Wenn die KaJo zu teuer wird

Kristina Bieda

Es gibt einige Menschen in Freiburg, die es sich nicht leisten können, ihre Kleidung in einem normalen Geschäft zu kaufen. Sie gehen mit speziellen Bedarfsscheinen in den Kleiderladen in der Schwarzwaldstraße. Kristina hat sich angeschaut, wie es dort zugeht.



Jeder gibt, nur mancher nimmt

9.30 Uhr, ein Dezembermorgen in der Schwarzwaldstraße 31. Zehn Helfer sind im Laden damit beschäftigt, die abgegebene Kleidung anzuschauen und zu sortieren – nach verschiedenen Größen, für Männer oder Frauen, Hosen oder Röcke, Schuhe oder Jacken. „Bei uns kann alles an Kleidung und Schuhen abgegeben werden“, sagt Gudrun Neuhöfer.



Sie hilft seit sechs Jahren ehrenamtlich im Kleiderladen und ist die Schatzmeisterin des 2006 gegründeten Fördervereins.

Im Laden stehen jetzt ein paar Menschen, die Sachen aussuchen und anprobieren. „Es kann nicht jeder in den Kleiderladen kommen und sich einfach Sachen mitnehmen“ erklärt Frau Neuhöfer. Man muss nachweisen, dass man auf die Kleidung angewiesen ist. Dies geschieht in Form eines Bedarfsscheins, den das Sozialamt, das Rote Kreuz oder das Studentenwerk ausstellt. Auf diesem Schein ist vermerkt, welche Kleidungsstücke benötigt werden.



Stadt auf Sparkurs

„Noch geben wir die Kleidung umsonst ab, aber die Stadt will, dass wir irgendwann Geld für die Kleidung nehmen. Dagegen protestieren wir Ehrenamtlichen“, sagt Neuhöfer. Schon einmal taten sie das, gegen geplante Sparmaßnahmen der Stadt. Im vergangenen Jahr sollte eine der beiden Halbtagesstellen gestrichen werden. Ohne diese funktioniert der Kleiderladen aber nicht. Mit einer Unterschriftenaktion konnte man die Streichung verhindern.

Auch die Gründung des Fördervereins bewirkte, dass die Stadt die Arbeit der vielen Ehrenamtlichen ernstnimmt. „Es geht nicht nur darum, die Kleidung anzunehmen, zu sortieren und an Bedürftige abzugeben, sondern es gibt auch viel Büroarbeit zu erledigen“, erzählt Petra Werner. Sie hilft seit Oktober 2006 ehrenamtlich im Kleiderladen.



Schlafsäcke für Obdachlose

Neben den zwei Teilzeitkräften helfen noch eine Zwei-Euro-Kraft und etwa 35 Ehrenamtliche im Kleiderladen mit. Der Förderverein selbst hat mittlerweile 89 Mitglieder. „Den Jahresbeitrag nutzen wir, dringend benötigte Sachen zu kaufen“, sagt Neuhöfer. Zum Beispiel winterfeste Schlafsäcke für Obdachlose. „Aber das Geld reicht nicht für alles."



Besondere Anlässe

„Für uns ist wichtig,“ betont Neuhöfer, „dass wir die Bedürftigen auch wirklich wie Menschen behandeln und dass sie merken, dass sie nicht irgendwelche Almosen von uns bekommen. Wir geben ihnen also nicht einfach die Kleidung, sondern beraten sie auch. Zum Beispiel kommt auch mal jemand, der auf eine Hochzeit eingeladen ist, dann suchen wir natürlich ein schönes Kleid raus. Oder es kommen junge Männer, die lange Zeit arbeitlos waren und nun ein Vorstellungsgespräch haben. Denen suchen wir etwas Passendes. Dadurch geben wir ihnen auch wieder etwas Mut.“



Über die Hemmschwelle

Mittlerweile ist eine junge Familie dabei, Kleider auszusuchen. Sie sind Hartz-IV-Empfänger. Sascha (24) ist schon lange arbeitslos und hat einen einjährigen Sohn. Er ist schon öfter im Kleiderladen gewesen, aber seine Frau ist heute zum ersten Mal dabei. Oma Brigitte (50) ist regelmäßig im Kleiderladen. „Für Familien, die wenig Geld haben, ist der Laden super“, sagt sie. „Man wird freundlich behandelt und man findet eigentlich auch immer was.“

Sascha erzählt, dass man die ersten Male natürlich Hemmungen hat, dieses Angebot anzunehmen. „Aber man wird mit der Zeit lockerer.“ Nach unserem kurzen Gespräch widmet sich die Familie wieder ihren Sachen. Ein paar Geschirrhandtücher haben sie gefunden, jetzt suchen sie noch nach Kinderbettwäsche.



Viel Unbrauchbares

Während sich im vorderen Ladenbereich etwa eine Handvoll Leute ihre Kleidung aussuchen, herrscht hinten bei der Kleiderannahme ein Kommen und Gehen. Ständig liefert jemand neue Kleidung. Kisten werden hin und her geschleppt. Im Monat werden sechs bis sieben Tonnen an Kleidung gespendet, doch davon sind fast vier Tonnen nicht zur Weitergabe geeignet.

„Im Moment benötigen wir dringend feste Schuhe in großen Größen, Herrenunterwäsche, Handschuhe, Mützen, aber auch Handtücher“, erzählt Frau Harnisch. „Teilweise ist es aber eine Unverschämtheit, was die Leute so bringen. Entweder sind die Sachen so kaputt, dass man sie gar nicht mehr brauchen kann oder sie sind total dreckig."

„Wir haben einen starken Zulauf und es werden immer mehr Bedürftige, die das Angebot annehmen. Ein Großteil sind Russlanddeutsche. Aber auch Arbeitslose, Hartz-IV-Empfänger und viele Obdachlose kommen,“ erzählt Frau Neuhöfer.



Eine Stammkundin

Alla ist 68 und kommt ursprünglich aus der Ukraine. Vergangene Woche ist ihr Mann nach 49 Jahren Ehe gestorben. Sie ist seit acht Jahren regelmäßiger Gast im Kleiderladen. „Ich bin sehr froh, dass es diesen Laden gibt. Ich weiß nicht, was ich sonst machen würde. Es ist eine sehr gute Idee. Die Leute sind alle sehr freundlich und hören sich meine Probleme an und haben Mitleid mit mir.“

Heute hat sie leider nicht alles gefunden, was sie braucht, aber mit ihrem Schein kann sie innerhalb von vier Wochen wiederkommen.



Mehr dazu:

  • Wegbeschreibung: Mit der Straßenbahnlinie 1 Richtung Littenweiler, Haltestelle „Brauerei Ganter“
  • Adresse: Kleiderladen, Schwarzwaldstraße 31, 79117 Freiburg
  •  Öffnungszeiten: Kleiderannahme Di und Mi 9-12 UhrMi und Do 15-17 UhrKleiderabgabeDi 9-12 UhrMi 15-17 Uhr (nur für Frauen und Kinder)Do 15-18 Uhr
  • Spendenkonto: Bankhaus E. Mayer, Konto 1423100, BLZ 680 300 00