"Wenn der Vorhang fällt": Doku über deutschen Hiphop läuft ab Donnerstag im Friedrichsbau

Elena Stenzel

Drei Jahre lang hat Produzent Michi Münch an der Doku "Wenn der Vorhang fällt" über die deutsche Hiphop-Szene gearbeitet. Am 30. März läuft er in den Kinos an.

Der deutsche Hiphop ist schizophren. Er hat zwei Arme, einen Pumper-Arm und einen ganz normalen Arm. Aber immerhin fragt niemand, wo man herkommt. Für Sido ist Hiphop "einfach ein schlodderiger Typ".


Der Trailer der Doku "Wenn der Vorhang fällt" von Filmemacher Michi Münch gibt viele Erklärungen, was und vor allem wie deutscher Hiphop eigentlich ist. Er holt die großen Stars der Szene vor die Kamera und redet mit ihnen über die Anfänge und Einflüsse des Hip Hops in Deutschland. Entstanden ist eine 80-minütige Doku über Deutschlands Rapper.

Eine Doku war logistisch einfacher zu stemmen

Michi Münch arbeitete drei Jahre an dem Film. Hauptberuflich ist der Frankfurter Filmeditor und eigentlich in der Autowerbung zu Hause. Vor ein paar Jahren hatte er Lust, ein Filmprojekt durchzuziehen. Er stellte sich ein Team aus Freunden zusammen, die beruflich alle der Filmbranche entstammen.


Eine Doku ist es geworden, weil das logistisch einfacher zu organisieren ist und, weil Münch den Dreh selbst finanzierte, auch günstiger. Aber wieso deutscher Hiphop? "Das war eine Musik und eine Kultur, die ich privat mal mehr, mal weniger verfolgt habe. Das war so die erste Musik, mit der ich mich auch inhaltlich auseinander gesetzt habe, so mit acht oder neun. Gerade eben, weil sie auf deutsch war", sagt Münch.

Tour mit dem VW Bus

In einer ersten Runde trommelte er einige Rapper für ausgiebige Interviews zusammen. Münch und sein Team düsten mit dem VW Bus los, um die Rapper in ganz Deutschland zu besuchen. Aus den Interviews wurde ein Trailer zusammengeschnitten und an andere Rapper geschickt. Danach kam die zweite Interview-Runde. Auf diese Weise konnte er die Drehs so einteilen, dass immer genug Zeit und Ressourcen zur Verfügung standen.

Das Team und die Künstler arbeiteten umsonst. Wie hat er die Künstler ohne Gage für das Filmprojekt gewonnen? "Ich habe mit einem Designer zusammen ein Booklet erstellt und an das jeweilige Management geschickt. Die haben dann gesehen: Okay, der meint das ernst, der gibt sich Mühe und sich dann bei mir gemeldet. Ich habe nicht irgendwie Freunde oder Connections in der Szene, das lief eigentlich immer ganz offiziell über das Management".

Die Kultur hinter dem HipHop vorstellen

In den Interviews erzählen die Rapper von den Anfängen des Rap, wie sie zum Hiphop kamen und was die deutsche Szene beeinflusste. Wichtig war dem Produzenten dabei, eine Chronologie reinzubekommen und die Kultur dahinter vorzustellen, denn oft steht Hiphop bloß mit negativen Schlagzeilen in der Öffentlichkeit. "Klar, wir zeigen auch die Probleme der Szene und die Lösungen, die sie dafür bereit hält, wenn es die gibt."

Es geht um die Geschichte der vergangenen 30 Jahre der Szene, um die Rebellion gegen die Eltern ("Ich glaube für einen Bushido wäre es das schlimmste, wenn Mutti sagen würde: Schatz ich hör' deine Musik so gerne", heißt es in einem Interview), um die Zukunft ("Die Frage ist halt, was da noch kommt", meint Chefket) und die Anerkennung als Musikrichtung ("Endlich sind wir so weit, dass Rap auch als Musik anerkannt wird", stellt Sido erfreut fest).

Premiere auf dem DOK.fest in München

In der Regel gingen die Interviews eine Stunde: "Manchmal haben sich die Künstler aber auch mehr als eine Stunde Zeit genommen. Manchmal hatte ich aber auch schon nach einer halben Stunde, was ich wollte". Der Film ist sehr "redeintensiv" geworden, sagt Münch, die Künstler hatten viel zu erzählen. Unterlegt wurden die Gespräche und Szenen - natürlich- mit viel deutschem Rap.

Im Mai vergangenen Jahres hatte der Film Premiere beim DOK.fest in München, drei ausverkaufte Vorstellungen hatten sie damals. Jetzt startet der Film bundesweit in den Kinos. Zusätzlich sind die Macher mit einem Teil der Acts auf Kinotour. Nach Freiburg kommen sie aber nicht.

Was ist Hiphop eigentlich für Michi Münch? "Das gibt es auf der einen Seite das Sich Messen in der Szene. Aber letzten Endes stell' ich mir die Szene wie eine Block-Party vor. Am Ende des Tages kommen alle zusammen und trinken gemeinsam ein Bierchen und verstehen sich gut."
  • Was: Kinostart "Wenn der Vorhang fällt"
  • Wann: ab 30.März, Freitag um 21.50 Uhr und Sonntag bis Dienstag um 21.30 Uhr Wo: Friedrichsbau, Kaiser-Joseph-Str. 268 - 270

Trailer: Wenn der Vorhang fällt



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