Wenn das Traumstudium anders ist als gedacht, kann ein Fachwechsel das Richtige sein

Gina Kutkat

Der Start ins Studium ist immer eine Herausforderung. Doch was, wenn nach ein paar Wochen Ernüchterung eintritt? Fudder hat mit zwei Studienfachwechslerinnen der Uni Freiburg gesprochen.

Sich für Gerechtigkeit einsetzen. Menschen helfen. Mehr über das Rechtssystem erfahren. Das wünscht sich Karen Bartholomeyczik, als sie sich mit 17 Jahren an der Universität Freiburg für das Fach Jura einschreibt. Die ersten Wochen im Wintersemester 2014/2015 verstreichen und Karen merkt, dass ihre Vorstellungen des Fachs Jura zwar zutreffen, sie aber etwas anderes spannender findet. "Bei Jura setzt man erst dann an, wenn die Entscheidung schon gefallen ist. Ich interessierte mich mehr dafür, wie Menschen überhaupt zu einer Entscheidung gekommen sind."


Am Ende des ersten Semesters fällt sie selbst eine Entscheidung: Sie will ihr Studienfach wechseln. Damit ist Karen eine von vielen Studienfachwechslern. Diese sind in der Statistik der Uni Freiburg nicht gesondert aufgeführt. 1350 Studierende haben sich im Wintersemester 2017/2018 neuimmatrikuliert. "Darunter fallen alle, die schon einmal ein Studium begonnen haben", sagt Unipressesprecher Rudolf-Werner Dreier. Also auch Wechsler von anderen Universitäten.

Recherchieren und "probestudieren"

"In der Beratung kommt es sehr häufig vor", sagt Friedrich Arndt, Leiter der Zentralen Studienberatung. In seine Sprechstunde kommen oft Studierende, die unsicher sind, ob sie das Richtige studieren. "Wir versuchen dann zu klären, ob die Unzufriedenheit am Fach oder der Lebensumstellung liegt."

Für Karen ist die Sache schnell klar: Nicht das Studieren an sich, die neue Stadt Freiburg oder fachliche Probleme machen ihr zu schaffen. "Meine Interessen lagen einfach anders", sagt Karen. Durch ein Gespräch mit einem Bekannten findet sie heraus, dass die Sachen, die sie interessieren, in der Psychologie zu finden sind. Sie macht einen Termin bei der Zentralen Studienberatung aus, spricht mit Freunden und besucht eine Psychologie-Vorlesung. "Ich wollte beim zweiten Mal die richtige Entscheidung treffen", sagt sie. Alles Wichtige über das Fach recherchieren und eine Weile probestudieren – das sind auch die Empfehlungen, die die Studienberater in ihren Sprechstunden geben.

"Man sollte sich frühzeitig über Fristen und Bewerbungsmodalitäten des neuen Studiengangs informieren. Viele Fächer sind zulassungsbeschränkt." Friedrich Arndt, Leiter der Zentralen Studienberatung
Weil die meisten Studiengänge an der Uni Freiburg zum Wintersemester beginnen, überlegt Karen sich, wie sie die Monate bis September überbrücken kann. Sie macht ein Praktikum in einer Grundschule und in einem Unternehmen, das Auslandsaufenthalte für Schüler vermittelt. "Dort hatte ich durch Beratungsgespräche viel Kundenkontakt und habe gemerkt, dass es mir liegt, im direkten Umgang mit Menschen zu arbeiten", sagt die 21-Jährige.

Die Zeit zwischen den Semestern sinnvoll gestalten, rät auch Friedrich Arndt. "Außerdem sollte man sich frühzeitig über Fristen und Bewerbungsmodalitäten des neuen Studiengangs informieren. Viele Fächer sind zulassungsbeschränkt." Wer wie Karen zu Psychologie wechselt, muss sich für das Fach bewerben und erst einmal einen Studienplatz bekommen, bevor der Wechsel beantragt werden kann. In ihrem Fall glückt der Wechsel problemlos.

Die Exmatrikulation riskieren oder das Fach wechseln?

Mittlerweile studiert Karen im sechsten Semester Psychologie und ist froh, den Wechsel gewagt zu haben. Eventuell möchte sie später in der Beratung arbeiten oder Psychotherapeutin werden. Denn sie hat noch immer einen Wunsch: Menschen helfen.

Etwas anders lief es für die Studentin Wifek Bouaziz. Die 23-jährige gebürtige Tunesierin kam mit einem Visum nach Deutschland, um an der Uni Freiburg Biologie zu studieren. Weil sie zwei Mal durch eine wichtige Matheprüfung fiel, stand sie am Ende des dritten Semesters unfreiwillig vor einer Entscheidung.

Die Exmatrikulation riskieren oder das Fach wechseln? "Ich hätte gerne noch weiter Bio studiert. Wäre ich aber ein drittes Mal durchgefallen, wäre ich exmatrikuliert worden und hätte mein Visum verloren."

Die bevorstehende Prüfung setzt die Studentin unter Druck, sie weint viel und berät sich mit ihrer Schwester. Die Sorge, es nicht zu schaffen, steht im Vordergrund. Gleich danach kommt die Frage: Was für einen Eindruck macht es, wenn ich in ein anderes Fach wechsle?

"Ich habe in der Zeit viele Erfahrungen gemacht, habe Freunde gefunden und bin auch erwachsen geworden." Wifek Bouaziz
Ein Besuch in der Studienberatung bringt Erleichterung: Wifek trifft die Entscheidung, etwas anderes zu studieren – obwohl sie dann einen kleinen Bruch im Lebenslauf hat. Sie bleibt an der Uni Freiburg eingeschrieben und wechselt im Wintersemester 2016/2017 zum Bachelorstudiengang Frankomedia mit dem Nebenfach Sinologie.

Wifek ist glücklich mit ihrer Entscheidung. "Ich stresse mich nicht mehr so wie früher", sagt sie, endlich könne sie entspannt studieren. Anfangs sieht sie die ersten drei Semester Biologie noch als verschwendete Zeit an. Jetzt ist das anders: "Ich habe in der Zeit viele Erfahrungen gemacht, habe Freunde gefunden und bin auch erwachsen geworden."
Wechsel mit Bafög

Ein Wechsel innerhalb von zwei Semestern ist in der Regel möglich. Später muss das Vorliegen eines wichtigen (bis zum Ende des 3. Fachsemesters) oder unabweisbaren (nach dem Beginn des 4. Fachsemesters) Grundes nachgewiesen werden. Um keinen Verlust des Förderungsanspruches zu riskieren, sollte man sich generell vorab beim zuständigen Amtes für Ausbildungsförderung des Studierendenwerks Freiburg beraten lassen. Alle Infos rund um Fachrichtungswechsel und BAföG gibt es auch auf der Webseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.