Wenn Asiaten sterben

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, was eine echte Unglückszahl ist? Was hierzulande als Triskaidekaphobie (Angst vor der Zahl 13) spätestens beim 13. Monatsgehalt nicht mehr wirklich gefürchtet wird, wird in anderen Völkern deutlich ernster genommen. Im chinesischen und japanischen Kulturraum ist die Zahl 4 so gefürchtet, weil sie wirklich todbringend ist.

In den chinesischen Hochdialekten Mandarin und Kantonesisch, aber auch im Japanischen klingen die Wörter für "vier" und "Tod" fast identisch. Und das schlägt sich nicht nur im Aberglauben nieder; an einem vierten eines Monats werden Reisen vermieden, in keinem Krankenhaus findet man ein viertes Stockwerk oder einen Raum mit der Nummer vier. Und auch in Flugzeugen oder Zügen sucht man eine Sitzreihe oder einen Platz mit dieser Nummer vergebens.


Dass diese Abneigung noch viel weitere Kreise zieht, zeigten vor wenigen Jahren Forscher der University of California, San Diego. Zum einen bewiesen sie anhand von Wahltelefonnummern, dass US-Amerikaner japanischer oder chinesischer Abstammung die Todesziffer deutlich seltener in ihrer Telefonnummer verwenden.

Die spezielle Sitte der US-Verwaltung, bei ihren Bürgern auch Daten über die "Rasse" (hispanic, caucasian, asian, usw.) zu speichern, eröffnete den Forschern die Möglichkeit zu untersuchen, ob die Vier tatsächlich todbringend sein sollte. Die Auswertung von Sterbedaten von über 47 Millionen Amerikanern, wovon ca. 200 000 asiatischer Abstammung waren, erbrachte ein deutliches Ergebnis.

An jedem Vierten eines Monats stieg die Sterberate unter den japanischen und chinesischen Amerikanern um signifikante sieben Prozent, was bei einer so großen Datenmenge einen nicht zu wiederlegenden Anstieg ausmacht. Die Forscher nannten dieses Phänomen den Baskerville-Effekt.

Wie anscheinend schon der gelernte Arzt Arthur Conan Doyle wusste, erhöht eine akute Stresssituation beim Menschen das Infarktrisiko. So wie es manchen Japanern und Chinesen an einem Vierten geht, brachte der Stress auch seine Romanfigur Charles Baskerville um: Der äußerst abergläubische Mann musste nur glauben, den berüchtigten Hund zu sehen, schon bekam er einen Herzinfarkt.