Chatter getarnte Programme, auch Bots genannt. Auf Anfrage senden diese Programme Inhalte wie Filme, Musik, elektronische Bücher,etc. Für die Benutzung des IRV zum illegalen Herunterladen muss man jedoch einige Botbefehle kennen. Dies und die vorsintflutlichen Benutzeroberflächen schrecken bis zum heutigen Tage viele Nutzer ab.
  • 3. Internetradio / Internetfernsehen
Mit den entsprechenden Programmen können Musik und Filme aus den laufenden Programmen ausgeschnitten werden.